María de la Salud Paz Lozano Hernández wurde am 11. Oktober 1909 in Valladolid, Spanien, geboren. Besser bekannt unter dem Namen „La Gitana“ [Die Romni], war sie eine prominente Aktivistin, die während der Franco-Diktatur (1939–1975) in Spanien hingerichtet wurde. Am 19. Januar 1940, zu Beginn der Diktatur, wurde sie in Madrid durch ein Erschießungskommando getötet und zählt damit zu den ersten Frauen, die unter dem Regime von Francisco Franco (1892–1975) auf diese Weise getötet wurden.
Kindheit und Jugend
Über María Lozanos frühe Lebensjahre ist nur bekannt, dass sie in Valladolid geboren wurde, einer Stadt mit einer bedeutenden Cale-Präsenz [Spanisch: caló], wie dies auch in anderen Provinzen Kastiliens der Fall war. Sie war die Tochter von Ramón Lozano (Lebensdaten nicht bekannt) und Encarnación Hernández (Lebensdaten nicht bekannt), über ihre Familie ist ansonsten wenig bekannt. Aufgrund ethnografischer Forschungen und eigener Feldstudien in der Region ist anzunehmen, dass ihre Familie, wie viele andere Familien im Kastilien des frühen 20. Jahrhunderts, möglicherweise einem Wandergewerbe wie dem Verkauf von Körben, Handwerkskunst oder Viehhandel nachging. Sicher ist, dass María Lozano als Erwachsene in einen anderen Teil Spaniens zog.
Politisches Engagement
Im April 1937 wurde in Valencia die Nichtregierungsorganisation Solidaridad Internacional Antifascista (SIA) [Internationale Antifaschistische Solidarität] gegründet, die eng mit der anarchistischen Gewerkschaft Confederación Nacional del Trabajo (CNT) [Nationale Konföderation der Arbeit] verbunden war. Sowohl María Lozano als auch ihr Ehemann Florentino Salcedo Abascal (1904–1940) waren aktive Mitglieder der SIA und zutiefst davon überzeugt, dass es notwendig sei, den Faschismus in Spanien zu bekämpfen und eine Ausbreitung wie in anderen Teilen Europas zu verhindern. Auch andere Rom:nja waren in dieser anarchistischen Gewerkschaft aktiv, darunter Mariano Rodríguez Vázquez (1909–1939), der 1936 ihr Generalsekretär wurde.
Während des Spanischen Bürgerkrieges gründete die Organisation Zweigstellen in mehreren Städten. Eine Übersiedlung von María Lozano und ihrem Mann von Valladolid nach Madrid ist anzunehmen, da die rasche Besetzung Valladolids durch die franquistischen Truppen nach dem Militärputsch vom 18. Juli 1936 viele Menschen, die die Zweite Spanische Republik (1931–1939) unterstützten, zu einer Flucht zwang.
Verhaftung und Inhaftierung
María Lozano wurde am 1. Dezember 1939 im Madrider Arbeiterviertel Carabanchel Bajo verhaftet. Ihre Inhaftierung ist durch die behördliche Dokumentation und die Gerichtsakte bekannt, die im Archiv des Victoria-Kent-Gefängnisses, das in Madrid als Frauengefängnis (Yeserías-Gefängnis) diente, aufbewahrt werden. Aus den Aufzeichnungen geht hervor, dass sie Ende Dezember 1939 im Ventas-Gefängnis, ebenfalls in Madrid, inhaftiert war. Zu dieser Zeit begann das Franco-Regime mit der systematischen Verfolgung politischer Gegner. Florentino Salcedo Abascal – inhaftiert im Gefängnis Santa Rita, einer provisorischen Einrichtung für besiegte republikanische Häftlinge – wurde am 17. Januar 1940 vor den Mauern des Almudena-Friedhofs (auch bekannt als Ostfriedhof) durch ein Erschießungskommando hingerichtet. María Lozano erfuhr nie von seinem Tod. Vermutlich konnte sie ihre bevorstehende eigene Hinrichtung jedoch erahnen, da bereits andere weibliche Häftlinge vor Gericht gestellt und exekutiert worden waren.
Hinrichtung
María Lozanos fünf Monate alter Sohn, der ebenfalls Florentino hieß, wurde mit ihr in Haft genommen. Das Kind überlebte die verheerenden Haftbedingungen nicht und starb nach kaum einem Monat Inhaftierung. In den medizinischen Berichten des Gefängnisses wurde im Januar 1940 als Todesursache eine Bronchopneumonie angegeben. Laut Aussagen, die in „Cárcel de mujeres“ [Frauengefängnis], einem 1985 von Tomasa Cuevas veröffentlichten Buch, gesammelt wurden, durfte María Lozano eine Nacht lang beim Leichnam ihres Kindes wachen. Am nächsten Morgen, dem 19. Januar 1940, wurde sie zusammen mit anderen Frauen in einem Lastwagen zu demselben Friedhof gebracht, auf dem ihr Mann hingerichtet worden war. Dort erschoss man sie im Alter von 30 Jahren an den Friedhofsmauern und setzte sie neben den anderen Opfern in einem Massengrab bei. Diese Frauen zählen zu den ersten Personen, die nach dem Ende des Bürgerkrieges in Madrid hingerichtet wurden.
Die hohe Geschwindigkeit ihres Prozesses und die repressive Natur des Regimes veranlassten die Behörden, amtliche Formulare der republikanischen Regierung weiterzuverwenden, indem sie Namen durchstrichen und handschriftlich ersetzten. Diese Praxis wird in einem Archivdokument deutlich, das mit „a“ unterzeichnet ist und sich auf den auditor de guerra (Militärstaatsanwalt) bezieht, in dem der Name María Lozano Hernández steht.1Ministerium für Territorialpolitik und Demokratisches Gedächtnis in Spanien. Víctima: Lozano Hernández, María de la Salud Paz. https://www.mpr.gob.es/memoriademocratica/mapa-de-fosas/Paginas/visorvictimas.aspx?vid=86495 [Zugriff: 15.12.2025].
Das Gerichtsverfahren gegen María Lozano – „La Gitana“ war wahrscheinlich ein Deckname, der auf ihre ethnische Identität anspielt – war typisch für das Vorgehen in der damaligen Zeit. Weibliche Gefangene wurden im Morgengrauen hingerichtet, damit die gewöhnliche Bevölkerung die Vorgänge nicht miterlebte und kein öffentliches Zeugnis davon zurückblieb. Tagsüber wurden die bürokratischen Formalitäten abgewickelt, und die Leichen in Massengräbern bestattet, die darauf angelegt waren, jede Spur der Erinnerung zu tilgen. Allein in Madrid wurden zwischen 1939 und 1945 fast 3 000 Menschen durch Erschießungskommandos oder die Garrotte hingerichtet.
Im Laufe der Jahre hat die historische Forschung dazu beigetragen, die Erinnerung an die von diesen Ereignissen betroffenen Frauen zu wecken, doch erweist es sich als sehr schwierig, festzustellen, wie viele von ihnen Romnja waren. Das Massengrab, in dem María Lozanos sterbliche Überreste noch heute liegen, ist offiziell unter der Nummer 2005/2010 MADR registriert.2Ministerium für Territorialpolitik und Demokratisches Gedächtnis in Spanien. Fosa: 2005/2010 MADR. https://www.mpr.gob.es/memoriademocratica/mapa-de-fosas/Paginas/visorfosas.aspx?fid=2005 [Zugriff: 15.12.2025]. Obwohl seine Existenz in Friedhofsunterlagen und anderen Archivquellen dokumentiert ist, ist die Stätte selbst inzwischen verschwunden – höchstwahrscheinlich befindet sie sich unter Gebäuden, die im Laufe der Jahre dort errichtet wurden.




