Alois Paffner, geboren am 26. Dezember 1896 in Olomouc, Tschechoslowakei, lebte mit seiner Familie in Česká Třebová (unter deutscher Besatzung Böhmisch Trübau) in Ostböhmen, einem Teil des Protektorats Böhmen und Mähren. Die Familie Paffner, die ihren Lebensunterhalt mit ambulantem Handel bestritten hatte, ließ sich auf Anordnung des Bezirkshauptmanns in Česká Třebová nieder, der das „Umherziehen“ im Bezirk Litomyšl verbot. Nach April 1939 war sie die einzige romani Familie, die in der Stadt lebte.
Lebenssituation
Alois Paffner war in Česká Třebová bei der Böhmisch-Mährischen Eisenbahn beschäftigt. Gemeinsam mit Antonia Paffner, geb. Růžičková, (geb. 1896), die er 1940 heiratete, hatte er sieben Kinder, die alle den Mädchennamen ihrer Mutter (Růžička) trugen: Sohn Emil (geb. 1923) und die Töchter Justína (geb. 1921), Květa (geb. 1925), Marie (geb. 1928), Anna (geb. 1930), Hana (geb. 1932) und Gréta (geb. 1936). Das Paar versorgte auch ein Kind unbekannten Namens, dessen Eltern im Gefängnis waren.
Die Familie Paffner lebte in einem eigenen Wohnwagen, der im Wald außerhalb der Stadt stand. Aus einem Bericht der Stadtverwaltung von 1941 geht hervor, dass sich die Familie in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage befand. Die Behörden boten der Familie die Möglichkeit, einen ausrangierten Eisenbahnwaggon zu kaufen, der zu einer Wohnung umgebaut worden war. Die älteste Tochter, Justína, erhielt von der Gemeinde Arbeit, unter anderem als Arbeiterin auf dem örtlichen Friedhof. Der Sohn Emil Růžička war ebenfalls bei der Gemeinde angestellt, wurde aber von September bis Dezember 1941 im Arbeitsstraflager in Lety bei Písek inhaftiert.
In einem Schreiben vom 30. Juni 1941 formulierte der Vorsitzende der Verwaltungskommission für das Bezirksamt in Litomyšl gegenüber Kollegen: „Das Verhältnis zwischen den Einheimischen und den hier angesiedelten Zigeunern ist recht günstig, und ich kann die Bemühungen der Zigeuner, insbesondere von Paffner Alois – dem Familienoberhaupt – bestätigen, sich dem Lebensstil und den Wohnverhältnissen der anderen Einwohner anzupassen.“1Staatliche Bezirksarchive Ústí nad Orlicí, Archiv der Stadt Česká Třebová, inv. no. 971, box 259, sig. XI P Zigeuner, 1941–1942, folio 3, Brief vom 30. Juni 1941, Betreff: Zigeuner – dauerhafte Niederlassung.
Deportation und Ermordung
Die Mitglieder der Familie Paffner wurden bei der Registrierung der ‚Zigeuner‘ am 2. und 3. August 1942 als „rassische Zigeuner“ eingestuft. Auf der Grundlage des Auschwitz-Erlasses wurde die Familie dem zweiten Massentransport von Rom:nja und Sinti:ze aus dem Protektorat zugeteilt, der am 11. März 1943 im Konzentrations– und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau eintraf. Hier wurden ihnen die Nummern Z-2268 bis Z-2273 (Frauen) und Z-2004, Z-2005 (Männer) tätowiert, mit Ausnahme von Gréta Růžičková, die erst mit dem nächsten Transport (19. März 1943) eintraf und die Nummer Z-4866 erhielt.
Fast die gesamte Familie kam nach und nach im Lager ums Leben. Zuerst starben die Eltern: Alois Paffner am 10. August 1943 und Antonia Růžičková am 20. August 1943, dann die Töchter Justína (21. Februar 1944), Květa (7. März 1944), Marie (8. März 1944), Anna (Todesdatum unbekannt), Hana (22. August 1943) und Gréta (3. April 1944). Nur Emil Růžička überlebte. Im April 1943 wurde er von Auschwitz-Birkenau nach Auschwitz I und von dort im September 1944 in das Konzentrationslager Flossenbürg verlegt.
Im Jahr 2024 existierte im öffentlichen Raum der Stadt Česká Třebová kein Zeichen der Erinnerung an die von den Nationalsozialist:innen verfolgten Rom:nja




