Erich von dem Bach-Zelewski

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Erich von dem Bach-Zelewski
  • Version 1.0
  • Publikationsdatum 30. Juni 2026

Erich von dem Bach-Zelewski trug als SS-Obergruppenführer und enger Vertrauter Heinrich Himmlers (1900–1945) entscheidende Verantwortung für die nationalsozialistischen Massenverbrechen im deutsch besetzten Osteuropa. Auf dem Posten des Höheren SS- und Polizeiführers (HSSPF) Russland-Mitte hatte er ab Juni 1941 Befehlsgewalt über alle im Rückwärtigen Heeresgebiet Mitte eingesetzten Einheiten von Schutzstaffel (SS) und Polizei. Hier organisierte er die systematische Ermordung der sowjetischen Juden:Jüdinnen und Rom:nja sowie das Vorgehen gegen vermeintliche und tatsächliche politische Gegner:innen.1Der Beitrag basiert, soweit nicht anders angegeben, auf Kreutz, Erich von dem Bach-Zelewski. Im Verlauf des Krieges gewann er immer größeren Einfluss auf die sogenannte Bandenbekämpfung und die dabei verübten Verbrechen.

Herkunft und Aufstieg in der NS-Bewegung

Erich von dem Bach-Zelewski wurde am 1. März 1899 als Erich Julius Eberhard von Zelewsky in Lauenburg (Pommern) geboren und wuchs aufgrund der prekären ökonomischen Lage seiner Eltern seit 1911 bei einer befreundeten Adelsfamilie auf. Im November 1914 trat er als Kriegsfreiwilliger in das Preußische Heer ein.

Bach-Zelewskis politische Karriere begann im Februar 1930 mit dem Eintritt in die NSDAP und die SS. Schnell erregte er die Aufmerksamkeit seines Vorgesetzten Kurt Daluege (1897–1946) sowie Heinrich Himmlers. In den Monaten nach Adolf Hitlers (1889–1945) Ernennung zum Reichskanzler organisierte er die Durchsetzung der nationalsozialistischen Herrschaft auf der lokalen Ebene im östlichen Brandenburg durch öffentlichkeitswirksam inszenierte Mordaktionen an politischen Gegnern. Mehrfache Beförderungen folgten, die schließlich in seiner Ernennung zum Oberabschnittsführer zunächst für Ostpreußen und 1936 für Schlesien gipfelten.

Gewaltmanager im Vernichtungskrieg

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 erreichte Bach-Zelewski durch die Ernennung zum HSSPF Russland-Mitte seine größte Machtfülle. In dieser Funktion organisierte er die Vernichtungspolitik hinter dem Mittelabschnitt der Ostfront und koordinierte die dort eingesetzten Einheiten von Polizei, SS und Waffen-SS. Seine Rolle lässt sich am besten als die eines „Transmissionsriemens“ beschreiben, der innerhalb des eigenen Befehlsbereichs durch Inspektionsreisen und direkte Anweisungen dafür sorgte, dass Radikalisierungsschritte von einer Einheit zur anderen und von einer Region zur nächsten übertragen wurden. Dabei agierten er und seine Untergebenen innerhalb eines durch Hitler und die SS-Führung geprägten „Befehlsklimas“ (Peter Longerich)2Longerich, Politik der Vernichtung, 417., das radikalisierender Eigeninitiative breite Spielräume öffnete.

Hatten sich die Morde anfangs auf führende Vertreter der jüdischen Gemeinden konzentriert, kam es schnell zu einer schrittweisen Ausweitung der Opfergruppen, die spätestens seit August 1941 auf die Auslöschung der gesamten jüdischen Bevölkerung zielte.3Kay, „Transition to Genocide“, 426. Zwar fehlt bisher eine detaillierte Studie zu dem Vorgehen gegen die sowjetischen Rom:nja im Heeresgebiet Mitte. Erkennbar ist aber, dass Bach-Zelewski und seine Untergebenen spätestens seit Frühjahr 1942 auf die systematische Ermordung aller sowjetischen Rom:nja zielten.4Holler, Der nationalsozialistische Völkermord, 59 f. und 113.

Seit 1942 konzentrierte sich Bach-Zelewski zunehmend auf das Vorgehen gegen vermeintliche und tatsächliche Partisan:innen. Obwohl damit eine massive Ausweitung der Opfergruppen verbunden war, blieben Juden:Jüdinnen und Rom:nja weiter im Fokus der Verfolgung. So gab etwa Bach-Zelewskis Stellvertreter, Curt von Gottberg (1896–1945), in seinem Einsatzbefehl für das sogenannte Bandenunternehmen „Hamburg“ im Dezember 1942 die Parole aus: „Als Feind ist anzusehen jeder Bandit, Jude, Zigeuner, Bandenverdächtige […] Jedes Entweichen von Banditen, Juden, Zigeunern, Bandenverdächtigen […] ist zu verhindern.“5NS-Verbrechen anläßlich des Partisanenkampfes in der UdSSR, 15. Aus Perspektive Bach-Zelewskis wie der SS bildete die Ermordung unbewaffneter Juden:Jüdinnen und Rom:nja ein der Bekämpfung organisierter Partisanengruppen mindestens ebenbürtiges Ziel.

Warschauer Aufstand und Nachkriegszeit

Wie viele andere SS-Führer begann auch Bach-Zelewski, sich lange vor Kriegsende mit der Möglichkeit einer deutschen Kriegsniederlage zu beschäftigen und für diesen Fall persönliche Vorsorge zu treffen. Die entscheidende Zäsur auf Bach-Zelewskis Weg in die Nachkriegszeit bildete der Warschauer Aufstand.

Dabei agierte er durchweg in einem doppelten Bezugsrahmen.6Kreutz, „Bandenbekämpfung i powstanie warszawskie“. Gegenüber Hitler und Himmler inszenierte er sich als effizienter militärischer Führer und Gewaltmanager, dem es in erster Linie um eine möglichst schnelle Niederschlagung des Aufstands ging. Gleichzeitig nutzte er seine Position, um sich gegenüber hochrangigen Vertretern der katholischen Kirche in Polen sowie gegenüber der Führung der Aufständischen als verlässlicher Verhandlungspartner darzustellen und sich potenzielle Fürsprecher für den Fall einer deutschen Kriegsniederlage zu sichern.

Nachdem Bach-Zelewski im August 1945 von den Alliierten verhaftet worden war, griff er immer wieder auf das Beispiel des Warschauer Aufstands zurück, um seine angeblich humane Haltung zu belegen. Während der Nürnberger Prozesse sorgte Bach-Zelewski vor allem durch seine Aussagen über die enge Kooperation zwischen Wehrmacht und SS bei den im Zuge der Partisanenbekämpfung verübten Verbrechen für Aufmerksamkeit. Sein Auftritt war eng mit der US-amerikanischen Anklagebehörde abgestimmt. Seine Verantwortung für die Ermordung der sowjetischen Juden:Jüdinnen und Rom:nja kam dagegen erst im Kreuzverhör durch den sowjetischen Anklagevertreter zur Sprache, der sich allerdings vor allem für seine Kooperation mit der Einsatzgruppe B interessierte.7Birn, „Criminals as Manipulative Witnesses“, 446 f. Dass Bach-Zelewski und die anderen HSSPF in der Sowjetunion aus eigener Initiative und mit eigenen Mitteln für die Ermordung Hunderttausender Unbewaffneter verantwortlich gewesen waren, wurde dagegen in Nürnberg nicht thematisiert.

Bis 1951 verblieb Bach-Zelewski in alliierter Haft und sagte in mehreren Nürnberger Nachfolgeprozessen aus, was ihn zugleich vor der Auslieferung nach Polen oder in die Sowjetunion schützte. Anschließend übergaben ihn die Alliierten an die bayerischen Spruchkammern, die ihn als „Hauptschuldigen“ einstuften und zur höchstmöglichen Strafe von zehn Jahren Arbeitslager verurteilten. Tatsächlich aber musste der zwischenzeitlich aus der Haft entlassene Bach-Zelewski seine Spruchkammerhaft nie verbüßen, da er die ihm schriftlich zugegangene Aufforderung zum Haftantritt einfach ignorierte und sich das bayerische Befreiungsministerium dagegen entschied, ihn zwangsweise vorführen zu lassen. Stattdessen wollte man die inzwischen begonnenen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abwarten.

In der Folge verblieb Bach-Zelewski bis 1958 in Freiheit, als er wegen seiner Verantwortung für mehrere Morde an politischen Gegnern in der Vorkriegszeit in Untersuchungshaft genommen wurde. Im Februar 1961 verurteilte ihn das Landgericht Nürnberg-Fürth wegen der Ermordung eines konkurrierenden SS-Führers im Zuge des sogenannten Röhm-Putsches von 1934 zu einer ersten Freiheitsstrafe. Weitere Verurteilungen, zunächst wegen Meineids und dann zu einer lebenslänglichen Haftstrafe wegen der Ermordung mehrerer Kommunisten im Jahr 1933, folgten.8Ebd., 470.

Trotz zahlreicher Versuche, seine Haft auf dem Gnadenwege oder mit Verweis auf eine angebliche medizinische Haftunfähigkeit zu verkürzen, verblieb Bach-Zelewski fast bis zu seinem Lebensende in Haft. Schwerkrank wurde er 1972 aus der Haftanstalt in das Krankenhaus München-Harlaching verlegt, wo er am 8. März 1972 verstarb.

Einzelnachweise

  • 1
    Der Beitrag basiert, soweit nicht anders angegeben, auf Kreutz, Erich von dem Bach-Zelewski.
  • 2
    Longerich, Politik der Vernichtung, 417.
  • 3
    Kay, „Transition to Genocide“, 426.
  • 4
    Holler, Der nationalsozialistische Völkermord, 59 f. und 113.
  • 5
    NS-Verbrechen anläßlich des Partisanenkampfes in der UdSSR, 15.
  • 6
    Kreutz, „Bandenbekämpfung i powstanie warszawskie“.
  • 7
    Birn, „Criminals as Manipulative Witnesses“, 446 f.
  • 8
    Ebd., 470.

Zitierweise

Jan Kreutz: Erich von dem Bach-Zelewski, in: Enzyklopädie des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma in Europa. Hg. von Karola Fings, Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg, Heidelberg 30. Juni 2026.-

1941
22. Juni 1941Deutschland überfällt die Sowjetunion und stößt mit seinen Truppen bis Ende des Jahres bis kurz vor Moskau vor.
1945
20. November 1945In Nürnberg, Deutschland, beginnt vor dem Internationalen Militärgerichtshof der Alliierten der Prozess gegen 24 Hauptkriegsverbrecher und sechs verbrecherische Organisationen des deutschen NS-Regimes (Nürnberger Prozess). Er dauert bis zum 1. Oktober 1946.