Robert Mitrovski, geboren am 1. Mai 1921 (der Geburtsort ist unbekannt), war eines der Opfer des ersten dokumentierten Massakers an Rom:nja im deutsch besetzten Estland.
Laut der am 1. Dezember 1941 durchgeführten Volkszählung lebten in der Provinz Pärnu 59 Rom:nja. Zu diesem Zeitpunkt waren alle bis auf neun von ihnen im Gefängnis von Pärnu inhaftiert. Die deutsche Sicherheitspolizei (Sipo) hatte sie gemäß dem am 18. September 1941 erteilten Befehl des Leiters der Heeresgruppe Nord Rückwärtige Gebiete, Franz von Roques (1877–1967), verhaftet. Die Polizei bezeichnete sie als „Zigeuner“ und „arbeitsscheu“, nannte aber keinen konkreten Grund für ihre Verhaftung und machte keine Angaben zur Dauer ihrer Inhaftierung. Es handelte sich um eine außergerichtliche Verurteilung oder um „polizeiliche Vorbeugehaft“, wie sie seit 1937 vom deutschen Innenministerium vorgesehen war.
Flucht
Unter den Inhaftierten befanden sich die Freunde Karl (geb. 1924 oder 1925–unbekannt) und Juhan Koslovski (1922–1942), Richard Eamets (1926–unbekannt) und die Brüder Karl-Alfred (1919–1942) und Robert Mitrovski. Am 20. Januar 1942, gegen acht Uhr, gelang ihnen die Flucht aus dem Gefängnis. Die Wachen konnten sofort alle außer Karl Koslovski und Richard Eamets festnehmen. Robert Mitrovski und Juhan Koslovski waren Analphabeten. Robert Mitrovski war ein Arbeiter aus der Gemeinde Kõpu. Auch Juhan Koslovski verdiente seinen Lebensunterhalt mit körperlicher Arbeit. Er und sein Freund Karl Koslovski stammten beide aus Tsirgulinna in der Provinz Valga. Robert Mitrovski befand sich zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung in der Gemeinde Tori und Juhan Koslovski in der Stadt Pärnu. Sie erklärten, dass sie sich aufgrund der schlechten Verpflegung und der Kälte im Gefängnis sowie der Ungewissheit über ihre Haftzeit zur Flucht entschlossen hätten. Wie Robert Mitrovski es ausdrückte: „Wir Roma wussten nicht, wie lange wir inhaftiert sein würden.“ Sie gaben an, nichts über den Verbleib von Karl Koslovski und Robert Eamets zu wissen, deren Angehörige sich ebenfalls in Haft befanden.
Ermordung
Die beiden Entflohenen waren nach einem Monat noch nicht gefasst. Die estnische Kriminalpolizei in Pärnu leitete daraufhin eine landesweite Fahndung ein. In der Zwischenzeit wurden Ende März alle Rom:nja von Pärnu in das Gefängnis von Harku verlegt. Anfragen in Harku verliefen ergebnislos: Koslovski und Eamets standen nicht auf der Häftlingsliste. Am 27. Oktober 1942 wurde die anderen Rom:nja aus der Provinz Pärnu vor ein Erschießungskommando gestellt. Zu den Ermordeten gehörten Karl-Alfred Mitrovski, Juhan Koslovski, Robert Mitrovski, der Vater von Richard Eamets, Jaan (1907–1942), und der Vater der Mitrovskis, Ernst (1893–1942). Viele weitere ihrer Verwandten wurden ebenfalls erschossen.