Benjamin Aäron Sijes

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Benjamin Aäron Sijes
  • Version 1.0
  • Publikationsdatum 22. Juli 2026

Benjamin Aäron Sijes, geboren am 12. Januar 1908 in Amsterdam, Niederlande, war ein niederländisch-jüdischer Historiker, der maßgeblich zur Historiografie der deutschen Besatzungszeit in den Niederlanden beitrug. Er war einer der führenden Wissenschaftler des Rijksinstituut voor Oorlogsdocumentatie (RIOD, später Niederländisches Institut für Kriegs-, Holocaust- und Völkermordforschung [NIOD]), wo er schließlich als stellvertretender Direktor tätig war. Sijes erlangte Anerkennung für eine Trilogie wegweisender Studien zur nationalsozialistischen Besatzung der Niederlande, die 1951, 1954 und 1966 veröffentlicht wurden.1De razzia van Rotterdam. Den Haag: Staatsuitgeverij, 1951; De Februaristaking. Den Haag: Staatsuitgeverij, 1954; De arbeidsinzet: de gedwongen arbeid van Nederlanders in Duitsland, 1940–1945. Den Haag: Nijhoff, 1966.

Interviews mit überlebenden Rom:nja und Sinti:ze

Als Sijes 1963 den Holocaust-Überlebenden und „Nazi-Jäger” Simon Wiesenthal (1908–2005) bei einem Besuch in Amsterdam begleitete, weckte das Zusammentreffen mit einer Romni sein Interesse an der Geschichte der Verfolgung der Sinti:ze und Rom:nja. Seit Ende der 1960er-Jahre nahm er hierzu systematische Studien auf. Dabei wurde er von fünf studentischen Mitarbeitenden unterstützt, die romani Überlebende in den gesamten Niederlanden befragten. Diese Interviewberichte werden im Archiv des NIOD aufbewahrt.

Wegweisende Studie von 1979

Das Projekt gipfelte 1979 in der Veröffentlichung des Buches „Vervolging van zigeuners in Nederland, 1940–1945 [Die Verfolgung der Zigeuner in den Niederlanden, 1940–1945]. Es war die erste systematische Studie dieser Art und wurde zu einem Standardwerk über die Verfolgung von Sinti:ze und Rom:nja in Europa. Bei der Buchvorstellung kritisierte der romani Überlebende Koos „Koka“ Petalo (1942–1996) die verspätete Anerkennung der Verfolgung und die Schwierigkeiten, mit denen Forscher:innen beim Aufbau von Vertrauen bei Überlebenden konfrontiert waren. Sein Beitrag unterstrich die Bedeutung der Oral History und die Notwendigkeit einer auf Überlebende ausgerichteten Perspektive.

Das Werk stieß auch auf akademische Kritik. Oberst Antonius Franciscus van Velsen (1892–1982), ein niederländischer Widerstandskämpfer, Auschwitz-Überlebender und späterer Militärhistoriker, kritisierte Sijes’ Rückgriff auf Danuta Czechs (1922–2004) „Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945“, das seit 1958 auf Polnisch erschienen war. Van Velsen legte Korrekturen zu Czechs Chronologie vor, die Sijes jedoch nicht berücksichtigte.

Trotz dieser Kritik stellte Sijes’ Studie einen Durchbruch dar. Die Niederlande waren das erste Land, in dem die Verfolgung von Sinti:ze und Rom:nja während des Zweiten Weltkrieges von einem führenden Kriegshistoriker systematisch untersucht wurde. Sijes stellte den niederländischen Fall in einen breiteren europäischen Kontext und zeigte auf, dass sich die Politik der niederländischen Regierung gegenüber Zigeunern“ und Wohnwagenbewohner:innen nach 1945 kaum geändert hatte – eine Schlussfolgerung, die kontrovers diskutiert wurde.

Einzelnachweise

  • 1
    De razzia van Rotterdam. Den Haag: Staatsuitgeverij, 1951; De Februaristaking. Den Haag: Staatsuitgeverij, 1954; De arbeidsinzet: de gedwongen arbeid van Nederlanders in Duitsland, 1940–1945. Den Haag: Nijhoff, 1966.

Zitierweise

Amanda Kluveld: Benjamin Aäron Sijes, in: Enzyklopädie des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma in Europa. Hg. von Karola Fings, Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg, Heidelberg 22. Juli 2026.-

1979
April 1979Benjamin Aäron Sijes veröffentlicht seine Studie „De vervolging van Zigeuners in Nederland, 1940–1945“, die erste systematische wissenschaftliche Untersuchung zur Verfolgung von Sinti:ze und Rom:nja in den Niederlanden und Europa.