Łopuchowa

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Łopuchowa
  • Version 1.0
  • Publikationsdatum 1. Juli 2026

Łopuchowa, ein Dorf im Südosten Polens, gehörte seit dem Überfall des Deutschen Reiches zur Kreishauptmannschaft Debica im Distrikt Krakau des deutsch besetzten Teils Polens (Generalgouvernement). Im Frühjahr 1943 wurden dort mindestens 15 Rom:nja durch unbekannte Angehörige deutscher Besatzungsorgane der Kreishauptmannschaft Debica getötet. Für die gesamte Gemeinde Ropczyce, der Łopuchowa vor Kriegsbeginn angehörte, kann laut Ermittlungen der Hauptkommission für die Erforschung nationalsozialistischer Verbrechen in Polen [Główna Komisja Badania Zbrodni Hitlerowskich w Polsce] von einer Opferzahl von mindestens 33 Rom:nja ausgegangen werden, die vom Verfolgungsapparat der NS-Besatzung ermordet wurden.

Tathergang

Łopuchowa1Vor Kriegsbeginn war Łopuchowa Teil der Woiwodschaft Krakau, des Kreises Dębica und der Gemeinde Ropczyce, heute gehört der Ort zur Woiwodschaft Karpatenvorland, Kreis Ropczyce-Sędziszów und Gemeinde Ropczyce. ist einer von 188 dokumentierten Tatorten im Generalgouvernement, an denen in den Jahren 1939 bis 1945 Morde an polnischen Rom:nja sowie vereinzelt an zuvor dorthin deportierten deutschen Sinti:ze verübt wurden.

Über die Opfer ist bekannt, dass es sich um Rom:nja handelte – darunter die Familien Sywak und Góral –, die im Frühjahr aus dem ehemaligen Kreis Krosno in Łopuchowa eintrafen. Sie ließen sich dort in der Nähe eines Waldes unweit des Hofes des Dorfbewohners Józef Zapał (Lebensdaten nicht bekannt) nieder, der sie gegen Bezahlung unterstützte. Die Familien hatten dort mehrere Wochen verbracht, als Łopuchowa von uniformierten Deutschen überfallen wurde. Welchem Besatzungsorgan diese angehörten, ist nicht eindeutig überliefert. Nach Aussage eines Zeugen waren sie mit Maschinengewehren bewaffnet und trugen Ketten mit Blechschildern, was auf die Ringkragen der Feldgendarmerie hindeutet.

Bei den Tätern soll es sich ausschließlich um diese deutschen Soldaten gehandelt haben. Sie umkreisten die Wohnstätte der Rom:nja und erschossen diese an Ort und Stelle. Die Leichname der Ermordeten verblieben in der für die Erschießung ausgehobenen Grube und wurden anschließend von Dorfbewohner:innen dort beerdigt.

Dem Rom Teodor Sywak (Lebensdaten nicht bekannt) gelang es als einzigem, den Erschießungen zu entgehen, denen fast seine gesamte Familie zum Opfer fiel.2Zabierowski, „Die Ausrottung der Zigeuner in Südostpolen“, 4. Gemeinsam mit Maksym Sywak (Lebensdaten nicht bekannt) und Andrzej Góral (Lebensdaten nicht bekannt) befand sich Teodor Sywak zum Tatzeitpunkt im angrenzenden Wald. Auf dem Rückweg zu ihrer Wohnstätte wurden auch die drei Männer von einem uniformierten Deutschen unter Beschuss genommen. Nur Teodor Sywak überlebte, da er in den Wald fliehen und sich dort verstecken konnte.

Darüber hinaus sind keine Einzelheiten zum Verlauf des Massakers überliefert. Bekannt sind weitere Namen von Ermordeten, allerdings nicht deren Geburtsdaten. Es handelte sich um Gabriel Sywak, Grzegorz Sywak, Michał Góral, Stefan Góral, Teodor Góral und Anna Góral sowie die Kinder Maksym Góral, Michał Góral, Maria Góral und Zofia Góral. Drei weitere Kinder, die namentlich nicht bekannt sind, wurden ebenfalls erschossen. Zu einem unbekannten Zeitpunkt umzäunte der Überlebende Teodor Sywak die Grabstelle und brachte dort ein Kreuz an.

Gestützt darauf, dass Teodor Sywak als Tatort nicht Łopuchowa, sondern das benachbarte Dorf Stobierna nennt, kann zudem vermutet werden, dass es sich hierbei um eine Erschießung handelt, die auch Piotr Kaszyca in seiner 1998 veröffentlichten Übersicht zu an Rom:nja verübten Massakern im Generalgouvernement auflistet. Dort ist als Tatort Stobierna, nicht Łopuchowa, aufgeführt. Angaben zu Tathergang, Opferzahl und Tatzeitpunkt stimmen jedoch überein: Kaszyca beschreibt darin, dass eine im Wald schlafende Gruppe von etwa 15 Rom:nja im Frühjahr 1943 von Gendarmerie und Polizei umzingelt, erschossen und am Tatort begraben wurde.3Kaszyca, „Die Morde an Sinti und Roma im Generalgouvernement 1939–1945“, 132.

Weitere Angehörige der Familien Sywak und Góral überlebten die Erschießungen in Łopuchowa, weil sie sich zum Tatzeitpunkt im Dorf befanden. Sie wurden jedoch im Sommer 1943 ermordet: Laut Teodor Sywak wurden auf dem Friedhof der Ortschaft Ropczyce Maria Góral, zwei weitere Frauen, eine davon mit dem Vornamen Kazia, sowie sechs Kinder erschossen. Ein weiteres Massaker wurde in einem Waldstück in der Nähe der Ortschaften Golcowa und Malinówka, die unter deutscher Besatzung zur Kreishauptmannschaft Krosno gehörten, verübt, bei dem Katarzyna Góral gemeinsam mit ihren drei Kindern ermordet wurde.

In einer von Stanisław Zabierowski (1910–1986) verfassten Publikation der Hauptkommission werden diese beiden Massaker ebenfalls geschildert, jedoch bestehen leichte Abweichungen zur oben genannten Aussage. Laut Zabierowski seien ausschließlich Maria Góral und drei Kinder in Ropczyce von einem Gendarmen erschossen worden. Katarzyna Góral hingegen sei nicht nur gemeinsam mit ihren drei Kindern, sondern auch mit ihrer Tante im Wald bei Golcowa erschossen worden.4Zabierowski, „Die Ausrottung der Zigeuner in Südostpolen“, 4.

Ermittlungen

Im November 1979 erstattete die polnische Hauptkommission bei der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen im südwestdeutschen Ludwigsburg Anzeige gegen unbekannte Angehörige deutscher Besatzungsorgane aus der damals für die Tatorte zuständigen Kreishauptmannschaft Debica sowie gegen unbekannte Angehörige der Feldgendarmerie. Tatvorwurf war die Ermordung einer nicht exakt bekannten Anzahl polnischer Rom:nja im Frühjahr und Herbst 1943 in Łopuchowa, Ropczyce und Malinówka. Nach Vorermittlungen der Zentralen Stelle wurde das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Hannover weitergeleitet, jedoch aufgrund fehlender Anhaltspunkte für die Täterermittlung im Jahr 1985 eingestellt.

Einzelnachweise

  • 1
    Vor Kriegsbeginn war Łopuchowa Teil der Woiwodschaft Krakau, des Kreises Dębica und der Gemeinde Ropczyce, heute gehört der Ort zur Woiwodschaft Karpatenvorland, Kreis Ropczyce-Sędziszów und Gemeinde Ropczyce.
  • 2
    Zabierowski, „Die Ausrottung der Zigeuner in Südostpolen“, 4.
  • 3
    Kaszyca, „Die Morde an Sinti und Roma im Generalgouvernement 1939–1945“, 132.
  • 4
    Zabierowski, „Die Ausrottung der Zigeuner in Südostpolen“, 4.

Zitierweise

Diana Partel: Łopuchowa, in: Enzyklopädie des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma in Europa. Hg. von Karola Fings, Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg, Heidelberg 1. Juli 2026.-

1943
Frühjahr 1943In Łopuchowa, deutsch besetztes Polen, werden mindestens 15 Rom:nja der Familien Góral und Sywak von unbekannten Angehörigen deutscher Besatzungsorgane erschossen. Im Sommer werden 13 weitere Familienmitglieder – ausschließlich Frauen und Kinder – in der Nähe der Dörfer Golcowa und Malinówka ebenfalls erschossen.