Catea Avram stammte aus einer Familie von Pferde- und Wagenhändler:innen, die in der Region zwischen der rumänischen Dobrudscha und dem südlichen Bessarabien lebte. Ihr Geburtsdatum ist nicht bekannt. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg heiratete sie Ion Tudorachi Avram (unbekannt–1943), einen Rom aus ihrer Community. Sie hatten acht Kinder: drei Jungen und fünf Mädchen.
In der Zwischenkriegszeit lebte und reiste Catea Avram mit ihrer Familie im Kreis Tulcea. 1939 beantragte ihr Mann bei der Präfektur Tulcea die Erlaubnis, sich in der Gemeinde Câșla am Rande von Tulcea niederlassen zu können.1Direcția Județeană Tulcea a Arhivelor Naționale, Fondul prefectura jud. Tulcea, Serv. administrativ, dosar n° 899/1940, f. 12,Antrag auf Umsiedlung der Roma, 8. Oktober 1940. Ein Jahr später beantragten Ion Tudorachi Avram und andere Roma die Rückkehr in den Bezirk Tulcea: Sie hatten als Erntehelfer in Dobrudscha gearbeitet und waren nach der Rückgabe dieses Gebiets an Bulgarien im Rahmen des Vertrags von Craiova vom 7. September 1940 von dort vertrieben worden.2Ebd., Serv. administrativ, dosar n° 851/1939, f. 52, Antrag auf Genehmigung der Präfektur zur endgültigen Umsiedlung, 9. August 1939.
Deportation
1942 wurde die Familie in Horia im Kreis Tulcea verhaftet, um gemäß dem Deportationsbefehl vom 22. Mai 1942 als „țiganii nomazi” [„nomadische Zigeuner”] nach Transnistrien deportiert zu werden.3ANIC, fond IRJ, dosar 258, f. 2–3, Verordnung Nr. 70 vom 22. Mai 1942 des Cabinetul militar du preşedinţia consiliului de miniştri, veröffentlicht in Achim, Documente privind deportarea ţiganilor în Transnistria, Bd. I, 9 f. Eltern und Kinder überquerten am 8. Juli in Tulcea die Donau und wurden zu Fuß zu Lagern im Kreis Golta in Transnistrien getrieben. Laut Catea Avrams Sohn Radu Avram (geb. 1934), der zum Zeitpunkt der Deportation acht Jahre alt war, musste die Familie in verschiedenen Lagern leben, zuerst in Domanovca, dann in Vradievca und Bobric. Radu Avram erinnert sich, dass sie in Domanovca in halb eingegrabenen Hütten [Bordei] untergebracht war. Er kann zudem die Lebensmittelrationen rekonstruieren, die ausgegeben wurden: eine Schüssel Maismehl und zwei Kartoffeln pro Person und Tag.
Der mündlichen Überlieferung der Familie zufolge verbrachte Catea Avrams Ehemann im Februar 1943 eine Nacht im Freien, um deutsche Soldaten, die auf der Suche nach Frauen durch das Lager Bobric streiften, daran zu hindern, die Hütte zu betreten. Infolge dieser Nachtwache in eisiger Kälte erkrankte er und starb wenige Tage später.
Catea Avram blieb bis zum Frühjahr 1944 allein mit den Kindern zurück. Dann floh sie zusammen mit den anderen Rom:nja aus dem Lager. Auf dem Rückweg nach Rumänien wurde die Gruppe getrennt. Mit Hilfe ihres Schwiegersohns Stefan Colia Feraru (1893–1981) gelang es Catea Avram, mit den Kindern Güterzüge zu erreichen und nach Galați zurückzukehren, von wo aus sie zu Fuß nach Babadag weiterreisten.
Nach 1945
In den ersten Jahren nach dem Krieg lebte die Familie in Dörfern rund um Babadag: in Cataloi, Frecăței und Agighiol. 1947 wurden die Familienmitglieder in Zebil, einem Dorf am Rande von Babadag, von der Präfektur als „illegal angesiedelt“ registriert und mussten sich auf verschiedene Dörfer verteilen.4Direcția Județeană Tulcea a Arhivelor Naționale, Fondul prefectura jud. Tulcea, Serv. administrativ, Akte Nr. 1464/1947, f. 1 und 6, Volkszählung der Țiganii in Babadag aus dem Jahr 1947. Als Ende der 1940er-Jahre in Dobrudscha die Kollektivierung der Landwirtschaft begann, fanden zwei Söhne von Catea Avram Arbeit in landwirtschaftlichen Genossenschaften und ließen sich in Babadag nieder. Der älteste Sohn verließ Babadag und zog in die Umgebung von Galați, und auch die Töchter von Catea Avram ließen sich mit ihren Familien in verschiedenen Städten der Region nieder, nämlich in Tulcea, Constanța oder Brăila. Catea Avram starb 1969 während eines Besuchs bei einer ihrer Töchter in Braila. Sie wurde auf dem Friedhof in Babadag beigesetzt. Sie erhielt nie eine Entschädigung.
1970 beantragte ihr Sohn Gheorghe Avram (1930–2017) im Namen seines Vaters, der aufgrund der Deportation durch die rumänische Regierung ums Leben gekommen war, eine Entschädigung bei der Bundesrepublik Deutschland. Dieses Verfahren blieb erfolglos.5Zu den Versuchen der rumänischen Regierung aus dem Jahr 1970, Entschädigungen von der Bundesrepublik Deutschland einzufordern, siehe Matei, „The Reparations Game”. Radu und Georghe Avram erhielten schließlich 2005 eine Entschädigung.




