Rudolf Daniel, geboren am 20. April 1911 in Oslavany, Bezirk Brno-venkov, Tschechoslowakei, stammte aus einer mährischen Familie, die ihren Lebensunterhalt mit dem Handel von Pferden verdiente. Rudolf Daniel war das einzige Kind von Tomáš Daniel (1890–1935) und seiner Frau Apolonie, geb. Malík (1890–1981). Rudolf Daniel besuchte die Grundschule in Oslavany und in Rousínov (Bezirk Vyškov), wo er auch das Gymnasium absolvierte. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte er mit seiner Mutter und anderen Verwandten in Hrušovany u Brna (Bezirk Brno-venkov).
Deportation und Überleben
Von August 1940 bis Februar 1941 war Rudolf Daniel im Arbeitsstraflager in Hodonín bei Kunštát inhaftiert. Als dort das „Zigeunerlager“ eingerichtet wurde, war Rudolf Daniel ab dem 4. August 1942 mit einigen Verwandten dort eingesperrt, wurde aber nach weniger als einem Monat wieder entlassen. Ein Jahr später wurde er erneut in das Lager verschleppt und schließlich mit einem Massentransport von Rom:nja und Sinti:ze in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert, wo er am 19. Oktober 1943 registriert wurde. Am 15. April 1944 wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt und gelangte von dort nach Mittelbau-Dora und schließlich nach Bergen-Belsen. Die Inhaftierung in den Konzentrationslagern verursachte bei ihm dauerhafte gesundheitliche Probleme.
Bürgerrechtsbewegungen
Nach dem Krieg kehrte Rudolf Daniel nach Hrušovany u Brna zurück und ließ sich in den 1950er-Jahren in Brno [Brünn] nieder. Zu dieser Zeit beteiligte er sich aktiv an der Bürgerrechtsbewegung der Rom:nja und an Kampagnen zum Empowerment von Rom:nja und Sinti:ze. Zusammen mit Antonín Daniel (1913–1996), einem ebenfalls aus Oslavany stammenden Pädagogen und Aktivisten, und Tomáš Holomek (1911–1988) gehörte er zu den aus der Community stammenden Beratern des Regionalen Nationalkomitees in Brno für Maßnahmen, die auf die Stärkung von Rom:nja und Sinti:ze abzielen sollten.
Zusammen mit Anna Danielová (1921–1999) und dem Geigenvirtuosen Rudolf Daniel (1919–1968), die beide ebenfalls aus Oslavany stammten, gehörte Rudolf Daniel zudem zu einer Gruppe von Aktivist:innen aus Brno, die am 24. Juni 1950 das „Provisorische Regionalkomitee der Zigeuner“ gründeten und erfolglos versuchten, eine in der gesamten Tschechoslowakei tätige Selbstorganisation von Rom:nja und Sinti:ze aufzubauen.
Ende der 1960er-Jahre, als der Staat die Gründung des tschechischen Verbandes der Zigeuner-Roma (1969 bis 1973) zuließ, war Rudolf Daniel eines seiner Gründungsmitglieder und hatte als Vorsitzender des kommunalen Vorbereitungskomitees des Verbandes in Brno und Direktor des Produktionskollektivs Névodrom des Verbandes in Brno (1970–1971) eine bedeutende Rolle innerhalb der Organisation inne.
Gedenken und Anerkennung
Wichtig war auch sein Einsatz für das Gedenken an die nationalsozialistische Verfolgung der Rom:nja und Sinti:ze. Zusammen mit Anna Danielová, Tomáš Holomek und anderen war er Mitglied der Kommission ehemaliger KZ-Häftlinge innerhalb der Verbände der Zigeuner-Roma, die sich für das öffentliche Gedenken und die Anerkennung der Opfer des Genozids einsetzte.
Rudolf Daniel ist der Autor eines wichtigen unveröffentlichten Manuskripts, des Buches „Housle a kůň“ [„Die Geige und das Pferd“, Sammlung des Museums der Roma-Kultur in Brno], das er Anfang der 1950er-Jahre fertigstellte. In diesem Werk fasste er neben persönlichen Erinnerungen auch wertvolle Daten über die Berufskultur, die Lebensweise und die tragische Geschichte der südmährischen Rom:nja während des Zweiten Weltkrieges zusammen. Er starb am 20. Dezember 1978 in Brno.




