Josef Janovský

Logo
Search
Josef Janovský
  • Version 1.0
  • Publikationsdatum 19. Oktober 2025

Josef Janovský war von der Gründung bis Februar 1943 Lagerkommandant des ZigeunerlagersLety bei Pisek im Protektorat Böhmen und Mähren. Zuvor war er Kommandant des „Arbeitsstraflagers” und des „Anhaltelagers” am selben Ort gewesen.

Werdegang

Janovský wurde am 19. März 1888 in Stříbrná Skalice [Deutsch: Silberskalitz, heute Bezirk Praha-východ] in Österreich-Ungarn geboren. Nach seinem Militärdienst trat er 1913 in die Gendarmerie ein. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Feldgendarm. Nach dem Krieg trat er in die tschechoslowakische Gendarmerie ein und wurde nach Užhorod versetzt, von wo er nach der Zuweisung der Region an Ungarn durch den Ersten Wiener Schiedsspruch 1938 zurückkehrte.

Von 1939 bis 1940 diente er zunächst als Leiter des Bezirksgendarmeriekommandos in Kladno (Bezirk Kladno), danach in selber Position in Jílové u Prahy (heute Bezirk Praha-západ), bis er gemäß dem Erlass des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler (1889–1945) über das Protektorat Böhmen und Mähren in den zivilen Dienst des Innenministeriums versetzt wurde. Nachdem er den Rang eines Stabskapitäns der Gendarmerie erreicht hatte, trug er nun den Titel eines Oberverwaltungsbeamten.

Lagerkommandant

Im Sommer 1940 wurde Josef Janovský als Kommandant in das „Arbeitsstraflager I“, das erste Zwangslager in Lety bei Písek, versetzt. Am 20. Februar 1943 wurde er von seinen Aufgaben in Lety entbunden, da er in den Augen seiner Vorgesetzten bei der Erfüllung seiner Aufgabe als Lagerkommandant versagt hatte. Seine Versäumnisse werden meist als eigenmächtige Handlungen Janovskýs und einem unzureichenden Umgang mit der sich ausbreitenden Fleck- und Bauchtyphusepidemie im Lager beschrieben. Dies geht jedoch aus den Quellen nicht eindeutig hervor.

Janovský wurde zunächst zum Lagerbuchhalter im Arbeitserziehungslager Plan an der Lainsitz [Planá nad Lužnicí] ernannt, aber schnell wieder versetzt. Bis zum Ende des Krieges arbeitete er im Bezirksamt Prag-Venkov-Sever. Seine Position in Lety übernahm der Kommandant des Lagers Hodonin bei Kunstadt, Štěpan Blahynka (1894–1956).

Als Lagerkommandant wurde Janovský nach dem Krieg sowohl von Überlebenden als auch von ehemaligen Wachleuten als herrisch, grausam und sadistisch beschrieben, mit einer offensichtlichen Sympathie für den Nationalsozialismus. In Lety bei Pisek führte Janovský Sonderstrafen ein, die nicht in den offiziellen Lagerordnungen aufgeführt waren. Überlebende berichteten, dass Janovský neben brutalen Schlägen auch anordnete, Häftlinge mit hinter dem Rücken gefesselten Händen an einem Pfahl aufzuhängen, sodass ihre Füße den Boden nicht berührten – eine Foltermethode, die auch aus dem Konzentrationslager Auschwitz bekannt ist.

Nach 1945

Nach dem Krieg wurde Janovský in der Tschechoslowakei aufgrund seiner Rolle als Lagerkommandant in Lety wegen Kollaboration angeklagt. Eine erste Anzeige gegen ihn, die ehemalige Wachleute aufgrund seiner Behandlung der Häftlinge erstattet hatten, wurde im Sommer 1945 abgewiesen, aber eine zweite Anzeige, die kurz darauf eingereicht wurde, führte zu einer Untersuchung und einem Prozess vor einem Volksgericht in Prag.

Janovský konnte das Gericht davon überzeugen, dass er auf Befehl seiner deutschen Vorgesetzten gehandelt hatte, denen er sich nicht hatte widersetzen können. Er benannte August Lyss (1888–1973) als Verantwortlichen für die Zustände im Lager. Josef Janovský wurde am 9. September 1948 von allen Anklagepunkten freigesprochen. Da er das gesetzliche Rentenalter erreicht hatte, konnte er nach dem Prozess seine Rente beziehen. Josef Janovský starb 1956 an Krebs.

Citation

Aletta Beck: Josef Janovský, in: Encyclopaedia of the Nazi Genocide of the Sinti and Roma in Europe. Ed. by Karola Fings, Research Centre on Antigypsyism at Heidelberg University, Heidelberg 19 October 2025.-

1942
15 July 1942At the German Criminal Police Headquarters [Kriminalzentrale] in Prague (Protectorate of Bohemia and Moravia, German-occupied Czech Lands), August Lyss issues orders on the organisation of the ‘Zigeunerlager’ and the treatment of their inmates.
1 – 3 August 1942In the Protectorate of Bohemia and Moravia (German-occupied Czech Lands), people defined as ‘Gypsies’ are registered.
2 August 1942In the Protectorate of Bohemia and Moravia (German-occupied Czech Lands), the ‘Zigeunerlager’ Lety near Pisek and Hodonin near Kunstadt start to operate. During the first days more than a thousand people are deported to each camp.
27 August 1942Camp commander Josef Janovský issues his personal set of rules for the ‘Zigeunerlager’ Lety near Pisek in the Protectorate of Bohemia and Moravia (German-occupied Czech Lands).
30 September 1942An official set of camp rules for the Lety and Hodonin ‘Zigeunerlager’ (Protectorate of Bohemia and Moravia, German-occupied Czech Lands) is issued by the occupation authorities.
2 December 1942The first transport of Sinti and Roma from the ‘Zigeunerlager’ in Lety near Pisek, Protectorate of Bohemia and Moravia (German-occupied Czech lands), to Auschwitz I concentration camp (German-annexed Poland) is carried out on the basis of the order for ‘preventive fight against crime’. The transport consists of 94 mainly elderly persons (78 women and 16 men).
16 December 1942‘Auschwitz Decree’: Heinrich Himmler, head of the Schutzstaffel (‘Reichsführer-SS’), the Reich Security Main Office and the SS Main Economic and Administrative Office, orders the deportation of Sinti and Roma from the German Reich to Auschwitz-Birkenau concentration and extermination camp.
31 December 1942The whole ‘Zigeunerlager’ Lety near Pisek in the Protectorate of Bohemia and Moravia (German-occupied Czech Lands) is put under quarantine due to a typhoidus and typhus epidemic.