Aušvicate hi kher baro

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Aušvicate hi kher baro
  • Version 1.0
  • Publikationsdatum 29. April 2026

„Aušvicate hi kher baro“ [In Auschwitz steht ein großer Bau] ist das wahrscheinlich bekannteste und meistgespielte Lied über den Völkermord an den Rom:nja und Sinti:ze. Es handelt sich um ein „Klagelied“, das als Gemeinschaftswerk von Rom:nja im Konzentrations– und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau entstanden ist, offenbar getextet auf die Melodie des alten Volkslieds „Oda kalo čirikloro“ [Der schwarze Vogel].

Das Lied wies keine feste Form auf; es wurde mündlich in vielen Textvarianten überliefert, die sich nicht nur auf das in Auschwitz, sondern auch auf das in anderen Lagern (z. B. Dubnica nad Váhom in der Slowakei erlittene Leid beziehen. Varianten des Liedes wurden nach dem Krieg in Polen, Mähren und der Slowakei aufgenommen. In Europa wurde es nach dem Krieg zu einem Symbol für die nationalsozialistische Verfolgung der Rom:nja und Sinti:ze und ist fester Bestandteil von Gedenkveranstaltungen. Der Text beschreibt die unmenschlichen Bedingungen in Auschwitz: Hunger, Zwangsarbeit, Gewalt und Massenmord in den Gaskammern.

Die bekannteste Version des Liedes wurde nach dem Krieg von Růžena Danielová (1904–1988) aus Südmähren aufgeführt. Sie brachte das Lied aus Auschwitz-Birkenau mit, wo sie es abends zusammen mit František Daniel (1902–unbekannt), einem blinden Sänger und Akkordeonspieler aus Oslavany (Bezirk Brno-venkov [Brünn-Land]), ihren Mitgefangenen im Lagerabschnitt BIIe vorgesungen hatte. Auf der Grundlage eines Auftritts von Růžena Danielová transkribierte und analysierte der Musikethnologe Dušan Holý (geb. 1933) das Lied in seinem gemeinsam mit dem Historiker Ctibor Nečas (1933–2017) verfassten und 1993 veröffentlichten Buch „Žalující píseň“ [Das Klagelied].

Eine weitere, sehr bekannte Version des Liedes ist in dem 1993 veröffentlichten Dokumentarfilm „Latcho Drom“ unter der Regie von Tony Gatlif (geb. 1948) zu hören; weit verbreitete andere Versionen stammen von Margita Nová (geb. 1936) und Františka ‚Barka‘ Pelcová, geborene Holomková (1937–2014).1Vgl. https://www.romarchive.eu/en/collection/ausvicate-barka-pelcova/ [Zugriff: 07.04.2026].

Ein anderes bedeutendes „Klagelied“, das vom Völkermord zeugt, ist „Andr’ oda taboris“ [Im Lager], das von tschechischen und slowakischen Rom:nja gesungen wird. Zu erwähnen ist außerdem das traditionelle Liebeslied „Čhajori romaňi“ [Kleines romani Mädchen, auch „Zigeunertränen / Tränen der Roma“ genannt]; es wurde offenbar von slowakischen Rom:nja während des Zweiten Weltkrieges um eine Strophe ergänzt, die die schmerzhaften Erfahrungen dieser Zeit widerspiegelt.

Einzelnachweise

Zitierweise

Michal Schuster: Aušvicate hi kher baro, in: Enzyklopädie des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma in Europa. Hg. von Karola Fings, Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg, Heidelberg 29. April 2026.-