Der Verein „Výbor pro odškodnění romského holocaustu v České republice“ [Komitee für die Entschädigung der Opfer des Holocausts an den Roma in der Tschechischen Republik] wurde 1998 in der Tschechischen Republik von ehemaligen Häftlingen der Konzentrationslager und ihren Angehörigen gegründet.
Gründer und Vorsitzender des Komitees war Čeněk Růžička (1946–2022), ein tschechischer Aktivist und Sohn Überlebender des Völkermordes an den Rom:nja und Sinti:ze. Seine Eltern waren zunächst im „Zigeunerlager“ Lety bei Pisek inhaftiert, sein Vater Jan Růžička (1917–unbekannt) wurde später in das Konzentrationslager Mittelbau-Dora und seine Mutter Alžběta Růžičková (1924–unbekannt) in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt.
Aktivitäten
Das Komitee hat öffentlich immer wieder auf das Leid der tschechischen Rom:nja und Sinti:ze in den Lagern Lety bei Pisek und Hodonin bei Kunstadt aufmerksam gemacht und sich für die Schließung der dort betriebenen Schweinezucht beziehungsweise Erholungseinrichtung eingesetzt. Darüber hinaus bemüht es sich um die Entschädigung der Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung der Rom:nja und Sinti:ze und um eine Entschädigung für die Vermögensverluste, die sie während des Zweiten Weltkrieges erlitten haben. Das Komitee initiiert Konferenzen, Informationskampagnen, Vorträge, Diskussionen und Bildungsseminare. Jedes Jahr im Mai organisiert das Komitee eine Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof des Lagers Lety bei Pisek.
Auf dem städtischen Friedhof in der nahe gelegenen Stadt Mirovice, wo ebenfalls viele Opfer des Lagers Lety begraben sind, hat das Komitee am 13. Mai 2000 eine Gedenktafel mit den Namen der Verstorbenen und am 13. Mai 2002 eine Gedenkstatue aufgestellt. Im Jahr 2005 erarbeitete der Verein die Wanderausstellung „Lety – příběh zamlčené genocidy“ [Lety – die Geschichte eines verschwiegenen Völkermords], die im Europäischen Parlament in Brüssel und in beiden Häusern des Parlaments der Tschechischen Republik in Prag gezeigt wurde. Im Jahr 2007 folgte die Wanderausstellung „Zaniklý svět“ [Eine verschwundene Welt]. Von 2016 bis 2020 beteiligte sich das Komitee am Projekt „Datenbank der romani Opfer des Holocaust“ (DROH) [Databáze romských obět holocaust], mehrfach fanden auch Kooperationen mit dem Museum der Roma-Kultur in Brno statt.
Durch ihr außerordentliches Engagement haben Čeněk Růžička und das Komitee wesentlich dazu beigetragen, eine öffentliche Debatte in der Tschechischen Republik über das Lager Lety bei Pisek und den nationalsozialistischen Völkermord an den Rom:nja und Sinti:ze anzustoßen und auch voranzutreiben, und gleichzeitig das Bewusstsein für die heutige Situation der Rom:nja und Sinti:ze zu schärfen.




