Brno [Deutsch: Brünn] war die Hauptstadt der Provinz Mähren in der Tschechoslowakischen Republik. Rom:nja ließen sich ab dem 19. Jahrhundert in Brno nieder, zunächst in den Außenbezirken (vor allem in Černovice, Bystrc und Žebětín). Die größte Siedlung entstand in Černovice, wo die Bewohner:innen erst in Wagen oder Schuppen und später in Häusern lebten. Wegen ihrer Lage in der Nähe einer Knochenmehlfabrik wurde die Siedlung „bei der Knochenfabrik“ [Tschechisch: „U kostivárny“] genannt.
Auf der Grundlage des Gesetzes Nr. 117/1927 Slg. wurde am 4. Mai 1928 ein Verbot der Einreise von „umherziehenden Zigeunern“ in das Stadtgebiet von Brno erlassen. Die staatlichen Behörden versuchten, Rom:nja aus anderen Teilen der Stadt in die „Notkolonie“ in Černovice umzusiedeln, was zu einer Zunahme der dortigen Bevölkerung führte (insgesamt mehr als 150 Personen im Jahr 1939). Darüber hinaus lebten Rom:nja in unterschiedlicher Zahl in den Stadtteilen Bystrc, Slatina, Žebětín und andernorts.
Zwangsansiedlungen und Deportation
Nach der deutschen Besetzung und der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren wurden 1940 etwa 250 romani Männer, Frauen und Kinder in Brno angesiedelt, zum Teil auf Betreiben der Behörden. Neben der größten Siedlung, der „Notkolonie“ in Černovice, wurden Einzelpersonen und Familien auch zwangsweise in Slatina und Bystrc untergebracht. Ab dem 2. August 1942 wurden mehrere Dutzend romani Männer, Frauen und Kinder aus Brno im „Zigeunerlager“ Hodonin bei Kunstadt eingesperrt. Die übrigen als „Zigeuner“ bezeichneten Personen standen unter ständiger polizeilicher Überwachung.
Die Deportation der Rom:nja aus Brno in das Konzentrations– und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau fand Anfang März 1943 statt. Es war der erste Massentransport von Rom:nja und Sinti:ze aus dem Protektorat auf der Grundlage des Auschwitz-Erlasses. Ein Kriminalhauptkommissar der deutschen Kriminalpolizei war mit der Organisation und Überwachung des Transports betraut, und ein Kriminalhauptkommissar der Kriminalabteilung der Polizei Brno war für die Leitung der Maßnahmen vor Ort verantwortlich. Die Stallungen einer Kavallerieeinheit der uniformierten Schutzpolizei in der Masná-Straße dienten als Sammelplatz für den Transport.
Seit den ersten Märztagen wurden Einzelpersonen und Familien aus Brno und Umgebung sowie aus anderen Teilen Mährens unter unmenschlichen Bedingungen dorthin überführt. Sie mussten ihre persönlichen Dokumente abgeben und sich unmittelbar nach ihrer Ankunft in erniedrigender Weise einer Rasur und Desinfektion unterziehen. Am 6. März 1943 brachte man sie zu einer Rampe des nahe gelegenen städtischen Schlachthofs, von wo aus der Abtransport in Güterwagen erfolgte. Etwa 1 000 Männer, Frauen und Kinder wurden nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo die meisten von ihnen starben.
Andere Personen wurden in die nachfolgenden Massentransporte einbezogen. Rom:nja aus Brno, die im Lager Hodonin bei Kunstadt inhaftiert waren, wurden zusammen mit den übrigen Häftlingen dieses Lagers in einem Massentransport deportiert, der am 22. August 1943 in Auschwitz-Birkenau eintraf. Nach dem Krieg kehrten nur wenige Überlebende zurück, sodass die ehemaligen Siedlungen in Brno verfielen oder zerstört wurden. Das Gelände in Černovice wurde für die Unterbringung von Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft neu bebaut.
Nach 1945
Am 30. Mai 2000 wurde auf Initiative des Historikers Ctibor Nečas (1933–2017) eine Gedenktafel an einem der ursprünglichen Gebäude des Sammelplatzes in der Masná-Straße angebracht; dort finden seitdem jährlich Gedenkveranstaltungen statt. Nach dem Abriss dieses Gebäudes wurde die Gedenktafel in das Museum der Roma-Kultur verbracht, wo seit 2004 die Gedenkveranstaltungen abgehalten werden.
Am 17. September 2014 wurde auf dem Platz des 28. Oktobers ein Denkmal für die Opfer des Holocaust enthüllt. Es trägt die Aufschrift „Lasst uns nicht vergessen“ in Tschechisch, Hebräisch und Romanes, ergänzt durch die Aufschrift „Zu Ehren der Juden und Roma, die in den Jahren 1939–1945 ermordet und aus Brno in Konzentrationslager verschleppt wurden / Allen Opfern der rassistischen Verfolgung durch die Nazis“ in tschechischer Sprache. Das Denkmal wurde von der Stadt Brno in Zusammenarbeit mit lokalen romani und jüdischen Organisationen auf der Grundlage eines öffentlichen Wettbewerbs realisiert.
Am 30. September 2017 wurden auf dem Gelände der ehemaligen „Notkolonie“ in Černovice zwei Stolpersteine verlegt, die an das Ehepaar Jan (1899–1943) und Amália Daniel (1902–1943) erinnern, die im Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau ermordet wurden. Sie gelten als die ersten Stolpersteine für die Opfer des nationalsozialistischen Völkermords an den Rom:nja – nicht nur in der Tschechischen Republik, sondern auch in Mittel- und Osteuropa.
Am 7. März 2020 wurden im Brnoer Stadtteil Žebětín zwei Stolpersteine für Jana Danielová (1887–1943) und ihre Tochter Anastázie Danielová (1924–nach 1943) verlegt, zwei Romnja aus der Region, die in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden. Beide Verlegungen fanden auf Initiative von Leoš Fučík (geb. 1953) von der Vereinigung Opus Lacrimosa in Zusammenarbeit mit der örtlichen romani Selbstorganisation DROM und dem Museum der Roma-Kultur statt.




