Mariano Rodríguez Vázquez, bekannt als „Marianet“, wurde 1909 im Stadtteil Hostafrancs in Barcelona, Spanien, geboren und starb am 18. Juni 1939 in La Ferté-sous-Jouarre. Er ist eine der bedeutendsten romani Persönlichkeiten in der jüngeren Geschichte Spaniens, da er während des Spanischen Bürgerkrieges als Nationalsekretär der Confederación Nacional del Trabajo (CNT) [Nationale Konföderation der Arbeit], der einflussreichsten anarchistischen Gewerkschaft des Landes, tätig war.
Kindheit und Jugend
Mariano Rodríguez Vázquez wurde in eine Arbeiterfamilie der Cale [Spanisch: caló] geboren. Vor seinem zehnten Lebensjahr verlor er seine Mutter und wurde von seinem Vater verlassen. Zusammen mit seinem Bruder wurde er in die Besserungsanstalt Asylo Durán eingewiesen, eine Einrichtung in Barcelona, die auch als Alternative zu Jugendstrafanstalten fungierte.
Die dort von den Behörden ausgeübte körperliche Gewalt und Misshandlung veranlassten Mariano Rodríguez Vázquez, aus der Einrichtung zu fliehen. Er begann daraufhin, auf der Straße zu leben, sich durchzuschlagen und um Nahrung zu betteln. Seine extreme soziale Vulnerabilität veranlasste ihn, geringfügige Delikte wie Diebstahl zu begehen; bald darauf wurde er von der Polizei verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
Politisches Erwachen
Im Gefängnis Modelo in Barcelona kam er mit anarchistischen Häftlingen und rationalistischen Pädagogen in Kontakt, durch die er zu der Überzeugung gelangte, dass die Probleme der Gesellschaft in einem ideologischen Konflikt begründet waren – einem Konflikt, der seiner Auffassung nach um jeden Preis gelöst werden musste. Von diesem Moment an engagierte er sich aktiv im Anarchosyndikalismus. Nach seiner Entlassung arbeitete er als Maurer im Baugewerbe und trat 1931 der Regionalen Arbeiterkonföderation Kataloniens bei, einer Organisation, die der Confederación Nacional del Trabajo angehörte und in der auch andere romani Mitglieder wie María Lozano Hernández (1909–1940) aktiv waren.
Marianet begrüßte die Ausrufung der Zweiten Spanischen Republik am 14. April 1931 und beschloss bald darauf, sich noch intensiver politisch zu engagieren. Er war als Schreibkraft für die Gewerkschaft tätig und übernahm verschiedene organisatorische Aufgaben. Im August desselben Jahres wurde er zum Delegierten der Bauarbeitergewerkschaft ernannt und half bei der Organisation eines der ersten großen Streiks in diesem Sektor. Der Streik endete jedoch ohne Erfolg, und eine Auseinandersetzung mit der Polizei führte zu seiner erneuten Verhaftung. Obwohl er nicht unmittelbar inhaftiert wurde, wurde er verpflichtet, Dienst an Bord eines Seeschiffs zu leisten. Anschließend wurde er vor Gericht gestellt und in das Modelo-Gefängnis in Barcelona eingeliefert, in dem in jenen Jahren auch der Maler und Rom Helios Gómez (1905–1956) inhaftiert war.
Sein Weg zur Führungsrolle
Nach seiner Freilassung wurde Marianet zum Präsidenten der Gewerkschaft der Bauarbeiter, der Confederación Nacional del Trabajo, gewählt und übte dieses Amt von 1934 bis 1936 aus. Seine Tätigkeit in dieser Funktion ebnete ihm den Weg zum Amt des Sekretärs der Regionalen Arbeiterkonföderation Kataloniens. Zugleich blieb er den Aktionsgruppen verbunden – das heißt, er setzte seine Aktivitäten auf der Straße fort. Sein Engagement führte zu mehreren weiteren Inhaftierungen und Phasen der Zwangsarbeit, insbesondere nach dem Angriff auf die Werften von Barcelona [Atarazanas] und dem Aufstand der Federación Anarquista Ibérica [Iberische Anarchistische Föderation], einer Organisation, der er ebenfalls angehörte.
Während seiner Haftzeiten setzte er seine politische Arbeit fort, schrieb für die anarchistische Zeitung Solidaridad Obrera und engagierte sich im Komitee für Gefangene. Er nahm aktiv an den internen Debatten der CNT und deren Kontakten zur republikanischen Regierung teil, was ihm sowohl Kritik als auch Lob einbrachte – insbesondere wegen seines Bestrebens, sich unmittelbar an Regierungsangelegenheiten zu beteiligen. Seine Beharrlichkeit verschaffte ihm in jedem Fall großes Ansehen unter seinen Mitstreiter:innen.
Als 1936 der Spanische Bürgerkrieg ausbrach – zeitgleich mit seiner endgültigen Entlassung aus dem Gefängnis – wurde er zum Generalsekretär der Confederación Nacional del Trabajo gewählt und trat damit die Nachfolge von Horacio Prieto (1902–1985) an. Der Übergang von einer regionalen zu einer landesweiten Führungsposition spiegelte den dringenden Bedarf an einer respektierten, erfahrenen und entschlossenen Persönlichkeit wider, die in der Lage war, sich den faschistischen Kräften unter der Führung des aufständischen Militärs unter General Francisco Franco (1892–1975) entgegenzustellen.
Während des Spanischen Bürgerkrieges
Während des gesamten Krieges zeigte Marianet ein unerschütterliches Engagement für antifaschistische Anliegen und beharrte darauf, dass der Staatsstreich von Francisco Franco und der Armee den Interessen von Adolf Hitler (1889–1945) und Benito Mussolini (1883–1945) diente. Er hielt die Gewerkschaftsmitglieder über Verluste in den Reihen der Anarchist:innen auf dem Laufenden, insbesondere über jene in der Kolonne von Buenaventura Durruti (1896–1936) – der größten anarchistischen militärischen Einheit des Konflikts – und übernahm diplomatische Missionen, insbesondere nach Mexiko. Der Kriegsverlauf jedoch wandte sich gegen die Republikaner:innen, Kommunist:innen und Anarchist:innen, die schließlich von Francos Truppen überwältigt wurden. Im Januar 1939, nachdem er sich aktiv an der militärischen Koordination beteiligt hatte, befahl Marianet den anarchistischen Komitees, sich der französischen Grenze zu nähern; als der Ausgang des Krieges absehbar wurde, begab er sich im Februar 1939 ins Exil nach Frankreich.
Exil und Tod
Während seines Exils in Paris übernahm Marianet die Führung des Generalrats der spanischen libertären Bewegung. Sein Ziel war es, die CNT im Ausland neu zu organisieren, da er weiterhin als amtierender Generalsekretär fungierte. In dieser Zeit traf er sich mit anderen politischen Exilierten und veranlasste die Überführung anarchistischer Archive aus Spanien an das Internationale Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam in den Niederlanden. Zudem war er an der Gründung des Spanischen Flüchtlingshilfsdienstes beteiligt. Nach einem gemeinsam mit Freunden und seiner Partnerin Conchita Dávila verbrachten Ausflugstag ertrank er am 19. Juni 1939 in der Marne bei La Ferté-sous-Jouarre (Seine-et-Marne).
Nachwirkungen
Mariano Rodríguez Vázquez war innerhalb des spanischen Anarchismus eine umstrittene Persönlichkeit. Dies hing insbesondere mit seiner Führungsrolle in der CNT während des Bürgerkriegs sowie mit den Spannungen zusammen, die er zwischen Anarchosyndikalismus und Kommunismus verkörperte – vor allem im Zusammenhang mit der Zusammenarbeit mit dem republikanischen Staat und dem wachsenden Einfluss der Kommunistischen Partei Spaniens. Über Jahrzehnte hinweg war sein Andenken in anarchistischen Kreisen von Kritik, Schweigen und widersprüchlichen Deutungen geprägt, wenngleich seine politische Entschlossenheit stets Anerkennung fand.
In den vergangenen Jahren hat seine Wiederentdeckung als Rom neue Perspektiven auf seine Biografie eröffnet. Dabei wurden sein außergewöhnliches und konsequentes Engagement gegen das Franco-Regime sowie seine von Repression und Exil geprägten Erfahrungen hervorgehoben, denen eine Lebensgeschichte vorausging, die tief von der sozialen Armut des Landes geprägt war, das er bis zur Niederlage der Zweiten Republik verteidigte.




