Professor Ctibor Nečas, geboren am 26. Juli 1933 in Rakvice, Tschechoslowakei, war ein tschechischer Historiker und Pädagoge, der an der Masaryk-Universität in Brno arbeitete. Er war der Begründer der geschichtswissenschaftlichen Forschung über Rom:nja und Sinti:ze in der Tschechoslowakei.
Anfang der 1970er-Jahre war er der erste tschechoslowakische Historiker, der auf die nationalsozialistische Verfolgung von Rom:nja und Sinti:ze auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei und auf die Existenz von Zwangslagern für als „Zigeuner“ und „Zigeunermischlinge“ bezeichnete Menschen in Lety bei Pisek und Hodonin bei Kunstadt aufmerksam machte. Neben systematischen und detaillierten Archivrecherchen beteiligte er sich auch an der Aufzeichnung und Veröffentlichung von Interviews mit Überlebenden.
Ctibor Nečas war Autor von mehr als 300 veröffentlichten Fachartikeln, Studien und mehreren wichtigen Monografien, und seine Arbeit bildet bis heute die Grundlage für weitere Forschungen. Im Jahr 1981 veröffentlichte Nečas die erste umfassende Monografie zum Thema mit dem Titel „Nad osudem českých a slovenských Cikánů v letech 1939–1945“ [Über das Schicksal der tschechischen und slowakischen Zigeuner 1939–1945], die zu einem grundlegenden Werk für die Erforschung der Geschichte der Rom:nja wurde. Zum ersten Mal wurde das Thema der nationalsozialistischen rassistischen Verfolgung der Rom:nja und Sinti:ze auf dem Gebiet der Tschechoslowakei eingehend behandelt.
Im Jahr 1987 erstellte und veröffentlichte er Namenslisten von Häftlingen der „Zigeunerlager“ Lety bei Pisek und Hodonin bei Kunstadt und 1992 eine Liste ehemaliger romani Häftlinge im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau aus dem Gebiet des Protektorats Böhmen und Mähren. Aufgrund der Monografie „Holocaust českých Romů“ (1999), die auch in englischer Übersetzung erschienen ist [Holocaust of the Czech Roma], und weiterer in ausländischen Zeitschriften veröffentlichter Studien wurde Ctibor Nečas zu einem europaweit anerkannten Experten.

Ctibor Nečas (1933–2017) und Jana Horváthová (geb. 1967) in der Masaryk-Universität in Brno, Tschechien, 1994. Professor Nečas gilt als der Begründer der historischen Forschung über die Geschichte der tschechoslowakischen Sinti:ze und Rom:nja. Seit Beginn der 1970er-Jahre veröffentlichte er Studien zum Völkermord, die heute noch als Grundlage für die Forschung dienen. Auch machte er als Erster auf die ‚Zigeunerlager‘ Lety bei Pisek and Hodonin bei Kunstadt aufmerksam. Ctibor Nečas arbeitete eng mit den Verbänden der Zigeuner-Roma zusammen und unterstützte die Gründung des Museums der Roma-Kultur in Brno. Nur wenige seiner Studien wurden aus dem Tschechischen in andere Sprachen übersetzt.
Dr. Jana Horváthová, Historikerin und Museologin, ist Mitbegründerin des Museums, das sie seit 2003 leitet. Das Museum ist einer der wichtigsten Akteure für die Aufarbeitung des Völkermordes in Tschechien.
Das Foto entstand während der Dreharbeiten für den Dokumentarfilm „Parno the kalo hin lolo rat“ [Weiß und Schwarz haben das gleiche (rote) Blut]; Regie: Ljubica Václavová (geb. 1941).
Fotograf:in: unbekannt
Museum der Roma-Kultur, Brno
In den frühen 1970er-Jahren arbeitete er eng mit den Verbänden der Zigeuner-Roma zusammen. Im Jahr 1991 beteiligte er sich an der Gründung des Museums der Roma-Kultur in Brno, mit dem er lange Zeit zusammenarbeitete. Er beteiligte sich auch an der Errichtung von Mahnmalen und Gedenktafeln in Lety bei Písek, Hodonín bei Kunštát und anderen Orten. Nečas war Träger zahlreicher Ehrenauszeichnungen (unter anderem Preis der Stadt Brno, Preis des Museums der Roma-Kultur, Preis der Region Südmähren, Roma Spirit usw.). Er starb am 19. Dezember 2017 in Brno.




