Robert Mitrovski

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Robert Mitrovski
  • Version 1.0
  • Publikationsdatum 28. März 2025

Robert Mitrovski, geboren am 1. Mai 1921 (der Geburtsort ist unbekannt), war eines der Opfer des ersten dokumentierten Massakers an Rom:nja im deutsch besetzten Estland.

Laut der am 1. Dezember 1941 durchgeführten Volkszählung lebten in der Provinz Pärnu 59 Rom:nja. Zu diesem Zeitpunkt waren alle bis auf neun von ihnen im Gefängnis von Pärnu inhaftiert. Die deutsche Sicherheitspolizei (Sipo) hatte sie gemäß dem am 18. September 1941 erteilten Befehl des Leiters der Heeresgruppe Nord Rückwärtige Gebiete, Franz von Roques (1877–1967), verhaftet. Die Polizei bezeichnete sie als Zigeuner und „arbeitsscheu“, nannte aber keinen konkreten Grund für ihre Verhaftung und machte keine Angaben zur Dauer ihrer Inhaftierung. Es handelte sich um eine außergerichtliche Verurteilung oder um „polizeiliche Vorbeugehaft“, wie sie seit 1937 vom deutschen Innenministerium vorgesehen war.

Flucht

Unter den Inhaftierten befanden sich die Freunde Karl (geb. 1924 oder 1925–unbekannt) und Juhan Koslovski (1922–1942), Richard Eamets (1926–unbekannt) und die Brüder Karl-Alfred (1919–1942) und Robert Mitrovski. Am 20. Januar 1942, gegen acht Uhr, gelang ihnen die Flucht aus dem Gefängnis. Die Wachen konnten sofort alle außer Karl Koslovski und Richard Eamets festnehmen. Robert Mitrovski und Juhan Koslovski waren Analphabeten. Robert Mitrovski war ein Arbeiter aus der Gemeinde Kõpu. Auch Juhan Koslovski verdiente seinen Lebensunterhalt mit körperlicher Arbeit. Er und sein Freund Karl Koslovski stammten beide aus Tsirgulinna in der Provinz Valga. Robert Mitrovski befand sich zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung in der Gemeinde Tori und Juhan Koslovski in der Stadt Pärnu. Sie erklärten, dass sie sich aufgrund der schlechten Verpflegung und der Kälte im Gefängnis sowie der Ungewissheit über ihre Haftzeit zur Flucht entschlossen hätten. Wie Robert Mitrovski es ausdrückte: „Wir Roma wussten nicht, wie lange wir inhaftiert sein würden.“ Sie gaben an, nichts über den Verbleib von Karl Koslovski und Robert Eamets zu wissen, deren Angehörige sich ebenfalls in Haft befanden.

Ermordung

Die beiden Entflohenen waren nach einem Monat noch nicht gefasst. Die estnische Kriminalpolizei in Pärnu leitete daraufhin eine landesweite Fahndung ein. In der Zwischenzeit wurden Ende März alle Rom:nja von Pärnu in das Gefängnis von Harku verlegt. Anfragen in Harku verliefen ergebnislos: Koslovski und Eamets standen nicht auf der Häftlingsliste. Am 27. Oktober 1942 wurde die anderen Rom:nja aus der Provinz Pärnu vor ein Erschießungskommando gestellt. Zu den Ermordeten gehörten Karl-Alfred Mitrovski, Juhan Koslovski, Robert Mitrovski, der Vater von Richard Eamets, Jaan (1907–1942), und der Vater der Mitrovskis, Ernst (1893–1942). Viele weitere ihrer Verwandten wurden ebenfalls erschossen.

Zitierweise

Anton Weiss-Wendt: Robert Mitrovski, in: Enzyklopädie des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma in Europa. Hg. von Karola Fings, Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg, Heidelberg 28. März 2025.-

1937
14. Dezember 1937In Deutschland ergeht der „Erlass zur vorbeugenden Verbrechensbekämpfung. Auf dieser Grundlage kann die Kriminalpolizei jederzeit Sinti:ze und Rom:nja in Konzentrationslager verschleppen.
1941
18. September 1941Die Wehrmacht befiehlt die Verhaftung aller Rom:nja im deutsch besetzten Estland.
1942
20. Januar 1942Fünf jugendliche Rom:nja brechen aus dem Gefängnis von Pärnu im deutsch besetzten Estland aus. Die Gefängniswärter nehmen drei von ihnen, Juhan Koslovski, Robert Mitrovski und Karl-Alfred Mitrovski, kurz darauf fest. Richard Eamest und Karl Koslovski können fliehen.
27. Oktober 1942Ermordung von 243 Rom:nja in Harku (deutsch besetztes Estland), unter ihnen Karl Siimann, Leontine Siimann und Richard Siimann.