Auschwitz-Birkenau (2. August 1944)

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Auschwitz-Birkenau (2. August 1944)
  • Version 1.0
  • Publikationsdatum 27. Juli 2026

Am 16. Dezember 1942 erteilte Reichsführer-SS Heinrich Himmler (1900–1945) den Befehl, Sinti:ze und Rom:nja in das Konzentrations– und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau einzuweisen. Der „Auschwitz-Erlass“ gilt als entscheidender Wendepunkt hin zu einer Politik, die auf die Ermordung der Angehörigen der Minderheit in Deutschland und den deutsch besetzten Ländern vornehmlich im Westen Europas zielte. Tausende Rom:nja waren zu der Zeit in verschiedenen besetzten oder kollaborierenden Ländern in Südost- und Osteuropa bereits ermordet worden.

Auf Grundlage des Erlasses wurden von Ende Februar 1943 bis Juli 1944 rund 21.000 Sinti:ze und Rom:nja im Lagerabschnitt BIIe von Birkenau registriert, weitere 1.700 Rom:nja aus Bialystok wurden nicht registriert. Rund 2.700 der Deportierten wurden im Mai und im September 1943 selektiert und in den Gaskammern ermordet, und etwa 12.000 starben bis Juli 1944 an Hunger, Krankheiten oder durch Gewaltverbrechen, die von Angehörigen der Schutzstaffel (SS) begangen wurden. Rund 3.700 Sinti:ze und Rom:nja wurden zu Zwangsarbeiten in andere Konzentrationslager überstellt. Die verbliebenen etwa 4.300 Männer, Frauen und Kinder wurden am Abend des 2. August 1944 in den Gaskammern ermordet.1Siehe die Berechnungen von Kubica and Setkiewicz, „The Last Stage in the Existence of the Birkenau Zigeunerlager“, 268–270; Setkiewicz, „Zigeunerlager in KL Auschwitz II-Birkenau”, 327 f.

Voraussetzungen

Um die Jahreswende 1942/43 war noch nicht entschieden, mit den Deportierten so zu verfahren wie mit den jüdischen Verfolgten. Bei den im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau eintreffenden Zügen mit Juden:Jüdinnen führten SS-Ärzte seit Sommer 1942 regelmäßig Selektionen durch, um die übergroße Mehrheit der Menschen anschließend den Gaskammern zu ermorden. Die ab dem 26. Februar 1943 eintreffenden Sinti:ze und Rom:nja wurden solchen Selektionen nicht unterworfen. Sie wurden auch nicht nach Frauen und Männern getrennt, sondern die Erwachsenen wurden zusammen mit den Kindern und Jugendlichen in einen separaten Bereich des Lagers Birkenau – den Lagerabschnitt BIIe – eingewiesen. Aus diesem Grund wurde der Lagerabschnitt von der Lager-SS auch „Familienlager“ oder Zigeunerlager genannt.

Laut dem im Sommer 1945 in britischer Kriegsgefangenschaft niedergeschriebenen Erinnerungsbericht des SS-Rottenführers Pery Broad (1921–1993), der von Sommer 1942 bis Januar 1945 in der Politischen Abteilung des Konzentrationslagers Auschwitz tätig und auch im Lagerabschnitt BIIe eingesetzt war, soll das Reichssicherheitshauptamt – Amt V, Reichskriminalpolizeiamt (RKPA) – im Februar 1943 gegenüber der Lagerkommandantur die Einweisung von „mehreren tausend Zigeunern angekündigt und dabei darauf hingewiesen haben, sie „einstweilen nicht wie Juden zu behandeln“.2Bezwińska und Czech, KL Auschwitz in den Augen der SS, 185. Rudolf Höss (1901–1947), von Mai 1940 bis November 1943 Kommandant des gesamten Lagerkomplexes, hielt Ähnliches in seinem 1946/47 in polnischer Haft verfassten Bericht fest. Darin heißt es: „Die nach Auschwitz Transportierten sollten für die Dauer des Krieges in einem Familienlager untergebracht bleiben.“3Ebd., 63.

Himmlers Interesse an angeblich „reinrassigen Zigeunern“, denen er ein „bestimmtes Gebiet“ zuweisen wollte, und Aktivitäten der ihm unterstehenden Forschungseinrichtung SS-Ahnenerbe haben möglicherweise dazu beigetragen, dass er Sinti:ze und Rom:nja zunächst lediglich in einem Lager isolieren wollte.4Zimmermann, Rassenutopie und Genozid, 297–304; Luchterhandt, Der Weg nach Auschwitz, 235–242. Fings, „A ‚Wannsee Conference’ on the Extermination of the Gypsies?“, 185–187, 193. Höß waren diese Vorstellungen Himmlers bekannt, und die Verwaltung des Lagers Auschwitz fragte im April 1943 beim SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (SS-WVHA) nach einer besseren Verpflegung der Schwangeren, Säuglinge und Kleinkinder „unter Hinweis darauf, dass der Reichsführer-SS dies wünsche, weil er etwas Besonderes mit den Zigeunern vorhabe.“5Bundesarchiv Berlin, NS 19/180, Bl. 3, Der Chef des SS-Wirtschaftsverwaltungs-Hauptamtes Oswald Pohl an SS-Obersturmbannführer Brandt, Persönlicher Stab des Reichsführer-SS, 9. April 1943.

Das alles spielte für die Überlebenschancen der Deportierten keine Rolle. Zwar zeigt die Unterbringung der Sinti:ze und Rom:nja in einem separaten Lagerabschnitt, dass mit der Einweisung nach Auschwitz-Birkenau kein direkter Mordbefehl verbunden war. Allerdings führte die von systematischer Gewalt und Unterversorgung geprägte Lagerwirklichkeit dazu, dass bis Ende des Jahres 1943 von den bis dahin rund 18.700 in den Lagerabschnitt BIIe deportierten Menschen weniger als 10.000 Männer, Frauen und Kinder noch am Leben waren.6Vgl. die Statistiken in Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, Gedenkbuch, Bd. 2, 1475 f: 1943 wurden 18.736 Sinti:ze und Rom:nja in dem Lagerabschnitt BIIe registriert, und anhand des – allerdings nicht vollständig entzifferbaren – „Hauptbuches des Zigeunerlagers“ können für 1943 7 359 Verstorbene nachgewiesen werden. Vgl. auch das Schaubild in Setkiewicz, „Zigeunerlager in KL Auschwitz II-Birkenau“, 310. Es gibt jedoch keinen Beleg dafür, dass Himmler – wie Höß nach 1945 behauptete – während einer angeblichen Besichtigung des Lagerabschnitts BIIe, angesichts überfüllter Baracken und in Kenntnis der hohen Todesrate, die Entscheidung zur Ermordung der Sinti:ze und Rom:nja persönlich vor Ort fällte.7KL Auschwitz in den Augen der SS, 64 f; Zimmermann, Rassenutopie und Genozid, 340. Höß behauptete dies im Zusammenhang mit einem Besuch Himmlers, der vom 17. bis 18. Juli 1942 stattgefunden hatte – also zu einer Zeit, als die Massendeportationen von Sinti:ze und Rom:nja noch nicht erfolgt waren. Himmler stattete weder 1943 noch 1944 dem Lager Auschwitz-Birkenau einen Besuch ab.8Setkiewicz, „Zigeunerlager in KL Auschwitz II-Birkenau”, 319.

Entscheidungen im Frühjahr und Frühsommer 1944

Wann und wo Himmler den Mordbefehl in welcher Form gegeben hat, ist nicht bekannt. Unstrittig aber ist, dass Himmler als Reichsführer-SS und Chef der deutschen Polizei, dem das Reichssicherheitshauptamt und das SS-WVHA unterstanden, derjenige war, der die Verfügungsgewalt über die Sinti:ze und Rom:nja hatte und diese Entscheidung traf. Ähnlich wie mit Blick auf die jüdische Bevölkerung in Europa, ist auch im Hinblick auf die Ermordung der Sinti:ze und Rom:nja davon auszugehen, dass es einen schriftlichen Mordbefehl von höchster Stelle („Führerbefehl“) nicht gegeben hat, ja, dass es einer solchen schriftlichen Anordnung nicht bedurfte.9Longerich, Der ungeschriebene Befehl. Dass Adolf Hitler (1889–1945) von den Vorgängen unterrichtet war, liegt auf der Hand.

Die Morde an den Sinti:ze und Rom:nja in Auschwitz-Birkenau sind auf mehrere Gründe zurückzuführen; eine Vielzahl von Akteuren war daran beteiligt. Der Bedarf an der Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen war aufgrund kriegsbedingter Engpässe sehr hoch. In diesem Zusammenhang griff das SS-WVHA nun auch auf die Sinti:ze und Rom:nja im Lagerabschnitt BIIe zurück: In vier Transporten – am 15. April und am 24. Mai – wurden insgesamt 695 Frauen sowie 965 Männer für „arbeitsfähig“ befunden und in die Konzentrationslager Buchenwald, Flossenbürg und Ravensbrück überstellt.10Setkiewicz and Lachendro, Kalendarz wydarzeń w KL Auschwitz, Bd. 4, 1492, 1538. Der Historiker Martin Luchterhandt bewertet dieses Vorgehen als Zeichen dafür, dass damit der „Sonderstatus“ von Sinti:ze und Rom:nja – also ihre Sammlung in Auschwitz-Birkenau – Mitte April 1944 aufgekündigt worden sei, was nahelege, dass die Entscheidung für die „Liquidation“ des Lagerabschnitts BIIe bereits zu der Zeit gefallen sei.11Luchterhandt, Der Weg nach Birkenau, 303. Unwahrscheinlich ist jedoch, dass Höß die Entscheidung über die „Liquidierung“ des Lagers zu dieser Zeit alleine traf, wie Luchterhandt anmerkt. Höß hielt sich im April 1944 noch in Berlin auf.

Die Auflösung des Lagerabschnitts stand aber nicht nur im Zusammenhang mit der Rekrutierung von Zwangsarbeitskräften, sondern ebenso mit der Vorbereitung der Deportation von mehr als 430.000 Juden:Jüdinnen aus Ungarn und den ungarisch besetzten Gebieten, die einsetzte, nachdem Ungarn am 19. März 1944 von deutschen Truppen besetzt wurde. Höß, zu jener Zeit in Berlin Leiter des Amtes D I (Zentralamt) im SS-WVHA,12Das „Zentralamt“ war für die „Behandlung der Häftlinge“ in den Konzentrationslagern verantwortlich, was allgemeine Vorschriften für Häftlinge und Wachmannschaften sowie Strafverfügungen gegenüber den Häftlingen umfasste, aber auch die Koordination aller Einzel- und Massenmordaktionen in den Konzentrationslagern. Vgl. Tuchel, Die Inspektion der Konzentrationslager, 94. wurde mit der Umsetzung dieses Verbrechens in Auschwitz-Birkenau beauftragt und übernahm dazu Anfang Mai 1944 als Standortältester erneut die Kommandantur des Lagerkomplexes Auschwitz.13Arthur Liebehenschel, Standortbefehl Nr. 14/44 vom 8.5.1944, abgedruckt in Frei et al., Standort- und Kommandanturbefehle, 445 f.

In der zweiten Maihälfte, nach den ersten, am 16. Mai 1944 eintreffenden Deportationszügen, wurden jüdische Frauen aus Ungarn, über deren Verbleib noch nicht von der SS entschieden worden war, bis zu ihrer Ermordung vorübergehend auch in einem abgetrennten Teil des Lagerabschnitts BIIe untergebracht; danach waren es vor allem jüdische Männer aus Ungarn, die dort in den Baracken 3 bis 18 eingepfercht wurden und im Juli annähernd die Hälfte der dort untergebrachten Häftlinge stellten.14Setkiewicz, „Zigeunerlager in KL Auschwitz II-Birkenau”, 251–254.

Ebenfalls im Juli 1944 wurde der Lagerabschnitt BIIb geräumt, in dem sich seit dem 8. September 1943 ein weiteres „Familienlager“ mit Juden:Jüdinnen aus dem Ghetto Theresienstadt befand. Während der Nacht vom 10. auf den 11. Juli und ein weiteres Mal in der Nacht auf den 12. Juli 1944 ermordete die SS die dort noch befindlichen 7.000 Häftlinge. Der Historiker Franciszek Piper (geb. 1941) vermutete wegen der zeitlichen Nähe des Mordes an den Häftlingen aus den beiden „Familienlagern“, dass Himmler angesichts des Vorrückens der Alliierten an allen Fronten die „Camouflage für diese Art der Massenvernichtung nicht mehr nötig“ gehabt habe.15Piper, „‚Familienlager‘“, 298.

Mit Oswald Pohl (1892–1951), dem Leiter des SS-WVHA, der am 16. Juni 1944 zur Organisation verschiedener Baumaßnahmen, unter anderem für die als „Judenaktion“ verklausulierte Massentötung, ebenfalls im Lagerkomplex Auschwitz eintraf, nahm ein zweiter hochrangiger SS-Funktionär aus Berlin die Situation der Sinti:ze und Rom:nja im Lagerabschnitt BIIe in Augenschein.16Setkiewicz and Lachendro, Kalendarz wydarzeń w KL Auschwitz, Bd. 4, 1576. In der Logik der SS waren kranke, alte und nicht arbeitsfähige Häftlinge von keinerlei Nutzen, was die Entscheidung zur Ermordung der von systematischer Gewalt und Unterversorgung betroffenen Menschen verfestigt haben dürfte.

Hinzu kam, dass gleichzeitig das RKPA einen Vorstoß bezüglich dieser Häftlingsgruppe unternahm. Auf der Suche nach geeigneten Häftlingen für Experimente zur Trinkbarmachung von Meerwasser hatte der Reichsarzt SS und Polizei, Ernst Robert Grawitz (1899–1945), von Himmler am 15. Mai 1944 dazu beauftragt, verschiedene Erkundigungen einzuholen. In dem Zusammenhang schlug Arthur Nebe (1894–1945), der Leiter des RKPA, vor, hierzu auf Sinti:ze und Rom:nja im Konzentrationslager Auschwitz zurückzugreifen. Weiter führte er aus: „Ich werde dieser zigeunerischen Menschen wegen demnächst Reichsführer einen besonderen Vorschlag unterbreiten…“.17Harvard Law School Library, Nuremberg Trails Project, Item No. 1181, NO-179, Ernst Grawitz, Letter to Heinrich Himmler concerning the seawater experiments, 28 June 1944. Wie dieser Vorschlag aussah, ist nicht überliefert. Der Historiker Michael Zimmermann (1951–2007) vermutete, dass Nebe in dem Zusammenhang außerdem eine Anregung des RKPA vom November 1942 in Erinnerung rief, der den Umgang mit ehemaligen Wehrmachtsoldaten unter den Sinti und Roma betraf, und dass es Nebe war, der eine „Koppelung von Zwangssterilisation, Freilassung und Kriegsdienst ins Gespräch brachte“.18Zimmermann, Rassenutopie und Genozid, 341.

Vorbereitungen

Zimmermanns Hinweis ist insofern plausibel, als Überlebende erinnerten, dass auf Anweisung des Rapportführers Georg (auch Paul) Bonigut (1913–unbekannt)19SS-Unterscharführer Bonigut war von April bis Anfang August 1944 Lagerführer des Lagerabschnitts BIIe, womit ihm die Wachmannschaften unterstanden. Listen über Militärdienste und besondere Auszeichnungen während des Ersten Weltkrieges sowie Zugehörigkeiten zur Wehrmacht unter den Familien der Sinti:ze und Rom:nja erstellt werden sollten.20Luchterhandt, Der Weg nach Birkenau, 300 f., zitiert die Überlebende Hilli Weiß (1918–unbekannt), die in der Schreibstube von Lagerabschnitt BIIe arbeitete. Weiß datierte diese Anweisung auf Mitte Mai 1944. Die so ausgewählten Männer sollten zusammen mit ihren Angehörigen anders behandelt werden. Zudem wird über Selektionen nach Arbeitsfähigkeit berichtet, die um Mitte Juli 1944 stattgefunden haben sollen.21Ebd.

Dieser Ablauf deckt sich zudem mit den Verlegungen von Häftlingen, die zu dieser Zeit stattfanden. Auf der Basis der Auswertung von Dokumenten im Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau kommt der Historiker Piotr Setkiewicz (geb. 1963) zu dem Schluss, dass vom 16. bis 18. Juli 1944 die Häftlinge ausgewählter Gruppen – über 500 Frauen und Mädchen sowie ungefähr 1 400 Männer und Jungen – aus dem Lagerabschnitt BIIe in das Stammlager Auschwitz in die Blöcke 9 und 10 verlegt wurden. Die Gebäude wurden mit einem provisorischen Zaun vom übrigen Lagergelände abgetrennt.22Setkiewicz, „Zigeunerlager in KL Auschwitz II-Birkenau”, 321–23.

Die Verlegungen verursachten große Unruhe und Verzweiflung unter den Familien. Die jüdische Überlebende Lucie Adelsberger (1895–1971), als Ärztin im „Waisenblock“ des Lagerabschnitts BIIe eingesetzt, erinnerte sich an den Juli 1944 mit den Worten: „Das Herausziehen der Arbeitskräfte aus einem Lager war immer ein böses Omen, zumal wenn, wie hier, die Frauen mit den Kindern zurückblieben.“23Adelsberger, Auschwitz, 109.

Folgt man den Angaben von Pery Broad, soll der Befehl zur Ermordung der nicht arbeitsfähigen Sinti:ze und Rom:nja in der ersten Hälfte des Juli 1944 einem größeren Kreis von Beteiligten bekannt geworden sein. In seinen Erinnerungen von 1945 heißt es: „Man wollte die Zigeuner vernichten, hatte aber in Berlin allem Anschein nach Angst vor der eigenen Courage und zögerte lange mit einer endgültigen Entscheidung. Im Juli 1944 fielen die Würfel. Himmler hatte befohlen, dass alle Arbeitsfähigen in Lagern verbleiben und die übrigen vergast werden sollten.“24KL Auschwitz in den Augen der SS, 186. Bei der Datierung folge ich Setkiewicz, „Zigeunerlager in KL Auschwitz II-Birkenau”, 321, der „Juli 1944“ vor dem Hintergrund der Abfolge der Ereignisse als „erste Hälfte des Juli“ interpretiert.

Am 29. Juli 1944, nach Abschluss der Ermordung der allermeisten Juden:Jüdinnen aus Ungarn und kurz vor den Morden an den Sinti:ze und Rom:nja, ging Höß nach Berlin zurück und übergab die Position des Standortältesten an Richard Baer (1911–1963).25Richard Baer, Standortbefehl Nr. 20/44 vom 29.7.1944, abgedruckt in Frei et al., Standort- und Kommandanturbefehle, 475 f. Georg Bonigut soll am 1. August 1944 ihm bekannte Häftlinge in der „Schreibstube“ des Lagerabschnitts BIIe aufgesucht, sie über die bevorstehende Ermordung der Lagerinsass:innen informiert und angekündigt haben, sich für den nächsten Tag krankzumelden. Die Verantwortung für die Ausführung der Morde des 2. August trugen aufgrund Boniguts Abwesenheit in der Hauptsache SS-Hauptsturmführer Johann Schwarzhuber (1904–1947) als Lagerführer des Männerlagers in Auschwitz-Birkenau sowie SS-Unterscharführer Fritz Buntrock (1909–1948) in Vertretung von Bonigut als Rapportführer des Lagerabschnitts BIIe. Auch der SS-Lagerarzt Josef Mengele (1911–1979) war am 2. August vor Ort und erteilte gegenüber Funktionshäftlingen Befehle, war aber nicht, wie oft behauptet, der Leiter der Mordaktion.26Setkiewicz, „Zigeunerlager in KL Auschwitz II-Birkenau”, 324.

Der 2. August 1944

Zweifelsohne waren sich die im Lagerabschnitt BIIe verbliebenen Sinti:ze und Rom:nja der Todesgefahr bewusst, in der sie schwebten, zumal sie die Ermordung Hunderttausender Juden:Jüdinnen aus der Nähe beobachtet hatten. Die Überlebende Hermine Horvath (1925–1958): „Sehr oft hatten wir Blocksperre. Niemand durfte hinaus oder auch nur hinausschauen. Das war das sicherste Zeichen, dass wieder Tausende in den Tod getrieben wurden. […] Der Gestank von verbranntem Menschenfleisch lag schwer und dauernd in der Luft. Von uns bis zum Krematorium waren es ungefähr 200–300 Meter“.27Hermine Horvath, zit. nach Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, Gedenkbuch, Bd. 2, 1515. Als „alles überschattende Erinnerung“ beschreibt der Überlebende Franz Wirbel (1922–1986) die „ewige Angst vor den vier riesigen Krematorien, die fast immer brannten… und ein jeder fragte sich insgeheim, wer von uns der nächste sein wird.“28Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, Franz Wirbel, 1979, Bl. 16 f., zit. nach Zimmermann, Rassenutopie und Genozid, 342.

Die Lager-SS dürfte gewusst haben, dass bei einem Versuch, die Sinti:ze und Rom:nja zu den Gaskammern zu bringen, mit erbittertem Widerstand zu rechnen sein würde. Dies war der Grund dafür, dass die Verantwortlichen ein in der Geschichte des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau einmaliges Schauspiel inszenierten.29Über das Geschehen am 2. August 1944 gibt es viele Berichte, die allerdings in Details und dem zeitlichen Verlauf stark voneinander abweichen. Im Folgenden, sofern nicht anders angegeben, v.a. nach Setkiewicz, „Zigeunerlager in KL Auschwitz II-Birkenau”, 324–326, der sich auf Zeugnisse von Häftlingen (darunter keine Sinti:ze oder Rom:nja) beruft, die im Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau aufbewahrt werden. Um die Mittagszeit des 2. August – es war ein Mittwoch – fuhr ein leerer Güterzug durch das Haupttor auf die Gleisanlage. Bald darauf führte die SS-Bewachung die Sinti:ze und Rom:nja zu Fuß30Überlebende aus dieser Gruppe erinnern sich dagegen daran, mit dem Zug in das Lager transportiert worden zu sein, etwa Winter, WinterZeit, 70. heran, die im Juli in das Stammlager verlegt worden waren. Getrennt durch den Zaun, gab man ihnen Gelegenheit, sich von den im Lager Verbleibenden zu verabschieden. Diesen gegenüber behauptete die SS, dass auch sie bald in das Lager abtransportiert werden würden, in das man ihre Angehörigen bringen werde.31So beispielsweise Franz Wirbel in Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, Gedenkbuch, Bd. 2, 1540; Schmidt, Gott hat mit mir etwas vorgehabt, 53. Nachdem die Verladung in die Waggons erfolgt war, blieben die Waggontüren noch eine Zeitlang offen. Ungefähr drei Stunden dauerte die Verabschiedung, bis der Zug abfuhr.

Kurz danach wurde der Lagerzaun wieder unter Strom gesetzt und eine Blocksperre verhängt, so dass alle Verbliebenen in die Baracken zurückkehren mussten. Für das gesamte Lager Birkenau wurde zudem eine Lagersperre verhängt.32Setkiewicz and Lachendro, Kalendarz wydarzeń w KL Auschwitz, Bd. 4, 1660. Zuvor waren alle polnischen Ärzte und Pfleger in das Männerlager, die Pflegerinnen in das Frauenlager verlegt worden. Zurück blieben – neben den Sinti:ze und Rom:nja – Funktionshäftlinge sowie jüdische Ärzt:innen und Pfleger:innen.33Adelsberger, Auschwitz, 111. Am frühen Abend drang eine große, bewaffnete Gruppe von SS-Männern in den Lagerabschnitt BIIe ein und ging entlang des Lagerzauns in Stellung. Es folgte eine weitere Gruppe von Bewachern, außerdem fuhren SS-Männer mit Motorrädern und Lastkraftwagen vor. Funktionshäftlinge aus dem Lagerabschnitt und dem benachbarten Männerlager BIId wurden zur Unterstützung herangezogen, um das „Zigeunerlager“ zu „räumen“. Nach dem Abendappell wurden die Fenster und Türen der Baracken von außen vernagelt, damit niemand mehr herauskam.34So der polnische Überlebende Marian Perski, geb. 1920, der in der Kantine des Lagerabschnitts BIIe als Funktionshäftling eingesetzt war. Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz, Aussagen, Bd. 61, 197–200, zit. nach Kapralski et al., Roma in Auschwitz, 89.

Anschließend begann der blockweise Abtransport der Insass:innen, denen ihre ausweglose Situation nunmehr klar vor Augen stehen musste. Es kam zu einer massiven Gegenwehr, wie, neben vielen anderen, auch der polnische politische Häftling Alfred Fiderkiewicz (1886–1972) bezeugte: „Die uns gegenüberliegende Baracke der Zigeuner war verschlossen. Die SS-Männer versuchten, die Tür zu öffnen, aber sie war offensichtlich von innen verbarrikadiert. Die morschen Türbretter wurden mit Stangen herausgebrochen. Sie stürmten in Scharen hinein. Wir hörten Schreie, Schüsse, aber niemand kam heraus. Eine weitere Gruppe von SS-Männern drang in die Baracke ein. Einen Moment später sahen wir, wie zwei junge Zigeunerinnen, die schrecklich schrien, herausgezerrt wurden. Andere stürzten sich auf ihre Peiniger, kratzten sie ins Gesicht. Diese wehrten sich mit ihren Revolverkolben. […] Die SS-Männer zerrten an den Beinen der Kinder, die ein alter Mann zu verteidigen versuchte, doch ein einziger Tritt reichte aus, um den Zigeuner außer Gefecht zu setzen und ihn in den Lastwagen zu zerren… Niemand verließ die Baracke, ohne Widerstand zu leisten. Der Kampf tobte in jeder Baracke. Wir hörten das Geschrei der SS-Männer und die Schreie der Zigeuner. Am heftigsten wehrten sich die Frauen – sie waren jünger und stärker –, sie verteidigten das Leben ihrer Kinder. Der Kampf dauerte bis zum vollständigen Einbruch der Dunkelheit und es gelang den SS-Männern nicht, auch nur einen einzigen ohne Widerstand in die Lastwagen zu treiben.“35Fiderkiewicz, Brzezinka, 273 f. Aus dem Polnischen übersetzt von Sarah Grandke.

Lucie Adelsberger, die sich während der Blocksperre in den Block mit den Infektionskranken geflüchtet hatte, harrte mit anderen jüdischen Ärzten dort aus, bis gegen 23:00 Uhr auch diese Baracke geräumt wurde: „Die Menschen werden aus den Betten gezerrt, wie Bündel gepackt und hinaustransportiert. […] Wir stehen dabei und müssen ohnmächtig zusehen. In wenigen Minuten ist der Block leer. Jedes einzelne Bett wird noch einmal kontrolliert, jede Ecke des Blocks abgeleuchtet. Der Block wird wieder verriegelt und die SS zieht mit ihren Opfern ab.“36Adelsberger, Auschwitz, 113 f.

Die beladenen Lkw fuhren zum Krematorium V,37Setkiewicz and Lachendro, Kalendarz wydarzeń w KL Auschwitz, Bd. 4, 1660. wo die Opfer nach und nach in die Auskleideräume und von dort in die Gaskammer getrieben wurden. Neben Schwarzhuber beaufsichtigten der Kommandant von Birkenau, Josef Kramer (1906–1945), sowie SS-Hauptscharführer Otto Moll (1915–1946), der für alle Krematorien und die dort eingesetzten Häftlinge verantwortlich und für seine Grausamkeit berüchtigt war, zusammen mit weiteren SS-Führern und -Ärzten die Ermordung der Sinti:ze und Rom:nja. Filip Müller (1922–2013), ein slowakischer Jude und einer der wenigen Überlebenden des in dieser Nacht eingesetzten Häftlings-Sonderkommandos,38Zwangsarbeitskommandos bestehend aus jüdischen Häftlingen, die für die Vorbereitung und Durchführung der Morde an den Gaskammern inklusive der Verbrennung der Leichname in Krematorien oder Gruben eingesetzt wurden. In regelmäßigen Abständen wurden diese Häftlinge ermordet und durch andere ersetzt. Von den insgesamt rund 2 200 Häftlingen der Sonderkommandos in Auschwitz-Birkenau überlebten nur etwa 110. erinnerte sich: „Der Auskleideraum war gegen Mitternacht voll von Menschen. Die Unruhe wuchs von Minute zu Minute. […] Von allen Seiten waren verzweifeltes Schreien, Jammern und vorwurfsvolle Anklagen zu hören. […] Woanders riefen die Menschen: ‚Wir wollen leben! Warum wollt ihr uns umbringen?’ […] Aber für Sentimentalitäten war an diesem düsteren Ort kein Platz. Die Vernichtungsaktion nahm ihren gewohnten Lauf. Moll und seine Helfershelfer entsicherten ihre Pistolen und Gewehre und forderten die Menschen, die sich inzwischen ausgezogen hatten, energisch und unmissverständlich auf, den Auskleideraum endlich zu verlassen und in jene drei Räume zu gehen, in denen sie vergast werden sollten.“39Müller, Sonderbehandlung, 242 f. Die Leichname der Ermordeten wurden, da die Krematoriumsöfen zu dieser Zeit nicht in Betrieb waren, in Gruben neben dem Krematorium verbrannt.40Setkiewicz and Lachendro, Kalendarz wydarzeń w KL Auschwitz, Bd. 4, 1660.

Nicht alle Sinti:ze und Rom:nja aus dem Lagerabschnitt BIIe wurden an diesem Abend und in der Nacht in den Gaskammern ermordet. Eine unbekannte Anzahl an Männern, Frauen und Kindern wurde während der „Räumung“ von SS-Leuten wegen ihres Widerstandes gegen den Abtransport erschossen. Marian Perski (1920–unbekannt) bezeugte: „Apparently, as I heard, the Gypsies realized what was going on and attacked the SS men, who used their weapons, because shouts and the sound of gunshots reached our ears.”41Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz, Aussagen, Bd. 61, 197–200, zit. nach Kapralski et al., Roma in Auschwitz, 89.

24 Kinder – es handelte sich um Zwillinge – soll Josef Mengele eigenhändig im Vorraum eines der Krematorien erschossen haben.42Kubica, „Sinti- und Romakinder“, 328. Tadeusz Joachimowski (1908–1979), als polnischer politischer Häftling in der Schreibstube des Lagerabschnitts BIIe tätig gewesen, berichtete, dass Mengele die Zwillingskinder in das Stammlager hatte abtransportieren lassen, wo sie nicht aufgenommen wurden. Die Erschießungen hätten im Krematorium II stattgefunden. Vgl. das in Geigges et al., Zigeuner heute, auf S. 284–288 abgedruckte Protokoll einer Zeugenvernehmung von Tadeusz Joachimowski vor der Bezirkskommission zur Untersuchung der hitleristischen Verbrechen in Krakau, 2. Juli 1968. Joachimowski beruft sich dabei auf den am Krematorium eingesetzt gewesenen Häftling Mieczysław Morawa (1920–1945), der ihm davon erzählt habe. Der Überlebende Miklós Nyiszli (1901–1956) erinnerte hingegen, dass Mengele auf den Oberkörpern der Kinder die Buchstaben „ZS“ für „Zur Sektion“ aufgebracht habe, damit deren Leichname nach dem Erstickungstod in der Gaskammer nicht in den Krematorien verbrannt würden.43Nyiszli, Im Jenseits der Menschlichkeit, 91.

Am Morgen des 3. August durchkämmten SS-Leute den Lagerabschnitt und ermordeten die Kinder, die sich über Nacht versteckt gehalten hatten oder nicht entdeckt worden waren.44Zimmermann, Rassenutopie und Genozid, 343. Lucie Adelsberger wurde, bevor sie an diesem Tag in das Frauenkonzentrationslager zurückversetzt wurde, Augenzeugin von drei weiteren Verbrechen: „Eine Frau, die sich versteckt hatte und nachträglich auftauchte, wurde dem Lagerführer vorgeführt. Zwei Kinder von 3 und 5 Jahren, die in ihre Decken eingemummelt alles überschlafen hatten, kamen, sich an der Hand führend, weinend ob der Verlassenheit aus dem Waisenblock. Sie wurden nachgeliefert.“45Adelsberger, Auschwitz, 114.

Im Jahr 2015 erklärte das Europäische Parlament den 2. August zum Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma.

Notes

  • 1
    Siehe die Berechnungen von Kubica and Setkiewicz, „The Last Stage in the Existence of the Birkenau Zigeunerlager“, 268–270; Setkiewicz, „Zigeunerlager in KL Auschwitz II-Birkenau”, 327 f.
  • 2
    Bezwińska und Czech, KL Auschwitz in den Augen der SS, 185.
  • 3
    Ebd., 63.
  • 4
    Zimmermann, Rassenutopie und Genozid, 297–304; Luchterhandt, Der Weg nach Auschwitz, 235–242. Fings, „A ‚Wannsee Conference’ on the Extermination of the Gypsies?“, 185–187, 193.
  • 5
    Bundesarchiv Berlin, NS 19/180, Bl. 3, Der Chef des SS-Wirtschaftsverwaltungs-Hauptamtes Oswald Pohl an SS-Obersturmbannführer Brandt, Persönlicher Stab des Reichsführer-SS, 9. April 1943.
  • 6
    Vgl. die Statistiken in Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, Gedenkbuch, Bd. 2, 1475 f: 1943 wurden 18.736 Sinti:ze und Rom:nja in dem Lagerabschnitt BIIe registriert, und anhand des – allerdings nicht vollständig entzifferbaren – „Hauptbuches des Zigeunerlagers“ können für 1943 7 359 Verstorbene nachgewiesen werden. Vgl. auch das Schaubild in Setkiewicz, „Zigeunerlager in KL Auschwitz II-Birkenau“, 310.
  • 7
    KL Auschwitz in den Augen der SS, 64 f; Zimmermann, Rassenutopie und Genozid, 340. Höß behauptete dies im Zusammenhang mit einem Besuch Himmlers, der vom 17. bis 18. Juli 1942 stattgefunden hatte – also zu einer Zeit, als die Massendeportationen von Sinti:ze und Rom:nja noch nicht erfolgt waren.
  • 8
    Setkiewicz, „Zigeunerlager in KL Auschwitz II-Birkenau”, 319.
  • 9
    Longerich, Der ungeschriebene Befehl.
  • 10
    Setkiewicz and Lachendro, Kalendarz wydarzeń w KL Auschwitz, Bd. 4, 1492, 1538.
  • 11
    Luchterhandt, Der Weg nach Birkenau, 303. Unwahrscheinlich ist jedoch, dass Höß die Entscheidung über die „Liquidierung“ des Lagers zu dieser Zeit alleine traf, wie Luchterhandt anmerkt. Höß hielt sich im April 1944 noch in Berlin auf.
  • 12
    Das „Zentralamt“ war für die „Behandlung der Häftlinge“ in den Konzentrationslagern verantwortlich, was allgemeine Vorschriften für Häftlinge und Wachmannschaften sowie Strafverfügungen gegenüber den Häftlingen umfasste, aber auch die Koordination aller Einzel- und Massenmordaktionen in den Konzentrationslagern. Vgl. Tuchel, Die Inspektion der Konzentrationslager, 94.
  • 13
    Arthur Liebehenschel, Standortbefehl Nr. 14/44 vom 8.5.1944, abgedruckt in Frei et al., Standort- und Kommandanturbefehle, 445 f.
  • 14
    Setkiewicz, „Zigeunerlager in KL Auschwitz II-Birkenau”, 251–254.
  • 15
    Piper, „‚Familienlager‘“, 298.
  • 16
    Setkiewicz and Lachendro, Kalendarz wydarzeń w KL Auschwitz, Bd. 4, 1576.
  • 17
    Harvard Law School Library, Nuremberg Trails Project, Item No. 1181, NO-179, Ernst Grawitz, Letter to Heinrich Himmler concerning the seawater experiments, 28 June 1944.
  • 18
    Zimmermann, Rassenutopie und Genozid, 341.
  • 19
    SS-Unterscharführer Bonigut war von April bis Anfang August 1944 Lagerführer des Lagerabschnitts BIIe, womit ihm die Wachmannschaften unterstanden.
  • 20
    Luchterhandt, Der Weg nach Birkenau, 300 f., zitiert die Überlebende Hilli Weiß (1918–unbekannt), die in der Schreibstube von Lagerabschnitt BIIe arbeitete. Weiß datierte diese Anweisung auf Mitte Mai 1944.
  • 21
    Ebd.
  • 22
    Setkiewicz, „Zigeunerlager in KL Auschwitz II-Birkenau”, 321–23.
  • 23
    Adelsberger, Auschwitz, 109.
  • 24
    KL Auschwitz in den Augen der SS, 186. Bei der Datierung folge ich Setkiewicz, „Zigeunerlager in KL Auschwitz II-Birkenau”, 321, der „Juli 1944“ vor dem Hintergrund der Abfolge der Ereignisse als „erste Hälfte des Juli“ interpretiert.
  • 25
    Richard Baer, Standortbefehl Nr. 20/44 vom 29.7.1944, abgedruckt in Frei et al., Standort- und Kommandanturbefehle, 475 f.
  • 26
    Setkiewicz, „Zigeunerlager in KL Auschwitz II-Birkenau”, 324.
  • 27
    Hermine Horvath, zit. nach Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, Gedenkbuch, Bd. 2, 1515.
  • 28
    Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, Franz Wirbel, 1979, Bl. 16 f., zit. nach Zimmermann, Rassenutopie und Genozid, 342.
  • 29
    Über das Geschehen am 2. August 1944 gibt es viele Berichte, die allerdings in Details und dem zeitlichen Verlauf stark voneinander abweichen. Im Folgenden, sofern nicht anders angegeben, v.a. nach Setkiewicz, „Zigeunerlager in KL Auschwitz II-Birkenau”, 324–326, der sich auf Zeugnisse von Häftlingen (darunter keine Sinti:ze oder Rom:nja) beruft, die im Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau aufbewahrt werden.
  • 30
    Überlebende aus dieser Gruppe erinnern sich dagegen daran, mit dem Zug in das Lager transportiert worden zu sein, etwa Winter, WinterZeit, 70.
  • 31
    So beispielsweise Franz Wirbel in Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, Gedenkbuch, Bd. 2, 1540; Schmidt, Gott hat mit mir etwas vorgehabt, 53.
  • 32
    Setkiewicz and Lachendro, Kalendarz wydarzeń w KL Auschwitz, Bd. 4, 1660.
  • 33
    Adelsberger, Auschwitz, 111.
  • 34
    So der polnische Überlebende Marian Perski, geb. 1920, der in der Kantine des Lagerabschnitts BIIe als Funktionshäftling eingesetzt war. Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz, Aussagen, Bd. 61, 197–200, zit. nach Kapralski et al., Roma in Auschwitz, 89.
  • 35
    Fiderkiewicz, Brzezinka, 273 f. Aus dem Polnischen übersetzt von Sarah Grandke.
  • 36
    Adelsberger, Auschwitz, 113 f.
  • 37
    Setkiewicz and Lachendro, Kalendarz wydarzeń w KL Auschwitz, Bd. 4, 1660.
  • 38
    Zwangsarbeitskommandos bestehend aus jüdischen Häftlingen, die für die Vorbereitung und Durchführung der Morde an den Gaskammern inklusive der Verbrennung der Leichname in Krematorien oder Gruben eingesetzt wurden. In regelmäßigen Abständen wurden diese Häftlinge ermordet und durch andere ersetzt. Von den insgesamt rund 2 200 Häftlingen der Sonderkommandos in Auschwitz-Birkenau überlebten nur etwa 110.
  • 39
    Müller, Sonderbehandlung, 242 f.
  • 40
    Setkiewicz and Lachendro, Kalendarz wydarzeń w KL Auschwitz, Bd. 4, 1660.
  • 41
    Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz, Aussagen, Bd. 61, 197–200, zit. nach Kapralski et al., Roma in Auschwitz, 89.
  • 42
    Kubica, „Sinti- und Romakinder“, 328. Tadeusz Joachimowski (1908–1979), als polnischer politischer Häftling in der Schreibstube des Lagerabschnitts BIIe tätig gewesen, berichtete, dass Mengele die Zwillingskinder in das Stammlager hatte abtransportieren lassen, wo sie nicht aufgenommen wurden. Die Erschießungen hätten im Krematorium II stattgefunden. Vgl. das in Geigges et al., Zigeuner heute, auf S. 284–288 abgedruckte Protokoll einer Zeugenvernehmung von Tadeusz Joachimowski vor der Bezirkskommission zur Untersuchung der hitleristischen Verbrechen in Krakau, 2. Juli 1968. Joachimowski beruft sich dabei auf den am Krematorium eingesetzt gewesenen Häftling Mieczysław Morawa (1920–1945), der ihm davon erzählt habe.
  • 43
    Nyiszli, Im Jenseits der Menschlichkeit, 91.
  • 44
    Zimmermann, Rassenutopie und Genozid, 343.
  • 45
    Adelsberger, Auschwitz, 114.

Citation

Karola Fings: Auschwitz-Birkenau (2. August 1944), in: Encyclopaedia of the Nazi Genocide of the Sinti and Roma in Europe. Ed. by Karola Fings, Research Centre on Antigypsyism at Heidelberg University, Heidelberg 27 July 2026.-

1942
16 December 1942‘Auschwitz Decree’: Heinrich Himmler, head of the Schutzstaffel (‘Reichsführer-SS’), the Reich Security Main Office and the SS Main Economic and Administrative Office, orders the deportation of Sinti and Roma from the German Reich to Auschwitz-Birkenau concentration and extermination camp (German-annexed Poland).
1943
26 February 1943The first Sinti and Roma are deported to the Auschwitz-Birkenau concentration and extermination camp (German-annexed Poland) in Camp Section BIIe on the basis of the ‘Auschwitz Decree’. From 1 March 1943, further deportation trains with Sinti and Roma arrive almost daily. By the end of the month, 12,259 men, women and children are already registered in the ‘General ledger of the Gypsy camp’.
25 May 1943On 25 or 26 May, 507 Sinti and Roma men and 528 Sinti and Roma women from Camp Section BIIe are selected at the Auschwitz-Birkenau concentration and extermination camp (German-annexed Poland) and murdered in the gas chambers. The victims are predominantly Polish Roma who were brought in from Bialystok (German-occupied, de facto annexed Poland) on 12 May, and 76 Roma from Austria.
12 September 1943On 12 or 13 September, 1,715 Roma are murdered in the gas chambers at the Auschwitz-Birkenau concentration and extermination camp (German-annexed Poland). They are Polish Roma who had been deported from Bialystok (German-occupied, de facto annexed Poland) and were presumably admitted to quarantine in Camp Section BIIb at the end of May or in June 1943 due to cases of typhus, without prior registration.
1944
15 April 1944884 Sinti and Roma, men and boys, are transferred from the Auschwitz-Birkenau concentration and extermination camp (German-annexed Poland) to Buchenwald concentration camp, Germany. One prisoner dies during the transport or manages to escape, as 883 are registered in Buchenwald.
15 April 1944534 Sinti and Roma, women and girls, are transferred from Auschwitz-Birkenau concentration and extermination camp (German-annexed Poland) to Ravensbrück concentration camp in Germany.
16 May 1944In the Auschwitz-Birkenau concentration and extermination camp (German-annexed Poland), a prolonged Blocksperre’ [block lockdown] is ordered for the first time for all camp sections. All prisoners are forbidden to leave their quarters. The reason for the camp lockdown is the arrival of the first deportation trains carrying Jews from Hungary, the majority of whom are murdered in the gas chambers immediately after their arrival. Checks are carried out in camp section BIIe. There is no evidence that the murder of the Sinti and Roma prisoners held there was planned on that day.
24 May 1944161 Sinti and Roma, women and girls, are transported from Auschwitz-Birkenau concentration and extermination camp (German-annexed Poland) to Ravensbrück concentration camp in Germany.
2 – 3 August 1944On the evening of 2 August, at the Auschwitz-Birkenau concentration and extermination camp (German-annexed Poland), the approximately 4,300 Sinti and Roma remaining in Camp Section BIIe are murdered in Crematorium V. On the morning of 3 August, the SS murders those who had managed to hide.
2 August 1944919 Sinti and Roma, men and boys, are transferred from Auschwitz-Birkenau concentration and extermination camp (German-annexed Poland) to Buchenwald concentration camp in Germany. 918 are registered in Buchenwald on 3 August. Josef Freiwald escapes while the train is near Weimar, but is recaptured and taken into custody in Buchenwald on 6 September 1944.
2 August 1944535 Sinti and Roma, women and girls, together with 490 men and boys, are transferred from Auschwitz-Birkenau concentration and extermination camp (German-annexed Poland) to Ravensbrück concentration camp in Germany.
2001
2 August 2001A permanent exhibition on the Nazi genocide of the Sinti and Roma opens in Block 13 of the former Auschwitz main camp at the Auschwitz-Birkenau State Museum in Oświęcim, Poland. It was developed on the initiative and under the leadership of the Documentation and Cultural Centre of German Sinti and Roma in Heidelberg, Germany, in close cooperation with the Auschwitz-Birkenau State Museum, the Association of Roma in Poland, the Cultural Association of Austrian Roma, the Museum of Roma Culture in Brno, Czech Republic, and other Roma organisations from the Netherlands, Serbia, Ukraine and Hungary.
2015
15 April 2015On the occasion of International Roma Day (8 April), the European Parliament decides to establish a European day of remembrance for the victims of the genocide of the Sinti and Roma. This day of remembrance is to be called European Holocaust Remembrance Day for Sinti and Roma. Since then, many countries have commemorated the victims of the Sinti and Roma on 2 August.