Helios Gómez Rodríguez wurde am 27. Mai 1905 im romani Viertel Triana in Sevilla, Spanien, geboren. Für die Geschichte der Rom:nja in Spanien gilt er als eine außergewöhnlich bedeutende Persönlichkeit, nicht nur wegen seines politischen Engagements während des Spanischen Bürgerkrieges und der Franco-Diktatur, sondern auch wegen seines kreativen Schaffens als Maler, Plakatkünstler und Schriftsteller.
Jugend und frühe Aktivitäten
Helios Gómez wuchs im ärmlichen Stadtviertel Triana auf, das für seine tiefe Verbindung zum Flamenco sowie seine überwiegend aus Cale [Spanisch: caló] bestehende Bevölkerung bekannt ist. Schon früh entwickelte er ein autodidaktisches Interesse an der Malerei. Im Alter von 15 Jahren belegte er Kurse in Keramikmalerei, studierte dann an der Industrieschule für Kunst und Handwerk in Sevilla und arbeitete später in der Fábrica de Loza La Cartuja de Sevilla-Pickman S.A., einem renommierten Keramikunternehmen.
Gleichzeitig schloss er sich anarchistischen und syndikalistischen Kreisen an, die in den 1920er-Jahren in Andalusien an Zuspruch gewannen, und nahm so sein politisches Engagement auf. Zudem veröffentlichte er Illustrationen für anarchistische Schriftsteller wie Felipe Alaiz (1887–1959). Die Kunstwerke von Helios Gómez wurden bald an verschiedenen Orten ausgestellt, etwa im Kursaal von Sevilla, und später auch in den Dalmau-Galerien in Barcelona und im Ateneo in Madrid.
Frühes Exil und Rückkehr
Aufgrund seiner politischen Überzeugungen war Helios Gómez gezwungen, während der Diktatur von Primo de Rivera (1870–1930), die von 1923 bis 1930 andauerte, Spanien zu verlassen. Der Aufstieg des Faschismus in Europa führte zu seiner verstärkten Aktivität für die anarchistische Bewegung. Helios Gómez nutzte seine Zeit im Ausland außerdem, um verschiedene avantgardistische Kunststile zu erforschen, und kehrte 1930 nach Spanien zurück, wo er sich in Barcelona niederließ. Dort entwickelte er einen künstlerischen Ausdruck, der auf den sozialen und politischen Realitäten seiner Zeit basierte und avantgardistische Ästhetik mit einer Form des Realismus verband, die die Bevölkerung erreichen sollte. Allmählich begann er auch, seine ethnische Identität in sein künstlerisches Schaffen einzubeziehen, und sprach öffentlich über sein romani Erbe.
Nachdem er sich in Barcelona niedergelassen hatte, durchlief Helios Gómez überdies einen politischen Wandel und verließ die anarchistische Bewegung, um der Kommunistischen Partei Spaniens beizutreten, da er überzeugt war, dass sie die wirksamste Kraft gegen den sich in Europa ausbreitenden Faschismus darstellte. Er engagierte sich verstärkt bei politischen Kundgebungen und Versammlungen und kreierte Propaganda, Illustrationen und Plakate, in denen er soziale Ungerechtigkeit anprangerte.
Ein Großteil seiner Arbeiten kritisierte die Monarchie und den Konservatismus, was ihm politische Anfeindungen einbrachte. Aus diesen Gründen wurde er zu einer Haftstrafe im Modelo-Gefängnis von Barcelona verurteilt; aus den Quellen geht nicht hervor, wie viele Monate er tatsächlich verbüßte. Einer seiner Mitgefangenen war Mariano Rodríguez Vázquez (1909–1939), der später Generalsekretär der Confederación Nacional del Trabajo (CNT) [Nationale Konföderation der Arbeit] wurde. Obwohl Gómez nicht denselben politischen Bekanntheitsgrad erreichte, spielte er eine wichtige Rolle im politischen und künstlerischen Bereich. Zwischen 1934 und 1936 lebte er eine Zeit lang in der Sowjetunion und war 1936 Mitbegründer der Union der Zeichner in Spanien, einer Organisation, die sich der Herstellung republikanischer Propaganda widmete.
Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges
Helios Gómez war tief betroffen von dem Militärputsch unter Francisco Franco (1892–1975), der den Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939) auslöste und zu einer fast vierzigjährigen Diktatur führte. Während des Bürgerkrieges war Gómez an der Front im Einsatz, was mehrere zeitgenössische Pressefotos belegen.
Da er den Krieg persönlich unmittelbar miterlebte, fand er darin eine wichtige Inspirationsquelle für seine späteren Zeichnungen, die er „Horrores de la Guerra“ [Schrecken des Krieges] nannte. Diese Werke zeigen die brutale Realität des Konflikts, insbesondere seine Auswirkungen auf zivile Opfer. Zur Zeit des Krieges hatte er sich überdies wieder seinem anarchistischen Aktivismus zugewandt; so war er in den 1930er-Jahren als Redakteur der anarchistischen Zeitung El Frente tätig, im Rahmen seiner Arbeit nach seiner Ernennung zum Kulturmilizionär der 26. Division, ehemals Durruti-Kolonne. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Organisation zentraler Veranstaltungen, wie beispielsweise der Gedenkfeier für Buenaventura Durruti (1896–1936) in Barcelona. In vielen seiner Werke waren damals bereits häufig romani Elemente und eine Ikonografie zu sehen, in der er sich sowohl als Rom wie auch als anarchistischer bzw. kommunistischer Autor präsentierte – immer mit dem Ziel, das öffentliche Bewusstsein politisch zu schärfen und breite Bevölkerungskreise zu erreichen.
Obwohl seine Tätigkeit mit der republikanischen Niederlage nicht endete, zwang sie ihn erneut ins Exil. 1939 floh er nach Frankreich. Dort wurde er zunächst in Vernet d’Ariège interniert und 1940 nach Algerien in das Internierungslager für Spanier:innen in Djelfa deportiert, wo er bis 1942 eingesperrt war.
Erneute Rückkehr nach Spanien
Wie schon ein Jahrzehnt zuvor bestand Helios Gómez darauf, in sein Heimatland zurückzukehren, wenngleich es unter einer Militärdiktatur stand. Nachdem er in Algerien freigelassen worden war, wurde er bald darauf erneut inhaftiert – diesmal von den franquistischen Behörden. Der Grund für seine Verhaftung war, dass er nach seiner Rückkehr nach Spanien im Jahr 1944 die „Republikanische Nationale Befreiungsgruppe“ gründete. Ein Jahr zuvor hatte die Regierung einen Befehl erlassen, wonach die Guardia Civil alle Rom:nja auf nationalem Gebiet überwachen und disziplinieren sollte. In diesem Zusammenhang wurde er erneut zweimal – zwischen 1945 und 1946 und zwischen 1948 und 1954 – im Modelo-Gefängnis in Barcelona inhaftiert, da er trotz einer Bewährungsstrafe wiederholt bei illegalen Aktivitäten wie dem Malen von Wandbildern oder der Teilnahme an antifranquistischen Diskussionen festgenommen worden war.
Nachdem er von dem Völkermord an den Rom:nja in Europa erfahren hatte, engagierte er sich noch stärker für die Anerkennung seiner Identität als Rom. Während seiner Haft im Modelo-Gefängnis wurde er gezwungen, die Gefängniskapelle mit Malereien zu versehen. Diese Gelegenheit nutzte er, um seine charakteristische „Capilla Gitana“ [Kapelle der Rom:nja] zu schaffen. Das Werk zeigt Engel, deren Darstellung durch romani und Schwarze Motive inspiriert ist, sowie eine symbolische Vision der Unterdrückten. Trotz eines 1998 erfolgten Versuchs, das Gemälde – angeblich aus „hygienischen Gründen“ – zu entfernen, gibt es weiterhin Bemühungen, es zu restaurieren und damit zu erhalten.
Darüber hinaus nutzte Gómez seine Haftstrafe, um sich dem Schreiben zu widmen. Er verfasste zwei historische Romane – „Gabrielillo Vargas, gitano rojo“ und „Historia de los Gitanos“ – sowie Dutzende von Gedichten, die sich mit den Erfahrungen von Rom:nja befassten und später posthum unter dem Titel „Poemas de lucha y sueños 1942–1956“ [Gedichte von Kampf und Träumen, 1942–1956] veröffentlicht wurden.
Die schlechten Lebensbedingungen im Gefängnis kosteten Helios Gómez schließlich das Leben. Nach seiner Entlassung verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rapide, sodass er am 19. September 1956 in Barcelona verstarb.
Obwohl er zu Lebzeiten als Künstler anerkannt war, blieb sein Nachruhm durch die sozialen und politischen Umstände jener Zeit begrenzt. Im Laufe der Jahre geriet er in Vergessenheit, nicht zuletzt wegen der repressiven Atmosphäre der Diktatur. In jüngster Zeit wurde sein Werk jedoch neu bewertet, insbesondere dank der Schenkung einer Reihe seiner Arbeiten an das Nationale Kunstmuseum von Katalonien durch seinen Sohn Gabriel Gómez (1943–2025), womit die bislang bedeutendste öffentliche Sammlung von Helios Gómez begründet wurde. Die Kulturvereinigung Helios Gómez setzt sich weiterhin für die Bewahrung seines Erbes ein, wobei ein Schwerpunkt auf der Wiederherstellung von Verlorenem liegt – insbesondere der „Kapelle der Rom:nja“ im ehemaligen Modelo-Gefängnis.




