Das Muzeum romské kultury [Museum der Roma-Kultur] wurde 1991 in Brno von einer Gruppe intellektueller Rom:nja gegründet, darunter Tomáš Holomeks (1911–1988) Sohn Karel Holomek {1937–2013), der Historiker Bartoloměj Daniel (1924–2001) und Tomáš Holomeks Enkelin Dr. Jana Horváthová (geb. 1967), Historikerin und Museologin, seit 2003 Leiterin des Museums. Sie arbeiteten dabei eng mit verschiedenen Expert:innen aus der Mehrheitsgesellschaft zusammen, wie der Ethnografin Eva Davidová (1924–2018), dem Historiker Ctibor Nečas (1933–2017) und der Linguistin Milena Hübschmannová (1933–2005). In vielerlei Hinsicht setzen der Auftrag und die Aktivitäten des Museums das Erbe der Verbände der Zigeuner-Roma (1969 bis 1973) fort.

Ctibor Nečas (1933–2017) und Jana Horváthová (geb. 1967) in der Masaryk-Universität in Brno, Tschechien, 1994. Professor Nečas gilt als der Begründer der historischen Forschung über die Geschichte der tschechoslowakischen Sinti:ze und Rom:nja. Seit Beginn der 1970er-Jahre veröffentlichte er Studien zum Völkermord, die heute noch als Grundlage für die Forschung dienen. Auch machte er als Erster auf die ‚Zigeunerlager‘ Lety bei Pisek and Hodonin bei Kunstadt aufmerksam. Ctibor Nečas arbeitete eng mit den Verbänden der Zigeuner-Roma zusammen und unterstützte die Gründung des Museums der Roma-Kultur in Brno. Nur wenige seiner Studien wurden aus dem Tschechischen in andere Sprachen übersetzt.
Dr. Jana Horváthová, Historikerin und Museologin, ist Mitbegründerin des Museums, das sie seit 2003 leitet. Das Museum ist einer der wichtigsten Akteure für die Aufarbeitung des Völkermordes in Tschechien.
Das Foto entstand während der Dreharbeiten für den Dokumentarfilm „Parno the kalo hin lolo rat“ [Weiß und Schwarz haben das gleiche (rote) Blut]; Regie: Ljubica Václavová (geb. 1941).
Fotograf:in: unbekannt
Museum der Roma-Kultur, Brno
Aktivitäten
Das Museum dokumentiert, erforscht und präsentiert die Geschichte und Kultur der Rom:nja und Sinti:ze hauptsächlich auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei. Neben dem Aufbau einer umfangreichen Museumssammlung bietet das Museum eine Dauerausstellung zur Geschichte der Rom:nja und Sinti:ze sowie verschiedene Wechsel- und Wanderausstellungen, veranstaltet Vorträge und Bildungsprogramme und verfügt über eine Bibliothek. Das Museum gibt ein jährliches Bulletin (seit 1992) und gelegentlich auch Fachpublikationen heraus.
Dauerausstellung
Seit seiner Gründung leistet das Museum auch grundlegende Arbeit bei der Dokumentation, der Erforschung, dem Gedenken und der Aufklärung über den nationalsozialistischen Genozid an den Rom:nja und Sinti:ze, insbesondere auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik. Am 22. April 2007 eröffnete das Museum eine Dauerausstellung, die diesem Thema gewidmet ist.
Gedenkstätten
Seit den 1990er-Jahren ist das Museum auch an den Standorten der beiden ehemaligen „Zigeunerlager“ sehr aktiv. Seit 1995 finden dort Gedenkveranstaltungen statt und es wurden Denkmäler auf den Lagerfriedhöfen in Lety bei Pisek (13. Mai 1995) und Hodonin bei Kunstadt (17. August 1997) enthüllt. Seit dem 23. November 2017, als der tschechische Staat die auf dem Gelände des Lagers Lety bei Pisek errichtete Schweinefarm kaufte, verwaltet das Museum beide Standorte. Die Gedenkstätte Hodonin bei Kunstadt mit ihrer Dauerausstellung wurde 2021 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Eröffnung der Gedenkstätte Lety bei Pisek folgte im April 2024.
Seit 2019 entwickelt das Museum auch das Roma- und Sinti-Zentrum in Prag als neue Sehenswürdigkeit in der Hauptstadt des Landes, das ein Ort des Gedenkens sowie ein sozio-kulturelles Zentrum für die breite Öffentlichkeit, einschließlich Tourist:innen, werden soll. Das Museum ist Mitglied der offiziellen tschechischen Delegation bei der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA).




