Die Omakaitse [Selbstverteidigung] war die estnische Hilfspolizei im deutsch besetzten Estland in den Jahren 1941 bis 1944. Nach dem Vorbild der ehemaligen estnischen Armee und dem Heimatschutz bestand die Omakaitse aus antisowjetischen Partisaneneinheiten, die während des Feldzugs im Sommer 1941 in jeder der 13 Provinzen eingesetzt wurden. Die Omakaitse sah es als ihre Hauptaufgabe an, die Wehrmacht bei der Säuberung Estlands von Kommunist:innen und deren Sympathisant:innen zu unterstützen. Im Sommer 1942 übernahm die Omakaitse traditionelle polizeiliche Aufgaben wie Durchsuchungen, Verhaftungen und Verhöre. Sie war nach einem territorialen Prinzip organisiert, wobei die größte und brutalste Einheit in der Provinz Tartu im Süden operierte.
Bis Januar 1942 unterstand die Omakaitse dem Kommando der Heeresgruppe Nord Rückwärtige Gebiete, danach der deutschen Ordnungspolizei. Im Dezember 1942 wurden 13 territoriale Omakaitse-Kommandos in fünf Schutzmannschaftsbataillone (Schuma) mit den Nummern 29 bis 33 umgewandelt. Die lokalen Omakaitse-Einheiten übernahmen weiterhin Sicherheitsaufgaben in Estland, während die Polizeibataillone gegen sowjetische Partisan:innen in Russland selbst eingesetzt wurden. Die estnischen Polizeibataillone waren auch an Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung sowie auch gegen Juden:Jüdinnen in Polen und Belarus beteiligt. 1943 hatte die Omakaitse 43 000 Mitglieder, von denen 2 500 in den Polizeibataillonen dienten.
Im Sommer 1941 verstärkten die Omakaitse mehrfach Einsatzgruppen der deutschen Sicherheitspolizei (Sipo) und stellten später Rekruten für die estnische Sicherheitspolizei. Bis Ende 1941 führte die Omakaitse 5 033 Razzien durch. In der Regel waren es Mitglieder der Omakaitse, die auf deutschen Befehl oder auf eigene Initiative Juden:Jüdinnen verhafteten. Sie gehörten auch Erschießungskommandos an und/oder bewachten die Umgebung bei Massenerschießungen, in der Regel in Abstimmung mit der estnischen Sicherheitspolizei.
In den Berichten der Omakaitse wurden Rom:nja kaum erwähnt. Zwar beteiligten sich Mitglieder der Omakaitse im Sommer und Herbst 1941 an Ad-hoc-Verhaftungen von Rom:nja, vor allem in der Provinz Pärnu, doch die mit der ‚Endlösung der Zigeunerfrage‘ in Estland betrauten Stellen waren die Kriminalpolizei und die Sicherheitspolizei. Während sich viele Angehörige der estnischen Sicherheitspolizei mit den Deutschen aus Estland zurückzogen, blieben die Angehörigen der Omakaitse weitgehend in Estland. Einige Mitglieder der Omakaitse standen nach dem Krieg vor Gericht.