Die Ustaša-Behörden des Unabhängigen Staates Kroatien [Nezavisna Država Hrvatska] errichteten am 25. Juni 1941 auf der Adriainsel Pag das Konzentrationslager Slana für Männer sowie das etwa drei Kilometer entfernte Lager Metajna für Frauen und Kinder. Während sich letzteres am Rande des Dorfes Metajna befand, erstreckte sich Slana über ein unbewohntes, karges Felsplateau ohne jegliche Vegetation. Beide Lager waren Teil des Lagersystems von Gospić. Der Kommandant der Lager auf Pag war Ivan Devčić (1904–1974), bekannt als Pivac. Er unterstand dem Kommandanten aller kroatischen Lager, Vjekoslav „Maks“ Luburić (1914–1969), der das Lager Slana mehrmals zu Inspektionszwecken besuchte.
Lagerbedingungen, Zwangsarbeit und Massaker
Es ist nicht dokumentiert, wie viele Häftlinge das Lager Slana durchlaufen haben, da es der Ustaša gelang, alle relevanten Dokumente zu vernichten. Informationen über die Bedingungen und Ereignisse im Lager stammen daher ausschließlich aus Aussagen überlebender Häftlinge, beteiligter Täter und anderer Augenzeug:innen.1Dies gilt für die gesamte Historiografie zu diesem Thema, unter anderem: Deverić und Fumić, Hrvatska u logorima, 44–47; Geiger, Jareb und Kovačić, Jadovno i Šaranova jama, 57–62; Goldstein und Goldstein, Holocaust in Croatia, 250–258; Peršen, Ustaški logori, 95–102.
Die ersten Gruppen von Häftlingen mussten im Freien schlafen und das Lager baulich erweitern. Als die Holzbaracken für die Häftlinge fertiggestellt waren, wurde das Lager Slana in zwei Bereiche unterteilt, die durch Stacheldraht voneinander getrennt waren.
Der kleinere Bereich mit drei Baracken war für jüdische Häftlinge aus Zagreb und anderen Teilen Kroatiens vorgesehen. Der zweite Teil umfasste zehn Baracken, in denen hauptsächlich Serben, aber auch kroatische Kommunisten untergebracht waren, die in Lika und Bosnien-Herzegowina verhaftet worden waren. Einer der Überlebenden des Lagers, Otto Radan (1904–1992), erklärte nach dem Krieg, dass sich unter diesen Häftlingen auch Roma befanden.2Zemljar, Haron i sudbine, 70.
Die Gefangenen wurden zum Bau einer Straße zwischen den Lagern eingesetzt. Zwangsarbeit, Misshandlungen, absichtliche Unterernährung und unhygienische Bedingungen führten zum Tod vieler Gefangener. Als im Juli 1941 die Zahl der Transporte nach Slana zunahm und dadurch Platzmangel entstand, begannen die Bewacher der Ustaša, Gruppen von Gefangenen zu selektieren und aus dem Lager zur Hinrichtung zu führen. Einige der Leichen wurden auf der Insel begraben, andere sollen ins Meer geworfen worden sein.
Die meisten Morde wurden am 21. August 1941 im Zuge der Auflösung der Lager auf Pag begangen, die erfolgte, weil die italienischen Verantwortlichen beschlossen hatten, die vollständige Kontrolle über die Besatzungszone B und damit auch über die Insel Pag zu übernehmen. Logistische Probleme während der eiligen Evakuierung veranlassten die Ustaše zu weiteren Morden, um zu verhindern, dass die Gefangenen von den italienischen Truppen befreit wurden. Die übrigen Häftlinge wurden über Gospić in die Lager Jastrebarsko und Jasenovac deportiert. Ob die romani Häftlinge des Lagers Slana zu den überführten oder sofort ermordeten Häftlingen gehörten, ist nach wie vor unbekannt.
Exhumierungen durch Italien
Das Fehlen zuverlässiger Dokumente über die Häftlinge des Lagers Slana veranlasste Historiker zu sehr unterschiedlichen Schätzungen über die Anzahl der Toten. Die Zahlen reichen von 1 500 über 8 000 bis hin zu 13 000 Personen.3Zu den Kontroversen und methodologischen Problemen im Zusammenhang mit diesem Aspekt des Lagers Slana siehe Geiger, Jareb und Kovačić, Jadovno i Šaranova jama, 57–62. Objektiv lässt sich die Gesamtzahl der Opfer nicht bestimmen. Eine Mindestzahl lässt sich jedoch aus den Berichten der Sanitätskommissionen der italienischen Armee ableiten, die auch Fotografien von den Überresten des Lagers anfertigten. Im September 1941 exhumierten sie die Leichen von 791 Häftlingen (407 Männer, 293 Frauen, 91 Kinder) und verbrannten sie, um die Ausbreitung von Infektionskrankheiten zu verhindern.
Gedenktafel
Abgesehen von den Grundmauern einer unvollendeten Steinbaracke für die Ustaša-Wachen sind keine Spuren des Lagers Slana erhalten geblieben. Am 7. September 1975 wurde anlässlich des „30. Jahrestags des Sieges über den Faschismus und der Befreiung des Landes” auf Pag an der Küste von Sušac eine Gedenktafel aufgestellt. Ihre Inschrift lautet: „Ehre den Opfern des Faschismus / Ende Mai 1941 [sic] wurde hier das Vernichtungslager Slana errichtet. In weniger als drei schrecklichen Monaten fanden Tausende unschuldiger Menschen – Serben, Juden, Kroaten und andere – den Tod in den Fängen faschistischer Bestien zu Lande und zu Wasser. / Tod dem Faschismus – Freiheit für das Volk!“.4„Slava žrtvama fašizma / 1941. godine, krajem svibnja osnovan je ovdje logor smrti Slana. U strašnom trajanju od nepuna tri mjeseca tisuće nedužnih ljudi — Srba, Jevreja, Hrvata i drugih našlo je smrt u kandžama fašističkih zvjeri na kopnu i u moru. / Smrt fašizmu — sloboda narodu!“. Die Gedenktafel musste seit den 1990er-Jahren wegen wiederholter Akte von Vandalismus mehrmals ersetzt werden.5Pejaković, „Slana Concentration Camp 1941”, mit einer Abbildung der Gedenktafel.




