Anna Danielová wurde am 21. April 1921 in Oslavany, Bezirk Brno-venkov, einem Dorf in Südmähren, Tschechoslowakei, geboren, wo Rom:nja nachweislich seit Ende des 18. Jahrhunderts lebten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand dort nach und nach eine romani Siedlung, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den größten und am besten etablierten romani Gemeinschaften Mährens zählte.
Die Eltern von Anna Danielová bauten in den 1930er-Jahren eines der ersten Ziegelhäuser in Oslavany. Vater Josef Daniel (1890–1937) war als Arbeiter im örtlichen Kraftwerk beschäftigt, Mutter Amálie Danielová (1892–1979) arbeitete in einer Zuckerfabrik und war nach dem Tod ihres Mannes als Händlerin tätig. Die Eltern sorgten für eine gute Ausbildung aller ihrer Kinder und ermöglichten den beiden Begabtesten, eine höhere Bildung zu durchlaufen.
Anna Danielová besuchte die Volksschule und die Mittelschule in Oslavany und anschließend von 1938 bis 1941 die Wirtschaftsakademie in Brno [Brünn]. Damit war sie die erste nachweislich bekannte Romni in Mähren, die das Gymnasium abgeschlossen hatte. Weitere erfolgreiche Rom:nja aus Oslavany waren beispielsweise Anna Danielovás Bruder Antonín Daniel (1913–1996), Lehrer und Aktivist, Rudolf Daniel (1911–1978), Aktivist und Politiker, und Rudolf Daniel (1919–1968), Absolvent des Konservatoriums in Brno und Geigenvirtuose.
Während der deutschen Besatzung
Der deutsche Einmarsch und die Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren hatten Auswirkungen auf das Studium und die Erwerbstätigkeit von Anna Danielová sowie ihres Bruders Antonín. Anna Danielová musste im Rahmen des „Totaleinsatzes“ bei der Firma Davia in Brno arbeiten. Anschließend war sie als Verwaltungsangestellte beim Landratsamt in Brno beschäftigt. Ihr älterer Bruder Antonín Daniel wollte nach dem Abitur Englisch und Französisch an der Universität Brno studieren, doch die von den Besatzern im November 1939 erzwungene Schließung aller tschechischen Universitäten machte dies unmöglich. Im Rahmen des „Totaleinsatzes“ wurde er in der Kriegswirtschaft in verschiedenen Fabriken eingesetzt. Erst nach Kriegsende konnte er sein Studium der Sonderpädagogik an der Pädagogischen Fakultät der Universität Olomouc abschließen und eine Laufbahn als Lehrer einschlagen.
Der nationalsozialistische Völkermord traf die meisten der mehr als 100 Einwohner:innen der romani Siedlung in Oslavany. Die Deportationen in das Konzentrations– und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau auf der Grundlage des Auschwitz-Erlasses im Frühjahr 1943 hätten auch Anna Danielová treffen sollen. Ihre Mutter, Amálie Danielová, wurde jedoch im letzten Moment aus dem Transport vom 7. Mai 1943 herausgenommen – gemeinsam mit ihren Kindern (darunter Anna und ihr Bruder Antonín) sowie den Kindern von drei Verwandten. Sie alle konnten gerettet werden und überlebten. Zeugenaussagen zufolge dürfte der höhere soziale Status von Amálie Danielová und ihrer Familie dabei eine Rolle gespielt haben: Sie war Witwe eines Mannes, der lange Zeit im Kraftwerk beschäftigt war, und einige ihrer Kinder hatten eine Ausbildung erhalten.
Bürgerrechtsbewegungen
Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Anna Danielová als Sekretärin für die Landesregierung in Brno und später für die Stadtverwaltung von Brno. Gemeinsam mit Rudolf Daniel und anderen romani Aktivist:innen war sie im Juni 1950 an der Gründung des „Provisorischen Regionalkomitees der Zigeuner“ in Brno beteiligt und engagierte sich in den Bemühungen, eine romani Selbstorganisation für die gesamte Tschechoslowakei zu gründen. Diese Bemühungen waren erst Ende der 1960er-Jahre erfolgreich, als sie zusammen mit Antonín Daniel, Tomáš Holomek (1911–1988) und anderen den tschechischen Verband der Zigeuner-Roma gründete, der von 1969 bis 1973 bestand.
Anna Danielová war während des gesamten Bestehens der Verbände aktiv und spielte dort insbesondere eine sehr bedeutende Rolle in der Kommission der ehemaligen KZ-Häftlinge. Diese setzte sich für die Entschädigung der Überlebenden des nationalsozialistischen Völkermordes an den Rom:nja und Sinti:ze ein. Anna Danielová verstarb am 24. April 1999 in Oslavany.




