Štěpán Blahynka

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Štěpán Blahynka
  • Version 1.0
  • Publikationsdatum 6. Mai 2026

Štěpán Blahynka wurde am 31. Mai 1894 im Dorf Skalka (Bezirk Kyjov, heute Tschechische Republik) geboren. Während des Ersten Weltkrieges diente er als Frontsoldat; danach trat er in die österreichisch-ungarische Gendarmerie ein und arbeitete in der Gendarmeriestation in der Stadt Lišov (Bezirk České Budějovice).

Nach der Gründung der Tschechoslowakei siedelte er in die Slowakei über, wo er sechs verschiedene Dienstposten innehatte. Im Jahr 1932 wurde er Kommandeur des Gendarmeriebezirks in der Stadt Námestovo im Norden der Slowakei, anschließend diente er in gleicher Funktion in der Stadt Banská Bystrica in der Mittelslowakei. Nach der Gründung des Slowakischen Staates und des Protektorats Böhmen und Mähren im März 1939 übernahm er die Stellung des zweiten Offiziers und später des Kommandeurs des Gendarmeriebezirks in Uherské Hradiště in Südmähren.

Kommandant in Hodonin und Lety

Im November 1940 wurde Štěpán Blahynka in den Beamtenstatus erhoben und mit dem Titel vrchní kancelářský oficiál [Deutsch: Administrativoberoffizial] ausgestattet. Die Landesregierung in Brno [Deutsch: Brünn] ernannte ihn zum Kommandanten des Arbeitsstraflagers in Hodonín bei Kunštát; auch als am 2. August 1942 auf demselben Gelände ein Zigeunerlager eröffnet wurde, blieb er in dieser Funktion tätig.

Vom 20. Januar bis zum 15. Mai 1943 fungierte Štěpán Blahynka vorübergehend auch als Kommandant des „Zigeunerlagers“ Lety bei Pisek. Er leitete dort unmittelbar Maßnahmen ein, um die grassierende Typhusepidemie zu stoppen und die Bedingungen für die Unterbringung der Häftlinge zu verbessern, damit die Deportation in das Konzentrations– und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau so schnell wie möglich erfolgen konnte. Nach seiner Rückkehr in das Lager Hodonin bei Kunstat sorgte Štěpán Blahynka für die Deportation nahezu aller dort inhaftierten Rom:nja und Sinti:ze nach Auschwitz-Birkenau. Er blieb bis zur Liquidierung des Lagers am 1. Dezember 1943 dessen Kommandant.

In mehreren Nachkriegszeugnissen von überlebenden Rom:nja wird Štěpán Blahynka als streng, aber gerecht charakterisiert. Positiv bewertet wird insbesondere seine Tätigkeit im Lager Lety bei Písek, wo sich während seiner Amtszeit die medizinische Versorgung und die Zuteilung von Lebensmitteln für die Häftlinge merklich verbesserten.

Nach der Liquidierung des Lagers Hodonin bei Kunstadt wurde Štěpán Blahynka Verwalter des Arbeitserziehungslagers in Mladkov (heute Bezirk Blansko), wo er bis Kriegsende tätig war.

Nach 1945

Nach Kriegsende wurde Blahynka Bezirkskommandeur des Staatssicherheitskorps [Sbor národní bezpečnosti] in Kyjov und trat 1949 in den Ruhestand. Im Gegensatz zu Josef Janovský (1880–unbekannt), dem ehemaligen Kommandanten des Lagers Lety bei Pisek, wurde Štěpán Blahynka für seine Tätigkeit in den Lagern Lety und Hodonin nie belangt. Aus seinen Aussagen in der Nachkriegszeit geht hervor, dass er seine dortige Arbeit als Mission und Dienst an der tschechischen Gesellschaft betrachtete. Er starb am 13. Januar 1956; der Ort ist nicht bekannt.

Zitierweise

Michal Schuster: Štěpán Blahynka, in: Enzyklopädie des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma in Europa. Hg. von Karola Fings, Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg, Heidelberg 6. Mai 2026.-

1942
2. August 1942Im Protektorat Böhmen und Mähren (deutsch besetzte tschechische Länder) werden die „Zigeunerlager“ Lety bei Pisek und Hodonin bei Kunstadt in Betrieb genommen. In den ersten Tagen werden mehr als tausend Menschen in jedes Lager verschleppt.
2. – 7. Dezember 1942Der erste Transport von Sinti und Roma aus dem „Zigeunerlager” in Hodonin bei Kunstadt, Protektorat Böhmen und Mähren (deutsch besetzte tschechische Länder), zum Konzentrationslager Auschwitz I (deutsch annektiertes Polen) erfolgt auf Grundlage des Befehls zur „vorbeugenden Verbrechensbekämpfung”. Der Transport umfasst 78 überwiegend alte männliche und weibliche Häftlinge.
16. Dezember 1942„Auschwitz-Erlass“: Heinrich Himmler, Chef der Schutzstaffel („Reichsführer-SS“), des Reichssicherheitshauptamtes und des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes, ordnet die Deportation von Sinti:ze und Rom:nja aus dem Deutschen Reich in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau an.
31. Dezember 1942Das „Zigeunerlager“ Lety bei Pisek im Protektorat Böhmen und Mähren (deutsch besetzte böhmische Länder) wird wegen einer Epidemie von Typhus und Fleckfieber unter Quarantäne gestellt.
1943
6. März 1943Der erste Deportationszug aus dem Protektorat Böhmen und Mähren (deutsch besetzte tschechische Länder) in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (deutsch annektiertes Polen) auf der Grundlage des „Auschwitz-Erlasses“, in dem sich ca. 1 040 romani Männer, Frauen und Kinder befinden, verlässt die Stadt Brünn. Sie werden am 7. und 8. März im Lager registriert.
10. März 1943 Der zweite Deportationszug aus dem Protektorat Böhmen und Mähren (deutsch besetzte tschechische Länder) auf der Grundlage des „Auschwitz-Erlasses“, in dem sich ca. 650 romani Männer, Frauen und Kindern befinden, kommt von der Stadt Prag aus im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (deutsch annektiertes Polen) an. Sie werden am 11. März registriert.
19. März 1943Etwa 1 050 Männer, Frauen und Kinder, die auf der Grundlage des „Auschwitz-Erlasses“ aus dem Protektorat Böhmen und Mähren (deutsch besetzte tschechische Länder) deportiert wurden, werden bei ihrer Ankunft im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (deutsch annektiertes Polen) registriert. Sie kommen mit dem dritten Deportationszug aus dem Protektorat an, der in der Stadt Olmütz abfährt.
7. Mai 1943Etwa 860 Männer, Frauen und Kinder, hauptsächlich Gefangene des Zwangslagers Lety bei Pisek, werden im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (deutsch annektiertes Polen) registriert. Sie wurden mit dem vierten Deportationszug aus dem Protektorat Böhmen und Mähren (deutsch besetzte tschechische Länder) auf der Grundlage des „Auschwitz-Erlasses“ deportiert.
8. August 1943In Lety bei Pisek im Protektorat Böhmen und Mähren (deutsch besetzte tschechische Länder) wird die „Liquidierung“ des „Zigeunerlagers“ abgeschlossen und das Lager offiziell aufgelöst.
22. August 1943Etwa 770 Männer, Frauen und Kinder, hauptsächlich Häftlinge des „Zigeunerlagers“ Hodonin bei Kunstadt, werden im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (deutsch annektiertes Polen) registriert. Sie wurden mit dem fünften Deportationszug aus dem Protektorat Böhmen und Mähren (deutsch besetzte tschechische Länder) auf der Grundlage des „Auschwitz-Erlasses“ deportiert.
30. September 1943Das „Zigeunerlager“ Hodonin bei Kunstadt im Protektorat Böhmen und Mähren (deutsch besetzte tschechische Länder) wird aufgelöst, aber erst am 1. Dezember 1943 offiziell geschlossen.
19. Oktober 1943Auf der Grundlage des „Auschwitz-Erlasses“ kommt der sechste Deportationszug aus dem Protektorat Böhmen und Mähren (deutsch besetzte böhmische Länder) mit ca. 90 Personen aus den Städten Prag und Brünn im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (deutsch annektiertes Polen) an.
1944
28. Januar 1944Auf der Grundlage des „Auschwitz-Erlasses“ trifft der siebte Deportationszug aus dem Protektorat Böhmen und Mähren (deutsch besetzte tschechische Länder) mit ca. 60 Personen im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (deutsch annektiertes Polen) ein.