Tomáš Holomek

Logo
Search
Tomáš Holomek
  • Version 1.0
  • Publikationsdatum 6. Mai 2026

Tomáš Holomek, geboren am 10. November 1911 in Svatobořice, Österreich-Ungarn (ab 1918 zur Tschechoslowakei gehörend), stammte aus Hraničky, einer romani Siedlung, die zwischen der Stadt Kyjov und dem Dorf Svatobořice (Bezirk Hodonín) in Südmähren lag. Sein Vater Pavel Holomek (1882–1944) genoss in der Siedlung hohes Ansehen; er verdiente seinen Lebensunterhalt zunächst als Pferdehändler und zog später nach Svatobořice, wo er für die Familie ein Haus baute.

Nach dem Abschluss des Gymnasiums in Kyjov nahm Tomáš Holomek 1932 ein Studium an der Juristischen Fakultät der Karls-Universität in Prag auf. Er schloss sein Studium 1946 mit dem akademischen Grad Doktor der Rechtswissenschaften ab und wurde damit der erste tschechoslowakische Rom mit einem Universitätsabschluss. Darüber hinaus war er ein begeisterter Sportler, beherrschte fließend Latein, Deutsch und Französisch und spielte Geige.

Überleben im Versteck

Nach den Massendeportationen von Rom:nja und Sinti:ze aus dem Protektorat Böhmen und Mähren in das Konzentrations– und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im Jahr 1943 versteckte sich Tomáš Holomek bis Kriegsende in den Wäldern und in verschiedenen romani Siedlungen in der Slowakei. Sein Vater und seine fünf Brüder kamen zusammen mit vielen anderen Angehörigen in Auschwitz-Birkenau und anderen Konzentrationslagern ums Leben. Seine Frau, die keine Romni war, und seine beiden Kinder entkamen der nationalsozialistischen Verfolgung, indem sie sich bei Verwandten und Freund:innen versteckten.

Bürgerrechtsbewegung

Nach dem Krieg arbeitete Tomáš Holomek als Jurist in den Ortskomitees (Gemeindeverwaltungen) in Hodonín und Gottwaldov (heute Zlín) und wurde dann Militärstaatsanwalt im Rang eines Obersts. Zusammen mit seinem Neffen Miroslav Holomek (1925–1989) gründete er 1969 den Verband der Zigeuner-Roma, wo er sich unter anderem mit der Frage der Entschädigung der Rom:nja für die rassistische Verfolgung durch die Nationalsozialist:innen befasste. Er war auch einer der Mitbegründer der internationalen romani Bewegung. Als Mitglied der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei gehörte er von 1969 bis 1971 dem tschechischen Nationalrat und der Bundesversammlung an. Tomáš Holomek starb am 25. Oktober 1988 in Brno.

Hinterlassenschaft

Tomáš’ Sohn Karel Holomek (1937–2023) absolvierte die Fakultät für Ingenieurwesen der Militärakademie in Brno. Anschließend leitete er das von den Verbänden der Zigeuner-Roma im Rahmen ihres Névodrom-Projekts in Brno eingerichtete Ausbildungszentrum für Kunstschlosserei und Schmiedekunst, war aber in den 1980er-Jahren gezwungen, verschiedene ungelernte Tätigkeiten zu übernehmen. Gleichzeitig beteiligte er sich an Aktivitäten gegen das kommunistische Regime bis zu dessen Zusammenbruch im Jahr 1989. Von 1990 bis 1992 war er Mitglied des tschechischen Nationalrats.

Im Jahr 1991 war er zusammen mit seiner Tochter Dr. Jana Horváthová (geb. 1967), Historikerin, Museologin und spätere Direktorin des Museums, maßgeblich an der Gründung des Museums der Roma-Kultur in Brno beteiligt. Im Jahr 2001 übernahm Karel Holomek die Leitung der gemeinnützigen Organisation „Verband der Roma in Mähren“ in Brno. Eine seiner wichtigsten Aktivitäten war das Gedenken an den nationalsozialistischen Genozid an den Rom:nja. Unter dem Pseudonym Karel Oswald schrieb Karel Holomek das Buch „Dávné vzpomínky: Marnost nad marnost, ale jak krásná…“ [Ferne Erinnerungen: Es ist alles ganz eitel, aber wie schön…], das 2010 veröffentlicht wurde und die Geschichte seiner Familie, einschließlich der tragischen Geschichte während des Zweiten Weltkrieges, beschreibt. Karel Holomek starb am 27. August 2023.

Citation

Michal Schuster: Tomáš Holomek, in: Encyclopaedia of the Nazi Genocide of the Sinti and Roma in Europe. Ed. by Karola Fings, Research Centre on Antigypsyism at Heidelberg University, Heidelberg 6 May 2026.-

1969
30 August 1969The Czech ‘Union of Gypsies-Roma’ [Svaz Cikánů-Romů] is officially established in Brno, Czechoslovakia.