Museum der Roma-Kultur

Logo
Suche
Museum der Roma-Kultur
  • Version 1.0
  • Publikationsdatum 16. März 2026

Das Muzeum romské kultury [Museum der Roma-Kultur] wurde 1991 in Brno von einer Gruppe intellektueller Rom:nja gegründet, darunter Tomáš Holomeks (1911–1988) Sohn Karel Holomek {1937–2013), der Historiker Bartoloměj Daniel (1924–2001) und Tomáš Holomeks Enkelin Dr. Jana Horváthová (geb. 1967), Historikerin und Museologin, seit 2003 Leiterin des Museums. Sie arbeiteten dabei eng mit verschiedenen Expert:innen aus der Mehrheitsgesellschaft zusammen, wie der Ethnografin Eva Davidová (1924–2018), dem Historiker Ctibor Nečas (1933–2017) und der Linguistin Milena Hübschmannová (1933–2005). In vielerlei Hinsicht setzen der Auftrag und die Aktivitäten des Museums das Erbe der Verbände der Zigeuner-Roma (1969 bis 1973) fort.

Ctibor Nečas (1933–2017) und Jana Horváthová (geb. 1967) in der Masaryk-Universität in Brno, Tschechien, 1994. Professor Nečas gilt als der Begründer der historischen Forschung über die Geschichte der tschechoslowakischen Sinti:ze und Rom:nja. Seit Beginn der 1970er-Jahre veröffentlichte er Studien zum Völkermord, die heute noch als Grundlage für die Forschung dienen. Auch machte er als Erster auf die ‚Zigeunerlager‘ Lety bei Pisek and Hodonin bei Kunstadt aufmerksam. Ctibor Nečas arbeitete eng mit den Verbänden der Zigeuner-Roma zusammen und unterstützte die Gründung des Museums der Roma-Kultur in Brno. Nur wenige seiner Studien wurden aus dem Tschechischen in andere Sprachen übersetzt.

Dr. Jana Horváthová, Historikerin und Museologin, ist Mitbegründerin des Museums, das sie seit 2003 leitet. Das Museum ist einer der wichtigsten Akteure für die Aufarbeitung des Völkermordes in Tschechien.

Das Foto entstand während der Dreharbeiten für den Dokumentarfilm „Parno the kalo hin lolo rat“ [Weiß und Schwarz haben das gleiche (rote) Blut]; Regie: Ljubica Václavová (geb. 1941).

Fotograf:in: unbekannt

Museum der Roma-Kultur, Brno

Aktivitäten

Das Museum dokumentiert, erforscht und präsentiert die Geschichte und Kultur der Rom:nja und Sinti:ze hauptsächlich auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei. Neben dem Aufbau einer umfangreichen Museumssammlung bietet das Museum eine Dauerausstellung zur Geschichte der Rom:nja und Sinti:ze sowie verschiedene Wechsel- und Wanderausstellungen, veranstaltet Vorträge und Bildungsprogramme und verfügt über eine Bibliothek. Das Museum gibt ein jährliches Bulletin (seit 1992) und gelegentlich auch Fachpublikationen heraus.

Dauerausstellung

Seit seiner Gründung leistet das Museum auch grundlegende Arbeit bei der Dokumentation, der Erforschung, dem Gedenken und der Aufklärung über den nationalsozialistischen Genozid an den Rom:nja und Sinti:ze, insbesondere auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik. Am 22. April 2007 eröffnete das Museum eine Dauerausstellung, die diesem Thema gewidmet ist.

Gedenkstätten

Seit den 1990er-Jahren ist das Museum auch an den Standorten der beiden ehemaligen Zigeunerlager sehr aktiv. Seit 1995 finden dort Gedenkveranstaltungen statt und es wurden Denkmäler auf den Lagerfriedhöfen in Lety bei Pisek (13. Mai 1995) und Hodonin bei Kunstadt (17. August 1997) enthüllt. Seit dem 23. November 2017, als der tschechische Staat die auf dem Gelände des Lagers Lety bei Pisek errichtete Schweinefarm kaufte, verwaltet das Museum beide Standorte. Die Gedenkstätte Hodonin bei Kunstadt mit ihrer Dauerausstellung wurde 2021 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Eröffnung der Gedenkstätte Lety bei Pisek folgte im April 2024.

Seit 2019 entwickelt das Museum auch das Roma- und Sinti-Zentrum in Prag als neue Sehenswürdigkeit in der Hauptstadt des Landes, das ein Ort des Gedenkens sowie ein sozio-kulturelles Zentrum für die breite Öffentlichkeit, einschließlich Tourist:innen, werden soll. Das Museum ist Mitglied der offiziellen tschechischen Delegation bei der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA).

Zitierweise

Michal Schuster: Museum der Roma-Kultur, in: Enzyklopädie des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma in Europa. Hg. von Karola Fings, Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg, Heidelberg 16. März 2026.-

1991
7. April 1991Eine Gruppe von Roma- und Nicht-Roma-Intellektuellen gründet das Museum der Roma-Kultur in Brno (Tschechoslowakei).
1995
13. Mai 1995Das Museum der Roma-Kultur in Brno (Tschechische Republik) enthüllt ein Denkmal auf dem Massenfriedhof für die Insass:innen des ehemaligen „Zigeunerlagers“ in Lety bei Písek.
1997
17. August 1997Das Museum der Roma-Kultur (Tschechische Republik) enthüllt ein Denkmal auf dem Massenfriedhof für die Insass:innen des ehemaligen „Zigeunerlagers“ in Hodonín bei Kunštát.
1998
16. Mai 1998Das Museum der Roma-Kultur (Tschechische Republik) enthüllt in Zusammenarbeit mit den Gemeindebehörden von Hodonín bei Kunštát und Černovice eine Gedenktafel auf dem Gemeindefriedhof in Černovice über den noch nicht gekennzeichneten Gräbern der Opfer des ehemaligen „Zigeunerlagers“ in Hodonín bei Kunštát.
2007
22. April 2007Das Museum der Roma-Kultur (Tschechische Republik) eröffnet einen ständigen Ausstellungsraum, der dem Thema des nationalsozialistischen Völkermords an den Rom:nja und Sinti:ze gewidmet ist.
2017
23. November 2017Nach Jahrzehnten des Protests durch Überlebende, ihre Nachkommen und Aktivist:innen erwirbt die Tschechische Republik eine Schweinefarm, die in Lety bei Písek auf dem Gelände des ehemaligen „Zigeunerlagers“ betrieben wird.
2018
25. Januar 2018Das Museum der Roma-Kultur (Tschechische Republik) wird Verwalter der Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen „Zigeunerlagers“ in Hodonín bei Kunštát.
2021
15. Juli 2021Das Museum der Roma-Kultur (Tschechische Republik) eröffnet in Hodonín bei Kunštát eine Gedenkstätte mit einer Dauerausstellung auf dem Gelände des ehemaligen „Zigeunerlagers“ für die Öffentlichkeit.