August Lyss wurde am 14. Januar 1888 im ostpreußischen Jurken geboren. 1919 trat er in Wiesbaden, Deutschland, in den Polizeidienst ein. Im Laufe seiner Karriere bekleidete er verschiedene Positionen in Hannover und Wuppertal, bis er 1938 die Leitung des Erkennungsdienstes der Hamburger Polizei übernahm. Zu diesem Amt gehörte auch die Zuständigkeit für die „Dienststelle für Zigeunerfragen“ der Kriminalpolizei und kurz darauf übernahm er zudem die Leitung der Inspektion für „Vorbeugende Verbrechensbekämpfung“. In den Jahren 1939 und 1940 war Lyss an der Planung und Durchführung der Erfassung, Inhaftierung und Deportation der Rom:nja und Sinti:ze in Hamburg und Umgebung beteiligt.
Im Protektorat
Im Mai 1941 wurde er zur deutschen Kriminalpolizei in Prag, Protektorat Böhmen und Mähren, versetzt. Offenbar auf der Grundlage seiner bisherigen Erfahrungen wurde er zum Leiter des Erkennungsdienstes ernannt und begann mit den Vorbereitungen für die Erfassung, Inhaftierung und Deportation der Rom:nja und Sinti:ze im Protektorat, wahrscheinlich im Auftrag seines Vorgesetzten Friedrich Sowa (1896–unbekannt). Im Sommer 1942 erteilte Lyss den Kommandanten der „Zigeunerlager“ Lety bei Pisek und Hodonin bei Kunstadt, Josef Janovský (1888–1956) und Štěpan Blahynka (1894–1956), Anweisungen zur Verwaltung und Behandlung der dort Eingesperrten. Bei einem Besuch im Lager in Lety am 12. September 1942 wies er den Lagerkommandanten an, eine Liste der Insass:innen zu erstellen, die für eine Deportation in das Konzentrationslager Auschwitz vorgesehen waren.
Lyss war zudem maßgeblich an der Organisation der Erfassung von „Zigeunern“ im Protektorat am 2. und 3. August 1942 sowie an der Vorbereitung und Durchführung der Deportationen von Rom:nja und Sinti:ze aus dem Protektorat in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im Jahr 1943 beteiligt.
Nach dem Krieg
Janovský erklärte in einem gegen ihn geführten Prozess nach dem Krieg, dass Lyss sein unmittelbarer Vorgesetzter bei der Polizei gewesen und seine brutale Behandlung der Lagerinsass:innen in Lety unterstützt habe. Das Tagebuch von Jiří Letov (1897–1963), der regelmäßig mit Lyss zusammengearbeitet hatte, bestätigt diese Aussage.
Lyss hatte Prag am Ende des Krieges verlassen und war nach Hamburg zurückgekehrt. Im Januar 1946 ging er in den Ruhestand. Im Februar 1947 stufte ihn das Entnazifizierungskomitee des Landes Schleswig-Holstein als „entlastet“ ein. August Lyss starb am 12. Mai 1975 in Hamburg.




