Nordmazedonien

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Nordmazedonien
  • Version 1.0
  • Publikationsdatum 19. April 2026

Auf dem Gebiet Nordmazedoniens bildeten sich bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. erste staatliche Strukturen heraus. Seit dem Mittelalter gehörte es zum Herrschaftsgebiet unterschiedlicher Imperien und Staaten (Byzanz, BulgarienSerbien, Osmanisches Reich, Jugoslawien). 1991 wurde die unabhängige Republik Mazedonien gegründet, die sich 2019 in Nordmazedonien umbenannte. Während des Zweiten Weltkrieges waren Rom:nja auf dem Gebiet vor allem von Deportationen zum Zwecke der Zwangsarbeit betroffen; viele kämpften als Partisan:innen gegen die bulgarische und deutsche Besatzung sowie gegen albanische Ballisti (Kräfte der nationalistischen und antikommunistischen Bewegung Balli Kombëtar).

Rom:nja in Vardar-Mazedonien

Rom:nja siedelten ab dem 14. Jahrhundert auf dem Gebiet von Vardar-Mazedonien (dem heutigen Nordmazedonien), nach dem sie im Zuge des Vormarsches der osmanischen Armee auf die Balkanhalbinsel nach Südosteuropa gelangt waren. Ab dem 16. Jahrhundert lebten viele Rom:nja in Stadtgebieten und verdienten ihren Lebensunterhalt meist als Schmiede und Musiker:innen sowie mit der Herstellung von Waffen. Viele Untergruppen der Rom:nja wurden nach ihren Berufen bezeichnet, so beispielsweise die „Kanonenbauer“ (Topaanlii) oder die „Schießpulvermacher“ (Barutčii). Die Minderheit der Rom:nja gehörte zu denjenigen Bevölkerungsgruppen des Osmanischen Reiches, die gegenüber den Behörden besondere steuerliche und anderweitige Verpflichtungen hatten. Muslimische Rom:nja mussten jedoch weniger Steuern zahlen als christliche Rom:nja.1Crowe, A History, 195–198. Nach den Balkankriegen (1912–1913) wurde Vardar-Mazedonien Teil Serbiens.

Während des Ersten Weltkrieges wurde das Gebiet Nordmazedoniens von Bulgarien besetzt. Die lokale Bevölkerung, darunter auch Roma, wurden von den Besatzungsbehörden für den Militärdienst in der bulgarischen Armee mobilisiert. Die mazedonischen Rekruten erhielten die gleichen Rechte wie bulgarische Soldaten, so beispielsweise eine finanzielle Unterstützung für die Familien der mobilisierten Männer. Dennoch versuchten die meisten Einheimischen, sich der Wehrpflicht zu entziehen. Viele desertierten, vor allem in der Endphase des Krieges.2Opfer, Im Schatten des Krieges, 74 f.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Vardar-Mazedonien Teil des neu gegründeten jugoslawischen Staates (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, ab 1929 Königreich Jugoslawien) und ging in der Banschaft Vardar mit Verwaltungszentrum in Skopje [Albanisch: Shkup] auf, die auch Teile des heutigen Kosovo und Serbiens umfasste. Von den 44 Bezirken der Banschaft lagen 30 auf dem Gebiet Vardar-Mazedoniens.

Laut der letzten Volkszählung vor dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1931 lebten 24 494 Rom:nja in der Banschaft Vardar, was etwa 35 Prozent der gesamten romani Bevölkerung im Königreich Jugoslawien (70 424 Rom:nja) entsprach. Die Gesamtzahl der Rom:nja in den mazedonischen Bezirken der Banschaft Vardar betrug 10 546, von denen die überwiegende Mehrheit Muslim:innen waren (10 112 oder 95,9 Prozent), während 431 dem orthodoxen und nur drei dem römisch-katholischen Glauben angehörten. Bei weitem am dichtesten besiedelt war der Bezirk Skopje mit 4 204 registrierten Rom:nja, gefolgt von Žegligovo [Albanisch: Zegligovë] (1 924), Prilep [Albanisch: Përlepi] (946) und Šar Planina [Albanisch: Malet e Sharrit] (709).3Publikationsstelle Wien, Die Gliederung, 10, 18, 307–351.

Bulgarische und deutsche Besatzung, 1941–1944

Im April 1941 gelang es den Achsenmächten unter Führung des nationalsozialistischen Deutschlands, die Armee des Königreichs Jugoslawien zur raschen militärischen Kapitulation zu zwingen. Der größte Teil des heutigen Nordmazedonien wurde von Bulgarien besetzt, während Teile der westlichen Regionen zwischen Tetovo [Albanisch: Tetova] und Struga an Albanien fielen, das unter der Kontrolle Italiens stand. Um wichtige Transportwege und Eisenbahnlinien zu sichern, waren auch einige Wehrmachteinheiten auf dem Gebiet stationiert.

Eine Besonderheit der bulgarischen Besatzungszone im Vergleich zu anderen Teilen des besetzten Balkans bestand darin, dass Tausende Roma als Soldaten in der bulgarischen Armee dienten und sogar einzelne bulgarische Rom:nja in der Besatzungsverwaltung tätig waren.4Krustev und Ivanova, Gypsies on the Roads of War, 288–324; Ivanova und Krastev, „Holocaust“, 218 f. Ab September 1944 wurde das Gebiet des heutigen Nordmazedoniens vollständig von der Wehrmacht besetzt, nachdem sich Bulgarien von Deutschland distanziert hatte und kurz darauf selbst von der Sowjetunion besetzt wurde. Antifaschistische Partisan:innen, Einheiten der bulgarischen Armee und der Roten Armee übernahmen Ende 1944 die Kontrolle über das Territorium. Nach dem Krieg wurde die Republik Mazedonien Teil der Sozialistischen Föderativen Volksrepublik Jugoslawien.

Nach einer bulgarischen Schätzung auf der Grundlage von Zivilregistern aus dem Jahr 1941 lebten im bulgarisch besetzten Teil Vardar-Mazedoniens etwa 1 073 000 Einwohner:innen, darunter überwiegend so benannte „Bulgar:innen“ (slawische Mazedonier:innen) und Serb:innen, gefolgt von 185 457 Muslim:innen, 8 000 Juden:Jüdinnen und 5 000 Aromun:innen. Rom:nja wurden in der Erfassung zusammen mit Türk:innen, Albaner:innen und anderen Minderheiten auf Grundlage ihrer Religionszugehörigkeit als Muslim:innen kategorisiert; ihre genaue Anzahl wurde nicht angegeben.

Am 14. Mai 1941 verkündete die bulgarische Regierung offiziell die Annexion der von Bulgarien besetzten Gebiete, die jedoch von Deutschland nicht anerkannt, sondern lediglich vorläufig geduldet wurde. Vardar-Mazedonien wurde in die beiden Oblaste Skopje und Bitola aufgeteilt. Mit der Einführung dieses Verwaltungssystems galt in Mazedonien bulgarisches Recht. Dies hatte unmittelbare Auswirkungen auf die jüdische Bevölkerung, die nun dem bulgarischen „Gesetz zum Schutz der Nation“ unterlag. Dieses enthielt einen explizit antijüdischen Abschnitt, der sich an den Nürnberger Gesetzen orientierte.

Die daraus resultierende wirtschaftliche und soziale Ausgrenzung erreichte 1942 mit der Einrichtung des „Kommissariats für jüdische Angelegenheiten“ [Komisarstvo po evrejskite văprosi], das aus jüdischem Vermögen finanziert wurde, einen ersten Höhepunkt. Juden:Jüdinnen standen unter polizeilicher Überwachung, mussten gelbe Abzeichen tragen und Zwangsarbeit beim Straßen- und Eisenbahnbau leisten. Auf Drängen des Deutschen Reiches stimmte die bulgarische Regierung schließlich im Februar 1943 der Deportation der mazedonischen Juden:Jüdinnen zu. Am 11. März 1943 verhafteten bulgarische Soldaten und Polizisten die jüdische Bevölkerung Mazedoniens und internierten sie in Skopje. Dort wurden 165 von ihnen, Fachkräfte und ausländische Staatsbürger:innen, ausgewählt und freigelassen. Die übrigen 7 148 Juden:Jüdinnen, darunter über 2 000 Kinder unter 16 Jahren, wurden zwischen dem 22. und 29. März 1943 in drei von Deutschland organisierten und durchgeführten Transporten mit dem Zug nach Treblinka deportiert und dort ermordet. Das zurückbleibende jüdische Eigentum wurde vom bulgarischen Staat enteignet.5Opfer, Im Schatten des Krieges, 211 f., 263, 273–281; Kolonomos und Veskoviḱ-Vangeli, Evreite vo Makedonija, Bd. I, 17–70; Matkovski, A History of the Jews, 108–182; Vesković-Vangeli, „Treblinka“, 3–41.

Anders als in anderen Besatzungsregimen in Europa fand die bulgarische antijüdische Gesetzgebung keine Anwendung auf Rom:nja. Diese wurden in diesem Zusammenhang lediglich einmal erwähnt: In Artikel 24 des Beschlusses Nr. 4567 des bulgarischen Ministerrats vom 27. August 1942 wurde das bestehende Eheverbot zwischen Juden:Jüdinnen und Bulgar:innen bestätigt und auf Ehen zwischen Rom:nja und Bulgar:innen ausgeweitet.

In der Praxis waren mazedonische Rom:nja dennoch auf lokaler Ebene Diskriminierungen ausgesetzt. So zwangen die bulgarischen Besatzungsbehörden im April und Mai 1941 Gruppen von Juden:Jüdinnen und Rom:nja, die durch deutsche Bombenangriffe während des Aprilkrieges verursachten Trümmer in der Stadt Štip zu beseitigen. Obwohl es offizielle Verbote nur in Bezug auf die jüdische Bevölkerung gab, hingen an einigen Geschäften, Apotheken, Restaurants und Cafés in Skopje diskriminierende Schilder, dass „Juden, Zigeunern und Hunden“ der Zutritt untersagt sei. In Bitola fügte ein Anwalt dieser Liste unerwünschter Personen am Eingang seiner Kanzlei noch Griech:innen und Walach:innen hinzu.6Beschluss Nr. 4567 des bulgarischen Ministerrats über die Bildung des Kommissariats für jüdische Angelegenheiten und Änderungen des Gesetzes zum Schutz der Nation, Sofia, 27. August 1942. Abgedruckt in Vesković-Vangeli, „Treblinka“, 63–82, hier 70 f.; Saliu, „Genocidot“, 40; Kolonomos und Veskoviḱ-Vangeli, Evreite vo Makedonija, Bd. I, 18; Jüdische Religionsgemeinschaft von Bitola an das Ministerium für den Schutz des Volkes bezüglich Zeugenaussagen gegen Personen, die Massenverbrechen gegen Juden organisiert oder begangen hatten, Bitola, 1. März 1945. Abgedruckt in Vesković-Vangeli, „Treblinka“, 374–400, hier 380 und 396.

Im Herbst 1941 führten die bulgarischen Behörden in Mazedonien eine obligatorische Militärdienstpflicht für Männer im Alter von 18 bis 45 Jahren ein, die jedoch in der Praxis nur teilweise umgesetzt wurde: Lediglich ein kleiner Teil der Mobilisierten wurde den Streitkräften zugewiesen, während die übrigen mehrere Monate Arbeitsdienst leisten mussten, der häufig mit einer Entsendung nach Altbulgarien verbunden war. Die sogenannten Arbeitsbataillone, die aus mehreren Arbeitsgruppen bestanden, wurden hauptsächlich beim Bau von Straßen, Eisenbahnlinien und Befestigungsanlagen eingesetzt. Auffällig ist, dass Angehörige ethnischer Minderheiten in den Arbeitsbataillonen überproportional vertreten waren, was auf eine gezielte Politik der lokalen Behörden hindeutet.7Opfer, Im Schatten des Krieges, 306; Stojčev, Bugarskiot okupaciski sistem, 191–195.

Auch wenn es ab 1941 einzelne mazedonische Roma unter den regulären Soldaten der bulgarischen Armee gab, wurde die überwiegende Mehrheit den Arbeitsbataillonen zugewiesen, meist zusammen mit Angehörigen der türkischen und albanischen Minderheit. Ab 1943 wurden Roma, die zuvor nicht mobilisiert worden waren, zunehmend für andere Formen der Zwangsarbeit, beispielsweise als Erntehelfer, eingesetzt.8Krustev und Ivanova, Gypsies on the Roads of War, 292, 302 f., 318 f.; Opfer, Im Schatten des Krieges, 281 f.

Was direkte staatliche Gewalt betrifft, so führten die bulgarischen Besatzungsbehörden mehrere Antipartisanenoperationen durch und verhängten Repressalien; eine gezielte Verfolgungspolitik gegenüber Rom:nja betrieben sie jedoch nicht. Nach dem gegenwärtigen Forschungsstand gab es auch keine Versuche von deutscher Seite, die bulgarische Regierung zur Auslieferung von Rom:nja zu drängen. Die einzige Ausnahme von dieser Regel betraf nicht die lokalen mazedonischen Rom:nja, sondern mehrere aus deutschen Sinti:ze bestehende Artistenfamilien, die aus dem nationalsozialistischen Deutschland geflohen waren und sich in der Zirkusgruppe um Karl Blum (1885–1972) zusammengeschlossen hatten. Nach einer mehrmonatigen Flucht durch den Balkan wurden die 34 Sinti:ze, darunter 16 Kinder, von der bulgarischen Polizei in Skopje festgenommen und im Januar 1943 an die deutschen Behörden übergeben. Diese deportierten sie über die Lager Crveni Krst in Niš und Banjica in Belgrad in das Konzentrations– und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.9Ristović, „Karl Blum’s long journey“, 13–37.

Die vergleichsweise geringen Opferzahlen von Rom:nja in Gebieten unter bulgarischer Besatzung sind auch aus den Ergebnissen von Volkszählungen für die Stadt Skopje aus dem März 1944 ersichtlich, laut denen Rom:nja die drittgrößte ethnische Gruppe bildeten. Diesen Statistiken zufolge waren von den 68 049 Einwohner:innen Skopjes 43 898 Bulgar:innen (einschließlich slawischer Mazedonier:innen), 12 509 Türk:innen, 5 026 Rom:nja und 3 670 Albaner:innen, gefolgt von 18 weiteren Nationalitäten.10Der zivile Sektor der Direktion der Oblast Skopje an den Präsidenten der Handelskammer der Oblast Skopje bezüglich der Gesamtzahl der Einwohner der Stadt Skopje nach Nationalität, Skopje, 11. März 1944. Abgedruckt in Kolonomos und Veskoviḱ-Vangeli, Evreite vo Makedonija, Bd. II, 1096 f. Im Vergleich zur Vorkriegszeit war die Zahl der Rom:nja demnach sogar angestiegen, was durch Zuwanderung und das Eintreffen von Flüchtlingen verursacht worden sein könnte.

Es ist wahrscheinlich, dass einige mazedonische Rom:nja in der Endphase des Krieges unter den Opfern deutscher Antipartisanenoperationen und Vergeltungsmaßnahmen waren. Mindestens ein Vorfall dieser Art ist aus dem östlichen Teil des Bezirks Skopje bekannt: Die deutschen Kampfgruppen „Siefken“ und „Bruns“ wurde auf ihrem Rückzug aus Griechenland Anfang Oktober 1944 in der Bergregion Maleševo von Partisan:innen der Volksbefreiungsarmee angegriffen. Am 3. Oktober 1944 erschossen Angehörige der Kampfgruppe „Bruns“ als Vergeltungsmaßnahme etwa 50 einheimische Zivilist:innen – unter ihnen auch Rom:nja –, davon 40 in der Stadt Berovo [Albanisch: Berova]. Vier der romani Opfer konnten bisher namentlich identifiziert werden, ihre biografischen Daten sind jedoch unbekannt: Muto Demirovski, Šukro Kamilovski, Kjazim Kunde und Ramadan Mustafov.11Trajkovski, „Odmazdnički akcii“, 173; Privates Archiv von Daniel Petrovski, Aussage von Urmeta Arifovska, interviewt von Daniel Petrovski in Berovo, 17. Oktober 2022.

Die Staatliche Kommission zur Feststellung von Verbrechen der Besatzer und ihrer Helfer sammelte zwar Zeugenaussagen zu Verbrechen an Rom:nja, es gibt jedoch keine offiziellen Angaben über die Gesamtzahl von Rom:nja unter den Opfern auf mazedonischem Gebiet während des Zweiten Weltkrieges. In den seltenen Fällen, in denen mazedonische Rom:nja in offiziellen jugoslawischen Statistiken über zivile Opfer der bulgarischen und deutschen Besatzung Erwähnung finden, werden sie zusammen mit anderen muslimischen Minderheiten aufgeführt. Für die Stadt Skopje wurden beispielsweise „16 Albaner, Türken, Zigeuner und Mazedonier, die dem Islam angehören“ [Albanci, Turci, Cigani i Makedonci što mu pripaǵaa na islamot] unter der Gesamtzahl von 184 nicht-jüdischen „Opfern des faschistischen Terrors“ [žrtvi na fašističkiot teror] identifiziert.12Kralevski, Bea, 383.

In den von den jugoslawischen Behörden nach dem Krieg erstellten Listen der Kriegsopfer in Mazedonien, wie beispielsweise derjenigen von 1964, wurden Rom:nja nicht als separate Opfergruppe aufgeführt. Gleiches gilt für die Schätzungen des Museums der Genozidopfer in Belgrad.13Muzej žrtava genocida. „Stradali Jugoslavije.“ Expert:innen, die Zahlen aus Volkszählungen der Vor- und Nachkriegszeit verglichen haben, kommen zu unterschiedlichen Einschätzungen: Während der Demograf Vladimir Žerjavić (1912–2001) keine nennenswerten demografischen Verluste unter den Rom:nja in diesem Gebiet feststellte, geht der Statistiker Bogoljub Kočović (1920–2013) von 1 000 während des Zweiten Weltkrieges ermordeten Rom:nja aus.14Žerjavić, Population Losses, 156; Kočović, Žrtve, 76–79, 172.

Insgesamt ist der Forschungsstand zur Situation der Rom:nja im besetzten Mazedonien unzureichend. Seit den 1990er-Jahren versuchen verschiedene Oral-History-Projekte, diese Lücken zu schließen, indem sie romani Überlebende, von denen die meisten den Zweiten Weltkrieg als Kinder oder Jugendliche erlebt haben, sowie deren Nachkommen befragen.15Fings et al., „… einziges Land“, 82–95; Jašari, Genocidot, 9–13; Michollek, „Sie schaufelten“; Polansky, One Blood, Bd. III, 291–395; Privates Archiv von Daniel Petrovski, Aussage von Urmeta Arifovska, interviewt von Daniel Petrovski in Berovo, 17. Oktober 2022; Saliu, „Genocidot“; Yahad-In Unum, Activity Report. Die Ergebnisse können jedoch für die Rekonstruktion einer historischen Darstellung der Erfahrungen mazedonischer Rom:nja nur begrenzt herangezogen werden, da viele der Beschreibungen von Verbrechenskontexten insbesondere in Bezug auf Täter:innen sowie Tatorte und -zeitpunkte vage oder sogar fehlerhaft sind.

Dennoch geben die Erinnerungen der Überlebenden einen Einblick in das Leiden einzelner Rom:nja, darunter Hunger, Zwangsarbeit, die Beschlagnahmung von Tabak und Lebensmitteln, Plünderungen und das Niederbrennen von Eigentum sowie Vergewaltigung, Folter und Mord. Erzählungen über Deportationen mazedonischer Rom:nja durch bulgarische Besatzungsbehörden in Arbeitslager in Altbulgarien, wie beispielsweise nach Simitli oder Kjustendil, tauchen immer wieder in den Erinnerungen auf.

Ein weiteres wiederkehrendes Motiv in den Erzählungen sind geplante Massenerschießungen, die jeweils im letzten Moment durch das persönliche Eingreifen von Einzelpersonen oder Partisan:innen verhindert werden konnten. Die Angaben zum Zeitraum und zum Verlauf der geschilderten Ereignisse variieren jedoch stark, wie das Beispiel Skopje zeigt: Im April 1943 soll ein Mann namens „Kitanac“ die bulgarischen Besatzer:innen davon überzeugt haben, Rom:nja, die sich bereits für die Deportation auf Lastwagen befanden, nicht zu erschießen, sondern stattdessen als Arbeitskräfte einzusetzen. In einem anderen, nicht datierten Fall (während der deutschen Besatzung) soll die Rettung durch „Shukrija“ [Šukrija] und „Kurta“, zwei in der Wehrmacht dienenden romani Soldaten, erfolgt sein, denen es gelungen sein soll, in letzter Minute einen schriftlichen Befehl zur Verhinderung der Hinrichtung zu organisieren. Häufig erwähnen die Interviewten eine geplante Ermordung aller Rom:nja aus Skopje durch die deutschen Besatzer:innen in der Endphase des Krieges, wofür auch bereits ein Massengrab ausgehoben worden sein soll. Die Durchführung des Planes sei nur durch den Vormarsch der Partisan:innen verhindert worden.16Interviewaussagen von Jashar Jashari [Jašar Jašari] (geb. um 1933) und Daut Selimov (geb. 1924), interviewt von Paul Polansky, abgedruckt in Polansky, One Blood, Bd. III, 323 und 334; Fings et al., „… einziges Land“, 47; Kenrick und Puxon, Sinti und Roma, 92; Interviewaussage von Stefan Jankosovski [Pseudonym] (geb. um 1935), interviewt von Nadine Mena Michollek im Jahr 2015, siehe Michollek, „Sie schaufelten“, 159 f., 179 f. Persönliche Erinnerungen und gerüchtebasierte Narrative scheinen sich hier bisweilen zu überschneiden. In einigen Fällen scheint es, als ob die Zwangsrekrutierung für den Arbeitsdienst fälschlich als systematische Vernichtungsmaßnahme wahrgenommen wurde. Es konnten bisher keine Quellen gefunden werden, die diese Erzählungen belegen. Dasselbe gilt für Erzählungen zu bulgarischen Plänen, Rom:nja am Stadtrand von Skopje in einem Getto zu konzentrieren.17Fings et al., „… einziges Land“, 88; Jonuz, „Buchenwald“, 8; Deutscher Bundestag. Drucksache 18/6493, 6; Sozialgericht Berlin, Urteil, 9.

Berichte über durchgeführte Massenmorde, die gezielt an Rom:nja verübt worden sein sollen, finden sich ausschließlich in einigen Interviews mit Überlebenden aus Kumanovo und Umgebung: So sollen Anfang 1942 30 Rom:nja (Männer, Frauen und Kinder) in Sredorek, einer romani Siedlung in Kumanovo, im Rahmen einer deutsch-bulgarischen Vergeltungsmaßnahme erschossen worden sein. In der Gemeinde Lipkovo [Albanisch: Likovё] sollen laut einem weiteren Interview 50 Rom:nja aus den Dörfern Otlja und Matejče [Albanisch: Mateç] ermordet worden sein, bevor der lokale Anführer der albanischen Ballisten – Suleiman Asipi, auch bekannt als Sulj-Otlja (unbekannt–1947) – durch persönliches Eingreifen weitere Erschießungen habe verhindern können. Im nahe gelegenen Orizari [Albanisch: Orizare], ebenfalls in der Gemeinde Lipkovo, sollen ein Telegramm und Telefonanruf von Sulj-Otlja ausgereicht haben, um eine Erschießungsaktion aufzuhalten, bei der bis dahin bereits mehrere ältere Menschen und eine schwangere Frau ermordet worden waren.18Siehe die Interviews von Rufat Jašari mit Ašmet D. (geb. 1928) (Kumanovo 2008), Nešat M. (geb. 1937) (Kumanovo 2009) und Malik N. (geb. 1930) (Kumanovo 2011). Alle abgedruckt in Jašari, Genocidot, 9–11. Verbrechen dieser Größenordnung wurden in der Regel von der jugoslawischen Staatskommission untersucht. Zu den Verbrechenskontexten Kumanovo und Lipkovo wurden bislang jedoch keine historischen Dokumente gefunden, welche die Erzählungen bestätigen würden.

Romani Partisan:innen und die Befreiung Mazedoniens

Mazedonische Rom:nja waren auch Teil der antifaschistischen Partisanenbewegung unter der Führung von Josip Broz Tito (1892–1980). Einige von ihnen waren aus Arbeitsbataillonen und Lagern zu lokalen Partisaneneinheiten geflohen. Bei anderen handelte es sich um ehemalige Soldaten, die aus der bulgarischen Armee zu Partisaneneinheiten übergelaufen waren. Während sich viele Einheimische, darunter auch Rom:nja, freiwillig der Widerstandsbewegung anschlossen, wurden andere im Rahmen von Angriffen auf Dörfer und Städte von Partisan:innen zwangsrekrutiert.

Rom:nja dienten in verschiedenen Partisaneneinheiten, wie der 3., 7., 11., 12. („Skopjer“), 14., 16., 17. und 19. Mazedonischen Volksbefreiungsbrigade. Das 15. Mazedonische Partisanenkorps, zu dem mehrere dieser Brigaden gehörten, war aufgrund seiner multiethnischen Zusammensetzung als „Einheit der Brüderlichkeit und Einheit“ [jedinica bratstva i jedinstva] bekannt. Neben Mazedonier:innen dienten darin viele Albaner:innen, Türk:innen und Rom:nja. In der 7. Brigade stellten Minderheiten vornehmlich muslimischen Glaubens, darunter mazedonische Rom:nja, sogar die überwiegende Mehrheit der Kämpfenden dar. Neben der Teilnahme an Kampfhandlungen beteiligten sich romani Partisan:innen auch an verschiedenen Sabotageaktionen gegen die von den Besatzer:innen genutzte Infrastruktur, wie beispielsweise an der Zerstörung von Telegrafenmasten im Gebiet zwischen Kumanovo und Stracin. Darüber hinaus werden Rom:nja als Mitglieder von Militärkapellen in Partisaneneinheiten erwähnt.19Mitrovski, Petnaesti, 593.; Kralevski, Bea, 378; Biljanovski, Od Kozjak, 227 f.; Kotevski und Mitrovski, Treta, 315; Mihajlovski Grujica, Treća, 26, 274–316, 325, 349 f.; Bericht des Polizeichefs des Bezirks Kumanovo an die Oblastdirektion Skopje über einen Partisanenangriff auf das Dorf Vojnik und die Zerstörung von 24 Telefonmasten zwischen Kumanovo und Stracin, Telegramm vom 13. März 1944. Abgedruckt in Trgo, Zbornik NOR, Bd. VII/3, 348; Vertrauliches Schreiben des Bezirksleiters von Negotino an den Kommandeur des 56. Veles-Regiments mit Vorschlägen zur Bekämpfung von Illegalen und zur vollständigen Mobilisierung der männlichen Bevölkerung im Alter von 18 bis 45 Jahren, 7. Juli 1944. Abgedruckt in ebenda, 404–407, hier 405.

Die Mehrheit der romani Partisan:innen schloss sich ihren Einheiten Ende 1944 an, als immer größere Teile Mazedoniens befreit wurden. Die meisten der neuen Rekrut:innen wurden direkt in Operationen gegen albanische Ballisten eingesetzt und durchliefen erst danach eine dreimonatige „militärpolitische Ausbildung“ [voeno-politička obuka]. Hierbei wurden sie auch mit neuen sowjetischen Waffen vertraut gemacht, die von der Roten Armee geliefert worden waren. In der Spätphase des Krieges kämpften diese Partisaneneinheiten auch in anderen jugoslawischen Gebieten. So wurden sie insbesondere bei Militäroperationen zum Durchbruch der von den Ustaše und der Wehrmacht verteidigten Syrmischen Front [Kroatisch: Srijemski front; Serbisch: Sremski front] eingesetzt, welche die Grenze zum Unabhängigen Staat Kroatien markierte. An der Syrmischen Front, einschließlich des nahe gelegenen Vrpolje, erlitten die Partisaneneinheiten die höchsten Verluste.

Die Gesamtzahl der mazedonischen romani Partisan:innen ist schwer zu bestimmen, da viele von ihnen als Angehörige anderer Nationalitäten registriert wurden. Darüber hinaus werden sie – ähnlich wie im Fall der zivilen Opfer der Besatzung – in offiziellen jugoslawischen Statistiken oftmals gemeinsam mit anderen muslimischen Minderheiten erfasst. So heißt es beispielsweise in jugoslawischen Dokumenten, dass unter den 902 Partisan:innen, die während der Befreiung von Skopje und der Kämpfe in der unmittelbaren Umgebung im November 1944 ihr Leben verloren, „98 Albaner, Türken, Zigeuner und Mazedonier islamischen Glaubens“ gewesen seien.20Kralevski, Bea, 377 f.

Bisher konnten jedoch Dutzende von ihnen namentlich identifiziert werden. Es ist zu erwarten, dass ihre Zahl durch weitere Forschungen noch steigen wird. Sejfo Kadri (geb. 1947), Sohn eines romani Partisanen und prominentes Mitglied der Skopjer Abteilung der Union der Kämpfer der Volksbefreiungs- und Antifaschistischen Bewegung Mazedoniens [Sojuz na borcite od Narodnooslobooditelnata i antifašistička vojna na Makedonija, das mazedonische Pendant des SUBNOR], hat allein aus Skopje die Namen von 27 im Kampf gefallenen romani Partisan:innen zusammengetragen, die meisten von ihnen aus dem Viertel Topaana, in dem viele Rom:nja lebten. Unter ihnen sind auch die bekannten Brüder Ramiz Džemail Hamidovski (1919–1945) und Hamid Džemail Hamidovski (1928–1945). 21 dieser romani Partisanen aus Skopje fielen während des Durchbruchs der Syrmischen Front und in darauffolgenden Kämpfen im April 1945. Der jüngste von ihnen wurde 1928 geboren, der älteste 1915.21Alle sind im offiziellen Gedenkbuch von Skopje erwähnt, jedoch ohne Angabe ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Siehe Kralevski, Bea, 22 f., 30–32, 50 f., 58 f., 66, 69, 74 f., 86, 90, 103, 122, 125, 128, 140, 155–157, 392–394.

Zwei romani Partisanen aus Berovo, Mehmed Jašar Barjaktarovski (1926–1981) und Amza Ibrahim Sulejmanov (geb. 1924), erhielten nach dem Krieg den Verdienstorden für das Volk [Orden na zaslugi za narodot]. Der Rom Rušid Šakir (1927–1945), Arbeiter aus Kumanovo, schloss sich im September 1944 im Alter von 17 Jahren den Partisan:innen an. Er wurde Mitglied der 11. mazedonischen Brigade und nahm an der Befreiung von Veles, Skopje und Tetovo teil. Danach kämpfte er für die 3. mazedonische Sturmbrigade an der Syrmischen Front. Šakir starb während des Durchbruchs in der Stadt Šid am 12. April 1945, als er einem verwundeten Kameraden half.

Aus Kumanovo ist die Geschichte der Partisanin und Romni Alema Mustafovska (1921–unbekannt) überliefert, die den Spitznamen „Partizanka“ erhielt. Ihr Vater hatte die Familie bereits in einer frühen Phase der Besatzung verlassen, um sich der Partisanenbewegung anzuschließen. 1944 wurde sie selbst Partisanin in der 17. mazedonischen Brigade der Kumanovo-Division. Dort lernte sie den Partisan und Rom Sali Ibraimovski (Lebensdaten nicht bekannt) kennen, den sie während des Krieges heiratete. Mustafovska nahm an Kämpfen gegen deutsche Truppen und albanische Ballisten teil und trug so zur Befreiung ihrer Heimatstadt Kumanovo bei, die ihre Brigade am 11. November 1944 zusammen mit anderen Partisaneneinheiten und bulgarischen Truppen erreichte. Alema Mustafovska und ihr Mann überlebten den Krieg und verbrachten den Rest ihres Lebens in Kumanovo, wo sie innerhalb der lokalen romani Community hohes Ansehen genossen.22Učesnici, 373; Kotevski und Mitrovski, Treta, 315.

Nachkriegsentwicklung und Gedenken

Bei der ersten Volkszählung der Nachkriegszeit am 15. März 1948 wurden auf dem Gebiet Mazedoniens 19 500 Rom:nja registriert.23Konačni rezultati popisa, XIV, 437–450. Es ist zu vermuten, dass in dieser Volkszählung mehr Rom:nja als vor dem Krieg Romanes als ihre Muttersprache angegeben haben, was zu höheren Zahlen führte. Dies kann als ein Indikator für die teilweise Wirksamkeit der jugoslawischen Politik der Toleranz gegenüber den Rom:nja gesehen werden, die nicht zuletzt auf der offiziellen Anerkennung ihrer Beteiligung am antifaschistischen Widerstand beruhte. Einem Bericht zufolge erwogen die jugoslawischen Behörden unter Tito sogar die Schaffung einer autonomen Provinz der Rom:nja innerhalb Mazedoniens als Teil der neu gegründeten Föderativen Volksrepublik Jugoslawien.24Kenrick und Puxon, The Destiny, 112.

Durch das Erdbeben von Skopje im Jahr 1963 wurden rund 80 Prozent der Stadt zerstört, darunter große Teile von Topaana sowie anderen Vierteln, in denen Rom:nja lebten. In der Folge wurde das Gebiet um das nahe gelegene Dorf Šuto Orizari [Albanisch: Shuto Orizarit; Romanes: Shuto Orizari] erschlossen und urbanisiert, um die durch das Erdbeben obdachlos gewordenen Rom:nja aus Skopje unterzubringen. 1996 erhielten Šuto Orizari und seine Nachbarbezirke den Status einer Gemeinde von Skopje mit lokaler Selbstverwaltung unter der Leitung eines romani Bürgermeisters und mit Romanes als offizieller Verwaltungssprache neben Mazedonisch. Heute ist Šuto Orizari die einzige Gemeinde in Nordmazedonien mit einer romani Mehrheit.

Im sozialistischen Jugoslawien wurden auf Denkmälern für zivile Opfer des Zweiten Weltkrieges in der Regel keine Angaben zu ihrer ethnischen Zugehörigkeit gemacht. Dies gilt auch für Berovo, wo am Ort der Massenerschießung in der Nähe des örtlichen Fußballstadions ein Denkmal für die Opfer des deutschen Massakers vom Oktober 1944 steht. Dasselbe gilt für die zahlreichen Denkmäler für Partisanenheld:innen, welche die mazedonische Erinnerungslandschaft prägten. Namen und biografische Daten von Rom:nja, die als Partisan:innen kämpften, sind auf mehreren solcher Denkmäler im ganzen Land zu finden, aber ihre ethnische Zugehörigkeit war lediglich Verwandten oder Freunden bekannt. Dies gilt sogar für ein Denkmal im romani Viertel Šuto Orizari in Skopje, auf dem die Namen von zwölf romani Partisan:innen stehen, die an der Syrmischen Front kämpften. Mazedonische Rom:nja fanden jedoch andere Wege, um die Erinnerung zu bewahren: In Šuto Orizari wurden beispielsweise ein Bildungszentrum und eine Grundschule nach den Brüdern Hamid und Ramiz Hamidovski benannt, während das mazedonische „Ensemble für romani Volkstanz und -lieder“ [Ansambl na narodni romski igri i pesni] in Kumanovo den Namen des Partisanen und Rom Rušid Šakir trägt. Durch jährliche Gedenkfeiern und andere Veranstaltungen wird die Erinnerung für heutige und zukünftige Generationen bewahrt.

Die Unabhängigkeit Mazedoniens im Jahr 1991 eröffnete neue Möglichkeiten für romani Selbstorganisation und Gedenken. Romani Abgeordnete und neu gegründete NGOs wie beispielsweise „Romano Ilo“ oder „Romalitico“ vertraten nun die Interessen der Minderheit und forderten, dass die Geschichte der mazedonischen Rom:nja, einschließlich des Völkermords, in Schulbücher aufgenommen wird. Rom:nja aus Mazedonien wurden im Rahmen der Entschädigungszahlungen für Zwangsarbeit durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ in Berlin in den meisten Fällen nicht als entschädigungsberechtigt anerkannt. Stattdessen erhielten ältere Rom:nja, die während des Zweiten Weltkrieges von Verfolgung betroffen waren, zwischen 2003 und 2005 humanitäre Hilfe von der Internationalen Organisation für Migration (IOM).25Erker, „Compensating the Rest of the World“, 187 f. Nach Angaben der IOM gab es 2005 noch etwa 4 500 romani Überlebende des Zweiten Weltkriegs.

In den letzten Jahren ist unter den mazedonischen Rom:nja verstärkt eine eigene Gedenkkultur entstanden, sowohl in Bezug auf die Verfolgung und die Erfahrungen während des Zweiten Weltkrieges als auch die Geschichte der romani Partisan:innen betreffend. Es entstanden Ausstellungen, Dokumentarfilme und sogar Theaterstücke, wie beispielsweise „Der Bösewicht“ (Zlostornikot) des Autors und Regisseurs Daniel Petrovski (geb. 1986), das 2020 von der Theatergruppe der Skopjer romani NGO „Romano Ilo“ beim internationalen Theaterfestival der Rom:nja „Garavde Muja“ in Skopje aufgeführt wurde.26„‚Zlostornikot‘ na Daniel Petrovski.“

Initiativen zur Errichtung eines Denkmals für die Opfer des Völkermords an den Rom:nja im Zweiten Weltkrieg in Šuto Orizari sind bislang jedoch gescheitert. Dies gilt auch für eine Kampagne des romani Politikers und ehemaligen Abgeordneten des mazedonischen Parlaments, Samka Ibraimovski (geb. 1954), für eine offizielle Anerkennung des 2. August als Internationalen Gedenktag an den Roma Holocaust durch die Republik Mazedonien. Seit 2017 nehmen jedoch Vertreter:innen des mazedonischen Staates, die nicht der Minderheit angehören, an Gedenkfeiern teil, die im Zusammenhang mit diesem Tag abgehalten werden.27„Samka Ibraimovski“ und „Odbeležan“.

Einzelnachweise

  • 1
    Crowe, A History, 195–198.
  • 2
    Opfer, Im Schatten des Krieges, 74 f.
  • 3
    Publikationsstelle Wien, Die Gliederung, 10, 18, 307–351.
  • 4
    Krustev und Ivanova, Gypsies on the Roads of War, 288–324; Ivanova und Krastev, „Holocaust“, 218 f.
  • 5
    Opfer, Im Schatten des Krieges, 211 f., 263, 273–281; Kolonomos und Veskoviḱ-Vangeli, Evreite vo Makedonija, Bd. I, 17–70; Matkovski, A History of the Jews, 108–182; Vesković-Vangeli, „Treblinka“, 3–41.
  • 6
    Beschluss Nr. 4567 des bulgarischen Ministerrats über die Bildung des Kommissariats für jüdische Angelegenheiten und Änderungen des Gesetzes zum Schutz der Nation, Sofia, 27. August 1942. Abgedruckt in Vesković-Vangeli, „Treblinka“, 63–82, hier 70 f.; Saliu, „Genocidot“, 40; Kolonomos und Veskoviḱ-Vangeli, Evreite vo Makedonija, Bd. I, 18; Jüdische Religionsgemeinschaft von Bitola an das Ministerium für den Schutz des Volkes bezüglich Zeugenaussagen gegen Personen, die Massenverbrechen gegen Juden organisiert oder begangen hatten, Bitola, 1. März 1945. Abgedruckt in Vesković-Vangeli, „Treblinka“, 374–400, hier 380 und 396.
  • 7
    Opfer, Im Schatten des Krieges, 306; Stojčev, Bugarskiot okupaciski sistem, 191–195.
  • 8
    Krustev und Ivanova, Gypsies on the Roads of War, 292, 302 f., 318 f.; Opfer, Im Schatten des Krieges, 281 f.
  • 9
    Ristović, „Karl Blum’s long journey“, 13–37.
  • 10
    Der zivile Sektor der Direktion der Oblast Skopje an den Präsidenten der Handelskammer der Oblast Skopje bezüglich der Gesamtzahl der Einwohner der Stadt Skopje nach Nationalität, Skopje, 11. März 1944. Abgedruckt in Kolonomos und Veskoviḱ-Vangeli, Evreite vo Makedonija, Bd. II, 1096 f.
  • 11
    Trajkovski, „Odmazdnički akcii“, 173; Privates Archiv von Daniel Petrovski, Aussage von Urmeta Arifovska, interviewt von Daniel Petrovski in Berovo, 17. Oktober 2022.
  • 12
    Kralevski, Bea, 383.
  • 13
    Muzej žrtava genocida. „Stradali Jugoslavije.“
  • 14
    Žerjavić, Population Losses, 156; Kočović, Žrtve, 76–79, 172.
  • 15
    Fings et al., „… einziges Land“, 82–95; Jašari, Genocidot, 9–13; Michollek, „Sie schaufelten“; Polansky, One Blood, Bd. III, 291–395; Privates Archiv von Daniel Petrovski, Aussage von Urmeta Arifovska, interviewt von Daniel Petrovski in Berovo, 17. Oktober 2022; Saliu, „Genocidot“; Yahad-In Unum, Activity Report.
  • 16
    Interviewaussagen von Jashar Jashari [Jašar Jašari] (geb. um 1933) und Daut Selimov (geb. 1924), interviewt von Paul Polansky, abgedruckt in Polansky, One Blood, Bd. III, 323 und 334; Fings et al., „… einziges Land“, 47; Kenrick und Puxon, Sinti und Roma, 92; Interviewaussage von Stefan Jankosovski [Pseudonym] (geb. um 1935), interviewt von Nadine Mena Michollek im Jahr 2015, siehe Michollek, „Sie schaufelten“, 159 f., 179 f.
  • 17
    Fings et al., „… einziges Land“, 88; Jonuz, „Buchenwald“, 8; Deutscher Bundestag. Drucksache 18/6493, 6; Sozialgericht Berlin, Urteil, 9.
  • 18
    Siehe die Interviews von Rufat Jašari mit Ašmet D. (geb. 1928) (Kumanovo 2008), Nešat M. (geb. 1937) (Kumanovo 2009) und Malik N. (geb. 1930) (Kumanovo 2011). Alle abgedruckt in Jašari, Genocidot, 9–11.
  • 19
    Mitrovski, Petnaesti, 593.; Kralevski, Bea, 378; Biljanovski, Od Kozjak, 227 f.; Kotevski und Mitrovski, Treta, 315; Mihajlovski Grujica, Treća, 26, 274–316, 325, 349 f.; Bericht des Polizeichefs des Bezirks Kumanovo an die Oblastdirektion Skopje über einen Partisanenangriff auf das Dorf Vojnik und die Zerstörung von 24 Telefonmasten zwischen Kumanovo und Stracin, Telegramm vom 13. März 1944. Abgedruckt in Trgo, Zbornik NOR, Bd. VII/3, 348; Vertrauliches Schreiben des Bezirksleiters von Negotino an den Kommandeur des 56. Veles-Regiments mit Vorschlägen zur Bekämpfung von Illegalen und zur vollständigen Mobilisierung der männlichen Bevölkerung im Alter von 18 bis 45 Jahren, 7. Juli 1944. Abgedruckt in ebenda, 404–407, hier 405.
  • 20
    Kralevski, Bea, 377 f.
  • 21
    Alle sind im offiziellen Gedenkbuch von Skopje erwähnt, jedoch ohne Angabe ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Siehe Kralevski, Bea, 22 f., 30–32, 50 f., 58 f., 66, 69, 74 f., 86, 90, 103, 122, 125, 128, 140, 155–157, 392–394.
  • 22
    Učesnici, 373; Kotevski und Mitrovski, Treta, 315.
  • 23
    Konačni rezultati popisa, XIV, 437–450.
  • 24
    Kenrick und Puxon, The Destiny, 112.
  • 25
    Erker, „Compensating the Rest of the World“, 187 f.
  • 26
    „‚Zlostornikot‘ na Daniel Petrovski.“
  • 27
    „Samka Ibraimovski“ und „Odbeležan“.

Zitierweise

Danijel Vojak / Daniel Petrovski / Martin Holler: Nordmazedonien, in: Enzyklopädie des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma in Europa. Hg. von Karola Fings, Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg, Heidelberg 19. April 2026.-

1942
27. August 1942In Artikel 24 des Beschlusses Nr. 4567 bestätigt der bulgarische Ministerrat das bestehende Eheverbot zwischen Juden:Jüdinnen und Bulgar:innen und weitet es auf Ehen zwischen Rom:nja und Bulgar:innen aus. Diese Regelung gilt auch in den bulgarisch besetzten und de facto annektierten „neuen Gebieten“ Vardar-Mazedonien, Westthrakien und die Region um Pirot.
1944
3. Oktober 1944Als Vergeltung für einen Partisanenangriff im Bereich des Maleševo-Gebirges, deutsch besetztes Mazedonien, erschießt die Kampfgruppe „Bruns“ 50 einheimische Zivilisten, davon 40 in der Stadt Berovo [Albanisch: Berova]. Unter den Opfern von Berovo waren mindestens vier Roma.