Dr. Tobias Portschy, geboren am 5. September 1905 in Unterschützen [Ungarisch: Alsolövő] im Bezirk Oberwart, damals in Österreich-Ungarn, heute in Österreich gelegen, war nationalsozialistischer Gauleiter des Gaues Burgenland und nach dessen Auflösung stellvertretender Gauleiter des Gaues Steiermark. Er war maßgeblich mitverantwortlich für die Entrechtung, Verfolgung, Vertreibung und Deportation der burgenländischen und steirischen Rom:nja und Sinti:ze.
Sozialisation und Karriere in der NSDAP
Tobias Portschy wuchs als neuntes von 15 Kindern in bescheidenen bäuerlichen Verhältnissen in Unterschützen, einem „kleinen rein deutschen und protestantischen Bauerndorf“1BArch, SSO R 9361-III/548241, Lebenslauf von Dr. Tobias Portschy, 18.6.1940., im ungarischen Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie auf. Die ungarischen Verhältnisse und die Magyarisierungspolitik empfand er als erdrückend, die Abtretung des deutschwestungarischen Gebietes von Ungarn an Österreich 1921 als „Befreiung“. Er kam in den 1920er-Jahren mit deutschnationalen Bewegungen in Kontakt und besuchte im benachbarten Oberschützen das evangelische, „deutsch“ ausgerichtete Gymnasium, das später zahlreiche Anhänger der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) hervorbrachte. Einige der Absolventen zählten privat und beruflich zu seinen engsten Vertrauten, insbesondere im Kontext der NSDAP. Nach dem Abitur studierte Portschy in Wien Jura (Promotion 1937).
Während eines Auslandsaufenthaltes in Göttingen kam er mit der NSDAP in Kontakt, für die er sich nach seiner Rückkehr in die Heimat tatkräftig einsetzte. Im Juni 1931 wurde er NSDAP-Mitglied und Mitglied der Sturmabteilung (SA). Sukzessive baute er mit Vertrauten die NSDAP im Burgenland auf und stieg innerhalb der NSDAP-Hierarchie entsprechend auf. Im Juni 1932 wurde er Kreisleiter von Oberwart (das organisatorisch noch zum Gau Steiermark gehörte), nach dem Betätigungsverbot für die NSDAP am 19. Juni 1933 ging er in die „Illegalität“ und war mehrmals aufgrund seiner verbotenen NS-Aktivitäten in Haft.
Obwohl dies für ihn mit beruflichen Einbußen verbunden war, arbeitete er weiterhin für die Partei und wurde schließlich 1935 mit dem Aufbau des (illegalen) Gaues Burgenland betraut, dem er als Gauleiter vorstand. Trotz Verbot waren die Nationalsozialist:innen im öffentlichen Raum vor allem propagandistisch präsent und forderten einen politischen Machtwechsel.
Dieser gelang ihnen im Zuge des „Anschlusses“ in der Nacht vom 11. auf den 12. März 1938. Angeführt von Tobias Portschy stürzten die Nationalsozialisten auch im Burgenland die Landesregierung und übernahmen die Amtsgeschäfte. Portschy fungierte in Folge als Landeshauptmann und Gauleiter. Seine Pläne, das Burgenland als eigenen Gau zu erhalten, scheiterten jedoch, und das Bundesland wurde am 15. Oktober 1938 auf die Gaue Steiermark und Niederdonau aufgeteilt. Seine Heimat, das südliche Burgenland – und die dort ansässige romani Bevölkerung, davon die übergroße Mehrheit Rom:nja – wurde dem Gau Steiermark zugesprochen.
Portschy wurde in der Folge stellvertretender Gauleiter von Steiermark. Er, der so viel für die NSDAP riskiert und geopfert hatte, empfand dies als eine Degradierung. Obschon er viele seiner angekündigten Reformen für das Burgenland (u. a. eine Bodenreform) nun nicht mehr verwirklichen konnte, war es ihm noch gelungen, in seiner Funktion als burgenländischer Gauleiter und Landeshauptmann innerhalb kürzester Zeit Maßnahmen zur Entrechtung von Teilen der Bevölkerung, insbesondere von Juden:Jüdinnen und Rom:nja, zu erlassen. Dies hatte er auch kurz nach der Machtergreifung 1938 öffentlich angekündigt: „Die Zigeuner und die Juden sind seit der Gründung des Dritten Reiches untragbar. Glaubt uns, dass wir diese Frage mit nationalsozialistischer Konsequenz lösen werden.“2Zitat von Portschy in der Oberwarther Sonntags-Zeitung, 10. April 1938, 3.
Frühe Agitation gegen Rom:nja
Zur Zeit des „Anschlusses“ lebten circa 8 000 der rund 11 000 österreichischen Rom:nja im Burgenland und von ihnen wiederum rund 3 000 im Bezirk Oberwart, in dem auch Portschys Heimatdorf Unterschützen lag. Dort befand sich eine der 120 „Roma-Siedlungen“ des Burgenlandes, die Portschys Weltbild nachhaltig prägte. Zeit seines Lebens äußerte er sich rassistisch, stereotyp und abwertend über Rom:nja und betonte, wie beispielsweise in einem Interview 1988, er „habe sie niemals leiden mögen, weil sie Schmarotzer waren. Nichts arbeiten. Nichts leisten.“3Portschy, Tobias. „Interview”. Wiener, Nr. 97, Juni 1988, 156.
Die Agitation gegen die romani und die jüdische Bevölkerung war von jeher ein zentraler Bestandteil der rassistischen Propaganda der burgenländischen Nationalsozialist:innen gewesen. Schon vor der NS-Zeit warben sie mit der Parole „Das Burgenland zigeunerfrei!“, und die burgenländische Gauleitung verbot es den „Parteigenossen“, Rom:nja zu beschäftigen oder zu beschenken; ebenso durfte man keine Rom:nja als Musiker:innen einsetzen, also in einem der wenigen Bereiche, in dem sie bislang gesellschaftliche Anerkennung gefunden hatten. Durch dieses Vorgehen wollte man einerseits einen Keil zwischen die romani und die nicht romani Bevölkerung treiben, andererseits aber auch Rom:nja eine legale Existenzgrundlage entziehen und sie dadurch dazu bewegen, das Land zu verlassen.
Die burgenländischen Nationalsozialist:innen warfen der burgenländischen sowie der österreichischen Politik Versagen in der „Lösung“ der „Zigeunerfrage“ vor, welche in der Zwischenkriegszeit öffentlich breit diskutiert wurde. Zwar wurden immer wieder verschiedene Maßnahmen wie beispielsweise die Schaffung eines eigenen „Zigeunergesetzes“ angedacht, ihre Umsetzung scheiterte jedoch an der Verfassung Österreichs, die auch Rom:nja vor einer Entrechtung schützte.
„Denkschrift“ 1938
Nach dem vollzogenen „Anschluss“ sah Portschy nun seine Chance gekommen. Weiterhin hetzte er in Reden und Schriften gegen Rom:nja, unterstützt von großen Teilen der Bevölkerung, setzte aber gleichzeitig, wie angekündigt, seine radikalen „Lösungsvorschläge“ aktiv in die Realität um. Diese fasste er in einer rassistischen, 28-seitigen „Denkschrift“ mit dem Titel „Die Zigeunerfrage“ zusammen, welche er auch medial über Artikel in verschiedenen Zeitungen österreichweit verbreiten ließ.4Zum Beispiel R. W. P. „Die Zigeunerfrage: Ein brennendes Problem in Deutschland.“ Linzer Tages-Post, 4. Juni 1939, 13. Dabei betonte er mehrmals, dass er nicht selbst Urheber der verschiedenen, in der „Denkschrift“ präsentierten Ideen gewesen sei, sondern dass er die von demokratischen Politikern in den Jahrzehnten davor bereits andiskutierten Maßnahmen aufgegriffen und kompiliert hätte.
Die Schrift ist ein Bekenntnis zum Deutschtum sowie eine rassistische Beschreibung der vermeintlichen Eigenschaften und Lebensweisen von Rom:nja und endet mit dem Vorschlag, „besondere Rechtsnormen“ zu erlassen: Verbot des Geschlechtsverkehrs zwischen Rom:nja und „Deutschblütigen“, Schulbesuchsverbot für romani Kinder, Verbot der Ausübung von Privatberufen außerhalb der zu errichtenden Arbeitslager, Verbot der Behandlung in öffentlichen Krankenhäusern, Ausschluss vom Militärdienst. Ferner werden Sterilisation und die Einrichtung von Arbeitslagern geplant: „Nur durch nachhaltiges Verhindern ihrer Vermehrung, durch das zwangsmäßige Verhalten in Arbeitslagern und durch die Ermöglichung freiwilliger Abwanderung ins Ausland vermögen wir uns von der Zigeunerpest zu befreien […]. Sie ist die nationalsozialistische Lösung und somit die einzige wirkliche Lösung“.5Burgenländische Landesbibliothek, Portschy, Denkschrift zur „Zigeunerfrage“, 27.
Aktive Verfolgung von Rom:nja im Burgenland
Als die „Denkschrift“ im August 1938 erschien, hatte Portschy in seiner Funktion als Landeshauptmann und Gauleiter bereits einen Teil seiner Forderungen umgesetzt und Rom:nja sukzessive staatsbürgerliche Rechte entzogen. Am 17. März 1938 verbot er Rom:nja per Erlass, bei der am 10. April 1938 stattfindenden Volksabstimmung zu wählen. Bemerkenswert ist, dass gegen diese Entrechtung eine Gruppe von Rom:nja rund um Franz Horvath (1885–1939) am 12. Mai 1938 bei der Reichsregierung Beschwerde einlegte6Franz Horvath, „Daher habe ich mich kurz entschlossen, die hohe Reichsregierung anzurufen“. In RomArchive, 2017, www.romarchive.eu/de/collection/daher-habe-ich-mich-kurz-entschlossen-die-hohe-reichsregierung-anzurufen [Zugriff: 21.05.2026]., allerdings ohne Erfolg.
Portschy ordnete ferner die Zählung und möglichst lückenlose Erfassung sämtlicher Rom:nja an. Auf seine Anweisung hin durften ab dem Schuljahr 1938/39 romani Kinder nicht mehr eingeschult werden, und er informierte die Bezirkshauptmannschaften am 31. August 1938, dass Rom:nja nun auch offiziell das Musizieren verboten werde. Beide Maßnahmen dienten dem Ausschluss von Rom:nja aus der Gesellschaft; die erste führte ferner zu einer nachhaltigen Förderung des Analphabetismus, die zweite zur Unterbindung von Verdienstmöglichkeiten und damit zu wachsender Armut.
Auf der Grundlage des „Erlasses über die vorbeugende Verbrechensbekämpfung“ wurden bis Juni 1938 232 burgenländische Roma verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert. Im Juli 1938 präsentierte Portschy schließlich ein eigenes „burgenländisches Zwangsarbeitsmodell für Zigeuner“7Freund et al., Vermögensentzug, 97. und führte unter der Parole „Zigeuner zur Straßenarbeit“ eine Arbeitspflicht für alle arbeitsfähigen Roma ein, die „in geschlossenen Gruppen bei öffentlichen Bauten der für solche liefernden, privaten Unternehmungen, wie Steinbrüche etc. in Verwendung genommen werden“ sollten. Diese Arbeitsgruppen waren „getrennt von den übrigen Arbeitern zu verwenden“ und standen unter einer „strengen Bauaufsicht“.8Grenzmark Burgenland, 31. Juli 1938, 1. Von dem Lohn, den die Arbeitgeber den Zwangsarbeitern bezahlten, wurde annähernd die Hälfte für Sozialabgaben verwendet bzw. ging an die jeweilige Gemeinde, in der der Betreffende das Heimatrecht besaß.
Erika Thurner (geb. 1952) hielt fest, dass Portschys radikale „Lösungsvorschläge“ das NS-Verfolgungsprogramm beeinflusst hätten und dass hier „bei verschiedenen Diskriminierungs- und Ausgrenzungsmaßnahmen […] dem zentralen Programm vorausgegriffen“ wurde: „Das Burgenland eilte dem ‚Altreich‘ davon.“9Thurner, „Zigeuner im Burgenland“, 115. Dies ist anhand der angeführten Beispiele ersichtlich, sei es die Einführung der Zwangsarbeit oder das Schulbesuchsverbot für romani Kinder, das in den übrigen Gauen erst mit Beginn des Schuljahres 1939/40, im gesamten Deutschen Reich im März 1941 umgesetzt wurde.
Verfolgung von Rom:nja im Gau Steiermark
Als Portschy nach der Auflösung des Burgenlandes als stellvertretender Gauleiter in den Gau Steiermark kam, blieb er in Bezug auf die Verfolgung der Rom:nja proaktiv, obwohl er verschiedene Funktionen innehatte und mit zahlreichen anderen Aufgaben betraut worden war. Von 1938 bis 1945 war er beispielsweise Mitglied des Deutschen Reichstages, von 1940 bis 1943 Gauobmann der Deutschen Arbeitsfront (DAF), ab 1940 Mitglied der Schutzstaffel (SS), wo er den Rang eines SS-Oberführers bekleidete. 1941/1942 diente er als Gebirgsjäger in der Wehrmacht und war danach ab 1942 „Mobiler Beauftragter der Gauleitung“ in der Steiermark. Als solcher sollte er die „Innenfront“, vor allem die Infrastruktur, aufrechterhalten, was mit zunehmendem Bombenkrieg immer schwieriger wurde. Er war propagandistisch tätig, trat bei zahlreichen Versammlungen als Redner auf und widmete sich sowohl der internen Partei-Schulungsarbeit als auch der Öffentlichkeitsarbeit.
Portschys Verhältnis zu seinem Vorgesetzten, dem steirischen Gauleiter Siegfried Uiberreither (1908–1984), war sehr konfliktbeladen. Einig waren sie sich jedoch in Bezug auf die Verfolgung der Rom:nja. Diese wurde auf verschiedenen Ebenen (Kreisleitung, Landrat, Gauleitung, Landeshauptmannschaft, Justiz, Polizei) diskutiert; viele Pläne wurden entworfen und wieder verworfen. Uiberreither und Portschy setzten sich aktiv ein, versandten Exemplare von Portschys „Denkschrift“ an die Reichskanzlei und das Reichssicherheitshauptamt, korrespondierten mit den zuständigen Dienststellen im „Altreich“ und drängten immer wieder auf eine „Lösung der Zigeunerfrage“.
Als am 5. Juni 1939 das Reichskriminalpolizeiamt die Verhaftung von Rom:nja anordnete, wurden in Folge 553 österreichische Roma in das Konzentrationslager Dachau und am 29. Juni 1939 440 österreichische Romnja in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Darunter fanden sich auch burgenländische bzw. steirische Rom:nja. Portschy hatte bereits Monate davor angekündigt, dass „arbeitsscheue und kriminell vorbestrafte Elemente nach Dachau kämen und sterilisiert werden würden.“10StLA, Landesregierung Zi 1-1940, Vermerk des Landeshauptmannes in Graz, 31.7.1939. Die Auswirkungen dieser Verhaftungsaktionen waren verheerend, da viele Rom:nja, die eigentlich in Arbeit standen, deportiert worden waren und nun vor allem deren Kinder und andere zu versorgende Angehörige ohne ausreichende Betreuung und Versorgung zurückblieben. Dies sorgte für Unmut in den betroffenen Gemeinden und Kreisen, die nun mit erhöhten Fürsorgekosten konfrontiert waren. Man forderte die Einrichtung von Lagern für die Zurückgebliebenen. Gauleiter Uiberreither beschwerte sich offiziell beim Reichskriminalpolizeiamt über die Verhaftungsaktion und verlangte – ganz im Sinne Portschys – eine „endgültige Lösung der Zigeunerfrage“. Er bat um die Genehmigung, auch die „anständig beschäftigten Zigeuner“ in Zwangsarbeitslagern unterbringen zu dürfen, da „ein Zigeuner als außerhalb der Volksgemeinschaft stehend stets asozial ist“.11Zit. nach Freund et al., Vermögensentzug, 87. Die Genehmigung wurde ihm offensichtlich nicht erteilt. Der „Festsetzungserlass“ des Reichssicherheitshauptamtes vom 17. Oktober 1939 verbot es Rom:nja jedoch, ihren Wohn- und Aufenthaltsort zu verlassen, was ihnen die Ausübung mancher Berufe (beispielsweise des Wandergewerbes) verunmöglichte und somit teilweise existenziell bedrohende Auswirkungen hatte; von 25. bis 27. Oktober fand ferner eine Erfassung und Zählung der romani Bevölkerung statt.
Im Gau Steiermark wurden auf den verschiedensten Ebenen immer wieder Pläne zur Errichtung von eigenen „Zigeunerlagern“ vorgelegt, und Portschy wurde diesbezüglich 1940 sogar bei Reichsinnenminister Wilhelm Frick (1877–1946), SS-Gruppenführer Reinhard Heydrich (1904–1942) und SS-Oberführer Arthur Nebe (1894–1945) vorstellig. In die Errichtung des im benachbarten Gau Niederdonau am 23. November 1940 eingerichteten, größten „Zigeuneranhaltelager“ in Lackenbach war Portschy jedoch nicht weiter involviert; dieses wurde von Bernhard Wilhelm Neureiter (1900–1966), dem „Beauftragten für Zigeunerfragen im Rassenpolitischen Amt der Gauleitung Niederdonau“, initiiert.
Zwischen dem 4. und 8. November 1941 erfolgte die Deportation von 5 007 österreichischen Rom:nja, darunter auch Rom:nja aus dem Gau Steiermark, in das Getto Litzmannstadt. Die mit dem „Auschwitz-Erlass“ vom 16. Dezember 1942 ausgelösten Deportationen von Rom:nja in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau betrafen auch burgenländische und steirische Rom:nja, die im Laufe des Jahres 1943 „ausgesiedelt“ wurden. Rund 90 Prozent der österreichischen Rom:nja überlebten den NS-Völkermord nicht.
Gemeinsam mit Siegfried Uiberreither und Bernhard Wilhelm Neureiter zählte Portschy zu den treibenden Kräften hinter der antiziganistischen Verfolgungspolitik in Österreich. Susanne Uslu-Pauer (geb. 1969) charakterisierte Portschy dabei als „Wegbereiter, Vordenker und Förderer der ‚Zigeunerverfolgung‘ im Burgenland“.12Uslu-Pauer, „Verdrängtes Unrecht“, 61.
Nach 1945
Bei Kriegsende flüchtete Portschy erst mit gefälschten Ausweisen in die Obersteiermark, stellte sich aber im Juni 1945 den Alliierten und wurde im britischen Internierungslager Wolfsberg (Kärnten), das für regionale NS-Eliten aus der Steiermark und Kärnten eingerichtet worden war, sowie im Straflandesgericht Graz interniert. Am 11. Februar 1949 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn. Ihm wurde vorgeworfen, als „Illegaler“ von 1933 bis 1938 während des NSDAP-Betätigungsverbotes für die Partei tätig gewesen zu sein und unter anderem als illegaler Gauleiter, später Gauobmann der Deutschen Arbeitsfront (DAF), Träger des Blutordens, des goldenen Ehrenzeichens der NSDAP sowie des goldenen HJ-Ehrenzeichens und als SS-Oberführer, Gauleiterstellvertreter und zeitweise Gauleiter von Steiermark gedient zu haben. Seine Verfolgungsmaßnahmen gegen die jüdische und die romani Bevölkerung waren nicht Gegenstand der Anklage.
Am 28. März 1949 wurde Portschy von einem Volksgericht als Kriegsverbrecher zu 15 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Bereits 1951 wurde er vom Bundespräsidenten bedingt begnadigt und aus der Haft entlassen. Mit Berufsverbot belegt, baute er über einen Strohmann einen Elektrohandel in Graz auf und ließ sich 1979 im südburgenländischen Rechnitz nieder, wo seine Frau Edith Portschy (1920–1987), eine ehemalige BDM-Führerin, mit der er seit 1944 verheiratet war, das „Hotel Rose“ führte. Dort empfing er Gäste unterschiedlicher Couleur (ehemalige „Parteigenossen“, Politiker, kirchliche Würdenträger, Neonazis etc.) aus dem In- und Ausland und wurde insbesondere von Politikern hofiert, die sich von seiner Empfehlung die Wählerstimmen der ehemaligen Nationalsozialist:innen erhofften.
Von 1959 bis 1991 Mitglied der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), blieb er Zeit seines Lebens politisch gut vernetzt und erfuhr gesellschaftlich höchste Anerkennung. Bis zu seinem Tod blieb er auch öffentlich ein bekennender Nationalsozialist und distanzierte sich weder von seinen Taten noch von seiner menschenverachtenden Ideologie und Haltung. Seine Täterschaft wurde gesellschaftlich wie auch historiografisch verharmlost, und er wurde nie für seine Verfolgungsmaßnahmen gegen die jüdische und romani Bevölkerung zur Rechenschaft gezogen. Noch 1988 erklärte er: „Ich reduziere von der Denkschrift [„Die Zigeunerfrage“] kein Wort, das war meine freie Meinung.“13Portschy, Tobias. „Interview”. Interviewt von Kid Möchel, 2. Mai 1988. Und 1992 betonte er in einem Interview für den Film „Schuld und Gedächtnis“: „Die Zigeuner gehören weg, weil sie asozial sind. […] Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!“14Zitat nach Humer, „Schuld und Gedächtnis“.
Ein gegen ihn aufgrund dieser und anderer Aussagen eingeleitetes Verfahren wegen NS-Wiederbetätigung wurde aufgrund seines Todes eingestellt. Tobias Portschy starb am 2. März 1996 in Rechnitz, Österreich.




